Schweinefleisch-Importe und niedrige Preise ruinieren uns
Massiver Preisverfall bei Schlachtschweinen und Ferkeln bedroht auch Existenz regionaler Betriebe
Niedrige Erlöse trotz Grillsaison
Auch wenn die VEZG-Notierungen am 5. August 2026 einen Anstieg um 0,10 € verzeichnen, ist das Preisniveau mit 1,50 Euro je Kilogramm Schlachtgewicht weit von einer kostendeckenden Erzeugung entfernt. Laut Marktbeobachtung fehlen den Schweinehaltern derzeit bis zu 40 Euro je Tier, um die Vollkosten zu decken. „Zu Preisen von rund 38 Euro pro Ferkel und aktuell 1,50 Euro pro Kilogramm Schlachtgewicht kann kein Schweinebetrieb kostendeckend produzieren. Der langanhaltende Preiskrise bringt viele Schweinehalter in erhebliche finanzielle Schwierigkeiten“, macht Peter Köninger, Präsident des Bayerischen Bauernverbandes Bezirk Mittelfranken beim Austausch auf dem Betrieb der Bauer GbR in Sugenheim, Landkreis Neustadt a.d.Aisch – Bad Windsheim deutlich.
Besonders unverständlich ist die Entwicklung, weil die üblichen Marktimpulse eigentlich in die andere Richtung weisen. Die Grillsaison, sommerliche Temperaturen und insbesondere ein Fußball-Weltmeisterschaftsjahr gelten traditionell als Treiber für eine höhere Nachfrage und stabile Absatzmärkte. Gleichzeitig ist das Angebot an Schlachtschweinen saisonal eher rückläufig. Dennoch begründen Schlachtunternehmen die Preissenkungen mit schwachen Fleischgeschäften, gut gefüllten Lagern und einem hohen Mengendruck im europäischen Markt.
BBV fordert politische Unterstützung
Der Bayerische Bauernverband (BBV) hatte Mitte Juli 2026 zu einem Krisengespräch eingeladen, an dem die bayerische Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber sowie über 30 Vertreterinnen und Vertreter aus Erzeugung, Schlachtung, Metzgerhandwerk, Gastronomie und weiteren Organisationen der Branche teilnahmen. Laut BBV sei die derzeitige Situation alarmierend. Die aktuellen Erzeugerpreise deckten - auch im Biosegment - nicht einmal mehr die variablen Kosten. Aber nicht nur die Rentabilität bleibe auf der Strecke, sondern auch die Liquidität. Besonders betroffen seien Betriebe, die entsprechend den Wünschen von Gesellschaft, Politik und Markt in neue Tierwohlställe investiert hätten. Erschreckend sei, dass einige Betriebe Investitionsvorhaben mit bereits bewilligter staatlicher Förderung aktuell nicht realisierten. „Uns Schweinehaltern fehlt schlicht das Geld, um die Produktion aufrechtzuerhalten“, erklärt Jürgen Dierauff, BBV Kreisobmann im Landkreis Neustadt a.d.Aisch – Bad Windsheim.
Heimische Fleischversorgung in Gefahr
Angesichts dieser existenzbedrohenden Situation fordert der BBV die schnelle Umsetzung von Zinszuschüssen bei Darlehen der Rentenbank, steuerliche Hilfsmaßnahmen und Abschlagszahlungen auf die Direktzahlungen. „Jetzt muss schnell gehandelt werden. Wenn uns Schweinehaltern die Luft ausgeht, zerbricht die gesamte Wertschöpfungskette und wir verlieren die heimische Schweinefleischversorgung“, bekräftigt Jürgen Dierauff, Kreisobmann. Politik und Marktpartner müssten sofort und konsequent handeln.
„Unsere Schweine werden in Ställen der Haltungsform drei für mehr Tierwohl gehalten und haben zum Beispiel mehr als den gesetzlich vorgeschriebenen Platz und Zugang zu Außenklima. Verbraucher erhalten von uns qualitativ hochwertiges Fleisch und dafür sollten wir mehr werben“, betont Lena Bauer, Landwirtschaftsmeisterin und Hofnachfolgerin der Bauer GbR.
Forderungen an die Politik
Das BBV-Präsidium stellt in einem Acht-Punkte-Plan konkrete Forderungen an die Politik. Aktuell könne nur Akuthilfe das sofortige Aus vieler Betriebe verhindern. „Liquiditätshilfeprogramme, steuerliche Entlastungen und Abschlagszahlungen auf die Direktzahlungen würden den Druck auf die Betriebe spürbar reduzieren. EU-weit sind die Anforderungen für Schweinehalter zu vereinheitlichen, um eine echte Chancengleichheit im Wettbewerb sicherzustellen“, fordert Dieter Förster, 2. Vorsitzender des Landeskuratoriums für Erzeugerringe für tierische Veredelung Bayern e.V. und Schweinemäster im Landkreis Neustadt a.d.Aisch – Bad Windsheim. Geringere Kosten und weniger Bürokratie würden die Investitionsbereitschaft der Betriebe stärken und die Erzeugung im Land sichern. Auch nach August 2026 sollten Investitionen insbesondere in Tierwohlmaßnahmen staatlich gefördert werden. „Unser nach Tierwohl-Standards der Haltungsform drei gebauter Stall bietet artgerechtere Haltungsbedingungen für die Tiere und komfortablere Arbeitsbedingungen für die Mitarbeitenden“, unterstreicht Eva Bauer von der Bauer GbR die Bedeutung der Tierwohlmaßnahmen. Der Lebensmitteleinzelhandel und der Außer-Haus-Verzehr sollten sich zu regionalem Schweinefleisch bekennen und Billig-Offerten aus dem Ausland widerstehen. Die verpflichtende Herkunftskennzeichnung ist angesichts neuer EU-Handelsabkommen und unterschiedlicher Erzeugungsstandards auszuweiten, um Transparenz für Verbraucher zu schaffen und die regionale Landwirtschaft zu stärken. Neben dem Inlands- und EU-Markt leisten auch Exportmöglichkeiten einen wichtigen Beitrag zur Wertschöpfung beim Schweinefleisch. Der BBV appelliert insbesondere an Bundesagrarminister Alois Rainer, laut Exportstrategie die deutsche Agrar- und Ernährungswirtschaft bei der Erschließung und Sicherung internationaler Absatzmärkte zu unterstützen.
Protestaktion in Triesdorf
Der Bayerische Bauernverband setzt sich aktiv für die Mäster und Ferkelerzeuger im Freistaat ein. Mittelfränkische Verbandsvertreter etwa nutzten den Besuch von Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer beim Triesdorfer Johannitag 2026, um auf die katastrophale Situation auf dem Schweinemarkt aufmerksam zu machen.