Hitze, Dürre, Kostendruck: Was kommt jetzt für die Landwirtschaft?
Die wichtigsten Fakten und eine erste Einordnung der Hilfsmaßnahmen
Am 2. September hat Bundesminister Alois Rainer im Rahmen seines Ernteberichts 2026 die aktuelle Situation auf den Landwirtschaftsbetrieben angesichts der Folgen der Hitze und Dürre als Krise nationalen Ausmaßes eingeordnet. Hinzu kommen die massiven Kostensteigerungen bei Betriebsmitteln und die vielfach völlig unbefriedigende Erzeugerpreissituation. Als Hilfestellung für die Landwirtschaftsbetriebe hat Bundesminister Rainer einige Maßnahmen bekannt gemacht, die hart betroffenen Betrieben bei der Liquidität unterstützen sollen.
Der Generalsekretär des Bayerischen Bauernverbandes, Carl von Butler, erklärte zum vorgestellten Erntebericht von Bundeslandwirtschaftsminister Rainer: „Wer von einer Krise nationalen Ausmaßes spricht, muss auch wirksame Hilfen liefern, statt diese Krise auszusitzen und auf ein besseres 2027 zu hoffen. Antworten, die wirksam helfen würden, hat der BBV im Vorfeld des geforderten Sofortprogramms geliefert.“
Die vollständige Stellungnahme und die zentralen Forderungen des BBV finden Sie hier.
Folgende Maßnahmen hat Bundesminister Rainer vorgestellt
Liquiditätsprogramm 1: Das läuft bereits!
Das bestehende Liquiditätshilfeprogramm mit der Landwirtschaftlichen Rentenbank, das seit Juni von Landwirtschaftsbetrieben genutzt werden kann, wird um 300 Millionen Euro auf ein Darlehensvolumen von insgesamt 500 Millionen Euro aufgestockt.
Damit soll dieses vergünstigte Angebot von Liquiditätsdarlehen (3 Jahre Laufzeit; bis 50.000 Euro Darlehensvolumen ohne Nachweis eines konkreten Liquiditätsbedarfs, darüber mit Nachweis) auch im Jahr 2027 genutzt werden können und nicht nur bis Ende 2026.
Die Darlehen werden über die Hausbank beantragt, die die Kreditwürdigkeit prüft und das Darlehen dann mit der landwirtschaftlichen Rentenbank umsetzt.
Liquiditätsprogramm 2: Das soll kommen!
Bundeslandwirtschaftsminister Rainer will in Kürze mit Bundesfinanzminister Klingbeil die Finalisierung für ein zweites Liquiditätsprogramm über die Landwirtschaftliche Rentenbank abstimmen und dann anbieten.
Dieses Programm würde dann einen Nachweis des konkreten Liquiditätsbedarfes eines Landwirtschaftsbetriebes umfassen und vergünstigte Darlehen mit deutlich stärker gesenkten Zinsen und längeren Laufzeiten (z.B. 5 Jahre und eventuell mehr) ermöglichen. Hier ist aber noch die politische Einigung der beiden Bundesminister Rainer und Klingbeil ausstehend.
Umsetzung des EU-Krisenpakets aufgrund der Nahostkrise
Bundesagrarminister Rainer will die EU-Hilfe in Höhe von 60 Millionen Euro im Zusammenhang mit den Kostenbelastungen in der Landwirtschaft durch die Nahostkrise als Hektarprämie zur Verfügung stellen.
Es handelt sich um ein unbürokratisches Antragsverfahren, indem die Länderagrarministerien dies einfach direkt den Betrieben Ende 2026 bzw. Anfang 2027 auszahlen.
Stundung von Beiträge SVLFG
Landwirtinnen und Landwirte können zudem die Stundung ihrer Sozialversicherungsbeiträge bei der Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG) nutzen.
Ausschöpfen der nationalen Obergrenze bei den EU-Direktzahlungen in 2027
Eigentlich hatte das Bundeslandwirtschaftsministerium vor Wochen geplant, im nächsten Jahr die verfügbaren Mittel für EU-Direktzahlungen nicht voll auszuzahlen. Damit sollte eine gewisse Reserve von 700 Mio. Euro verbleiben, um damit beim im Moment noch völlig offenen Übergang auf die künftige EU-Agrarpolitik 2028 bis 2034 mögliche Probleme bestmöglich auffangen zu können.
