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Öko-Präsident Ralf Huber übergibt die Stellungnahme des BBV-Präsidium zum EU-Öko-Recht an Christine Singer
© BBV
Ökopräsident Ralf Huber übergibt Landesbäuerin und MdEP Christine Singer die Anliegen des BBV zum EU-Öko-Recht mit der Bitte, sich in Brüssel dafür stark zu machen.

Entwicklungsbarrieren im EU-Öko-Recht aus dem Weg räumen!

Tierhaltung ist im System Ökolandbau unverzichtbar und braucht Rückenwind

10.07.2025 | Öko-Betriebumstellungen sind rückläufig, weitere Betriebe drohen wegzubrechen: Das bestehende EU-Öko-Recht bremst den Ökolandbau in seiner Entwicklung, Korrekturen sind nötig: Positionen des Präsidiums des Bayerischen Bauernverbandes anlässlich der Sitzung des Bayerischen Kabinetts am 1. Juli 2025 in Brüssel

Bio unter Druck – zur aktuellen Situation des Ökolandbaus in Bayern

In Bayern wirtschaften aktuell rund 12.000 Betriebe nach den Richtlinien des ökologischen Landbaus, das entspricht einem Anteil von 12 Prozent aller landwirtschaftlichen Betriebe. Die Öko-Fläche umfasst rund 428.000 Hektar, entsprechend knapp 14 Prozent der Gesamtfläche. In Deutschland betragen die Öko-Anteile 14 Prozent der Betriebe und 11 Prozent der Fläche. Deutlich niedriger liegen diese allerdings in der Tierhaltung: Deutschlandweit stehen nur 6,6 Prozent der deutschen Milchkühe, 6,6 Prozent der Hühner und 1,1 Prozent der Schweine in Ökoställen. 

Tierhaltung – im Ökolandbau von entscheidender Bedeutung

Dabei spielt die Tierhaltung im System Ökolandbau – in dem chemisch-synthetische Düngemittel nicht eingesetzt werden dürfen – eine hervorgehobene Rolle, um bedarfsgerecht Nährstoffe zu liefern, die Bodenfruchtbarkeit zu erhalten und Erträge zu steigern. Das gilt sowohl für den einzelnen Betrieb als auch regional, zum Beispiel durch Futter-Mist-Kooperationen von viehlosen Öko-Ackerbaubetrieben mit Tierhaltern.  Zudem sind die Öko-Tierhalter wichtige Abnehmer für Öko-Getreide; rund ein Drittel des Öko-Getreides und insbesondere Getreide aus Umstellungsbetrieben wird als Tierfutter verwendet.

Betriebsumstellungen rückläufig – drohen nun auch noch Rückumstellungen? 

Der Landesfachausschuss Ökologischer Landbau im Bayerischen Bauernverband hat sich in seiner Sitzung am 19. Mai 2025 intensiv mit der Weiterentwicklung des Ökolandbaus und der Öko-Tierhaltung beschäftigt. Seit etwa drei Jahren stellen nur noch wenige Betriebe auf „Öko“ um und aufgrund der verschärften Auslegung der Weidevorgaben in der EU-Öko-Verordnung drohen in Bayern bis Jahresende mehrere Hundert insbesondere Öko-Milchkuhhalter wegzubrechen. Neben dem verringerten Preisabstand zwischen konventionellen und ökologischen Erzeugnissen zeigt sich deutlich, dass das bestehende EU-Öko-Recht den Ökolandbau in seiner Entwicklung behindert und sogar um Jahre zurückzuwerfen droht. Öko-Förderprogramme und eine lebendige Verbrauchernachfrage nach Öko-Produkten können nicht ausgleichen, was das EU-Öko-Recht an Erschwernissen aufgerichtet hat.

BBV: Für einen Rechtsrahmen, der Öko-Tierhaltern Rückenwind gibt!

Daher fordert das Präsidium des Bayerischen Bauernverbandes, die zahlreichen Entwicklungsbarrieren im EU-Öko-Recht aus dem Weg zu räumen und einen Rechtsrahmen zu schaffen, der den Öko-Tierhaltern Rückenwind gibt, Raum für regionale Gegebenheiten sowie Innovationen lässt und die Wirtschaftlichkeit berücksichtigt. Nur so kann verhindert werden, dass Hunderte von Öko-Betrieben auf konventionelle Bewirtschaftung rückumstellen und das Umstellungsinteresse schwach bleibt. Nur so kann verhindert werden, dass die wieder wachsende Verbrauchernachfrage nach Öko-Lebensmitteln verstärkt durch importierte Ware gedeckt wird.

Vorgaben brauchen Korrekturen
Insbesondere folgende Bereiche im EU-Öko-Recht hemmen die Entwicklung des Ökolandbaus beziehungsweise drohen diesen in eine kleine Nische zurückzuwerfen und müssen daher dringend korrigiert werden:
 

  • Weidevorgaben für Öko-Pflanzenfresser: Weide ist eine sehr tiergerechte Haltungsform, die aber nicht in vollem Umfang auf allen Betrieben umsetzbar ist – und sie ist nicht der einzige, sondern einer von mehreren Parametern, die das Tierwohl steigern. Hier ist die Klarstellung der EU-Kommission gefordert, dass auch Betriebe ohne vollumfängliche Weidehaltung aller Tiergruppen „öko“ bleiben können.
  • Auslauf für Küken: Das EU-Öko-Recht fordert, Auslauf für Junggeflügel vom ersten Tag an vorzuhalten, auch wenn sie ihn in den ersten Lebenswochen nicht nutzen können und dürfen, weil dieser lebensgefährlich wäre. Sie können ihre Körpertemperatur zu Beginn ihres Lebens noch nicht selbst regulieren und benötigen ein warmes trockenes Klima im Junggeflügelstall. Für Küken Auslaufflächen mit Umbauten im Stall, wie den Einbau von Klappen, zu fordern, widerspricht jeglichen Regeln der Vernunft und wäre betriebswirtschaftlich sowie produktionstechnisch Unfug.
  • Innovative Stallsysteme für Rinder und Schweine: Bei neuen, besonders tiergerechten Stallsystemen mit offener Bauweise gehen Innen- und Außenbereiche fließend ineinander über. Dadurch sind sie oftmals nicht konform mit der entsprechenden Durchführungsverordnung mit starren Flächenvorgaben für Innen- und Außenbereiche. Diese muss so formuliert werden, dass sie Raum für Innovationen bei Stallsystemen lässt. Für die Teilüberdachungen der Außenbereiche von Schweineställen, die größer als die nun geltenden 50 Prozent sind, fordert der Bayerische Bauernverband einen Bestandsschutz, damit diese nicht rückgebaut werden müssen, und eine deutliche flexiblere Neuauslegung der Definition „teilüberdacht“.

Daneben gibt es eine ganze Reihe weiterer Regelungsbereiche, die ebenfalls die Öko-Betriebe ausbremsen und zum Teil fachlich fragwürdig sind. Auch diese sind dringend zu verbessern.

Da eine Änderung des EU-Basisrechts vermutlich sehr langwierig und schwierig wäre, fordert das Präsidium des Bayerischen Bauernverbandes die EU-Kommission auf, mit Auslegungspapieren Klarheit zu schaffen und wo nötig, delegierte Rechtsakte zu ändern oder zu erlassen. Das Präsidium des Bayerischen Bauernverbandes bittet mit Nachdruck die Verantwortlichen auf bayerischer und auf bundesdeutscher Ebene um Unterstützung dieser Anliegen.