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Sofortprogramm 2026: Landwirtschaft braucht jetzt schnelle und wirksame Entlastung

BBV fordert schnelle Hilfen für alle Betriebe und gezielte Unterstützung für besonders betroffene Produktionsbereiche

20.08.2026 | Hitze, Trockenheit, Ertragsausfälle, hohe Energie- und Düngerkosten sowie teilweise massive Einbrüche bei den Erzeugerpreisen setzen Bayerns landwirtschaftliche Betriebe 2026 erheblich unter Druck. Besonders angespannt ist die Lage in der Schweinehaltung, bei Raufutterfressern und in arbeitsintensiven Sonderkulturen. Der Bayerische Bauernverband fordert deshalb ein Sofortprogramm 2026 für die Landwirtschaft. Die zentrale Botschaft: Die Unterstützung muss jetzt auf den Höfen ankommen – bevor aus Liquiditätsproblemen Betriebsaufgaben werden.

Entlastung für alle Betriebe

Zunächst braucht es schnelle Maßnahmen, die möglichst allen landwirtschaftlichen Betrieben zugutekommen. Der BBV fordert deshalb unter anderem einen zusätzlichen Bundeszuschuss zur Senkung der SVLFG-Beiträge, der gezielt der landwirtschaftlichen Unfallversicherung zugeordnet werden soll. So können die Beiträge für 2026/27 spürbar reduziert werden.
 

Auch bei den Kraftstoffkosten muss nachgesteuert werden. Der BBV fordert, bereits bei der Antragstellung 2026 für den Verbrauch 2025 den vollen Agrardiesel-Entlastungssatz von 21,48 Cent je Liter zu gewähren und kurzfristig weitere Entlastungen für Land- und Forstwirtschaft zu schaffen. Zudem müsse die im Koalitionsvertrag vorgesehene vollständige Steuerbefreiung für HVO, Biodiesel und andere nicht-fossile Kraftstoffe umgesetzt werden.
 

Weitere zentrale Forderungen sind die Aufstockung der EU-Düngehilfe für Deutschland auf 180 Millionen Euro, eine möglichst frühe Auszahlung der GAP-Direktzahlungen mit einem Abschlag von mindestens 50 Prozent im Oktober sowie die Auszahlung der Restzahlungen noch im Jahr 2026. Hinzu kommen weitergehende steuerliche Liquiditätshilfen des Bundes, die Einführung der steuerfreien Risikoausgleichsrücklage und eine Verlängerung und Verstetigung der Tarifglättung (§ 32c EStG).

Bund-Länder-Nothilfe für existenzgefährdete Betriebe

Die allgemeinen Entlastungen reichen dort nicht aus, wo außergewöhnliche Schäden die Existenz eines Betriebes gefährden. Deshalb fordert der BBV eine neue Bund-Länder-Nothilfe nach dem Vorbild der Dürrehilfe 2018. Vorgesehen werden soll eine Förderung von grundsätzlich bis zu 50 Prozent des anerkannten Schadens. Abschlagszahlungen, eine einfache Antragstellung und die Nutzung bereits vorhandener Verwaltungs- und Betriebsdaten sollen eine schnelle Auszahlung ermöglichen.
 

Gerade die Erfahrungen aus dem Jahr 2018 zeigen, dass ein solches Instrument umsetzbar ist. Entscheidend sind dabei von Anfang an klare und verlässliche Förderbedingungen ohne nachträgliche zusätzliche Anforderungen.

Futterversorgung und Schweinehaltung sichern

Für Rinder-, Schaf- und Ziegenhalter fordert der BBV einen Zuschuss von bis zu 50 Prozent der nachgewiesenen Kosten für zusätzlich benötigtes Grundfutter einschließlich der notwendigen Transportkosten.
 

In der Schweinehaltung braucht es angesichts der massiven Marktkrise zusätzliche Unterstützung. Dazu gehören ein Zinszuschuss des Bundes für Liquiditätsdarlehen, ein nahtlos anschließendes Förderprogramm für Sauenhaltung und Schweinemast sowie verlässliche Rahmenbedingungen für notwendige Investitionen. Gleichzeitig sollen die nationalen Umbaufristen beim Deckzentrum ausgesetzt werden, solange die EU-Kommission an EU-weiten Vorgaben arbeitet.