Der Bauernverband hat sich von Anfang an dafür eingesetzt, dass die im Jahr 2027 zur Verfügung stehenden EU-Direktzahlungen auch im Antragsjahr 2027 vollständig an die Landwirte ausgezahlt werden. Zudem muss die Bundesregierung sich bei den Beratungen über den künftigen EU-Finanzrahmen für ein EU-Agrarbudget mit 500 Mrd. Euro von 2028 bis 2034 weiter einsetzen.
Letztlich hat dann Bundesminister Rainer entschieden, dass nun doch die volle Summe für EU-Direktzahlungen von 4,9 Mrd. Euro im Jahr 2027 ausgezahlt wird. Darin stecken die aktuell von Bundesminister Rainer angesprochenen zusätzlichen rund 700 Mio. Euro, die er im Rahmen der Hilfsmaßnahmen für mehr Liquidität gestern vorgestellt hat.
Zum Teil kursierende Interpretationen, dass es sich bei den 700 Mio. Euro um vorgezogene EU-Agrargelder handle, ist falsch.
Steuerliche Risikoausgleichsrücklage einführen
Die Folgen des Klimawandels sind für die Landwirtschaft längst Realität: Dürre, Hitze, Starkregen und andere Wetterextreme treten häufiger auf und führen zu immer stärkeren Schwankungen bei Erträgen und Einkommen.
Die Betriebe brauchen deshalb ein wirksames Instrument, um in guten Jahren steuerfrei Vorsorge für Krisenjahre treffen zu können. Das Bundeslandwirtschaftsministerium berät hier mit dem Bundesfinanzministerium über die Einführung einer steuerlichen Risikoausgleichsrücklage ein.
Dies ist auch im Koalitionsvertrag festgelegt und eine langjährige Forderung des Bayerischen Bauernverbandes.
Steuerliche Gewinnglättung über 2028 hinaus vorsehen
Um stark schwankende landwirtschaftliche Einkommen auszugleichen, verlangt das Bundeslandwirtschaftsministerium vom Bundesfinanzministerium eine Fortsetzung und Verstetigung der sogenannten Gewinnglättung über 2028 hinaus.
Mehrgefahrenversicherung bundesweit fördern
Bundeslandwirtschaftsminister Rainer will mit den Länderagrarministerinnen und -ministern sprechen, dass – neben Bayern und Baden-Württemberg – auch alle anderen Bundesländer künftig staatlich geförderte Mehrgefahrenversicherungen anbieten sowie ob Bund und Länder hier die Gemeinschaftsaufgabe auch nutzen.
Wälder mit Mitteln aus dem Klima- und Transformationsfonds (KTF) stärken
Bundesminister Rainer setzt sich dafür ein, dass die bereits vorhandenen Bundesmittel von bis zu 100 Millionen Euro für den Umbau der Wälder in Deutschland vollständig mobilisiert werden.
Bauernverband hält an seinen Forderungen für Sofortmaßnahmen fest
Der Bayerische Bauernverband hat angesichts der vielfach sehr angespannten Wirtschaftssituation auf den Landwirtschaftsbetrieben seit Längerem einen Forderungskatalog für Sofortmaßnahmen sowie auch mittel- und langfristig erforderliche Rahmensetzungen.
Der Bayerische Bauernverband hat damit frühzeitig Antworten für ein wirksames Sofortprogramm geliefert.
Dazu gehören z.B. folgende akute Maßnahmen:
- Der Bundeszuschuss für die SVLFG-Beiträge muss erhöht, statt wie bisher im Haushalt geplant gesenkt werden.
- Aufstockung der EU-Düngehilfe durch Deutschland, um Betrieben zusätzlich zu helfen.
- Neue Bund-Länder-Nothilfe nach dem Vorbild der Dürrehilfe 2018.
"Statt nur eine kurzfristige Hilfestellung zu geben, muss sich die Bundesregierung in Brüssel für eine echte schnelle und langfristige Entlastung auf den Betrieben einsetzen“, betont von Buttler.
So zum Beispiel für
- ein starkes EU-Agrarbudget ab 2028 mit mindestens 500 Mrd. Euro
- ein Auflagenmoratorium in Berlin und Brüssel sowie
- einen spürbaren Abbau von Bürokratie und Auflagen.