Regionale Absatzmärkte als konkrete Soforthilfe

Mehr Regionalität ist auch eine konkrete wirtschaftliche Unterstützung für Bayerns Landwirtschaft. Der BBV fordert deshalb, vorhandene Absatzpotenziale konsequent zu nutzen und regionale Wertschöpfungsketten auszubauen.
 

Ein besonderer Hebel ist die Außer-Haus-Verpflegung. Öffentliche Einrichtungen wie Schulen, Kitas, Krankenhäuser sowie Senioren- und Pflegeeinrichtungen sollen stärker auf regionale und heimische Lebensmittel setzen. Der Ministerratsbeschluss zur Stärkung regionaler Lebensmittel müsse konsequent umgesetzt und von staatlichen Kantinen auf weitere öffentliche und kommunale Einrichtungen ausgeweitet werden.
 

Darüber hinaus sollen regionale Liefer- und Vermarktungsstrukturen, Logistik sowie bayerische Molkereien, Mühlen, Metzgereien, Schlachtstätten und weitere Verarbeitungsbetriebe gestärkt werden. Eine verständliche und verlässliche Herkunftskennzeichnung soll Verbrauchern ermöglichen, auf einen Blick zu erkennen, woher Lebensmittel stammen.

Ackerbau und Sonderkulturen gezielt unterstützen

Ackerbaubetriebe brauchen angesichts von Ertragsausfällen, hohen Betriebsmittelkosten und niedrigen Marktpreisen ebenfalls gezielte Unterstützung. Neben der allgemeinen Entlastung fordert der BBV unter anderem Maßnahmen für bezahlbare Düngemittel, niedrigere Energiepreise und die Einbeziehung der Ackerbaubetriebe in die Bund-Länder-Nothilfe.
 

Für Sonderkulturbetriebe geht es insbesondere um wettbewerbsfähige Saisonarbeit, eine bessere Absicherung gegen Wetterrisiken und schnellere sowie rechtssichere Genehmigungen für Bewässerungsanlagen.

Zukunftsfähigkeit durch angewandte Forschung stärken

Die aktuelle Krise zeigt zugleich, dass die Landwirtschaft praxisnahe Lösungen für zunehmende Wetter- und Ertragsrisiken benötigt. Der BBV fordert deshalb eine stärkere angewandte Forschung für praxisbezogene Verfahren im Ackerbau und in der Tierfütterung. Insbesondere bei den Futtermitteln werden künftig alternative und praxistaugliche Lösungen gebraucht.

Wassercent abschaffen

Auch der seit Juli 2026 zu zahlende Wassercent belastet die land- und forstwirtschaftlichen Betriebe zusätzlich. Der BBV fordert deshalb, den Wassercent für die Land- und Forstwirtschaft abzuschaffen. Alternativ müssen die Einnahmen vollständig in Maßnahmen für die Landwirtschaft zurückfließen – etwa in den Wasserrückhalt in der Fläche.

„Wer heimische Landwirtschaft, regionale Wertschöpfung und Ernährungssicherheit erhalten will, muss jetzt handeln. Die Unterstützung muss 2026 auf den Höfen ankommen – bevor aus Krisenfällen Betriebsaufgaben werden“, macht der Bayerische Bauernverband in dem Positions- und Forderungspapier deutlich. Gleichzeitig braucht es aus Sicht des BBV mehr politisches Engagement der Bundesregierung auf EU-Ebene. Für den nächsten Mehrjährigen Finanzrahmen fordert der BBV ab 2028 zwingend 500 Milliarden Euro für die GAP. Auch bei der Naturwiederherstellungsverordnung müsse verhindert werden, dass den Flächenbewirtschaftern zusätzliche, nicht tragbare Kosten aufgebürdet werden.
 

Das komplette Forderungs- und Positionspapier für das Sofortprogramm Landwirtschaft 2026 finden Sie in Kürze unter  www.BayerischerBauernVerband.de/Positionen