Vergünstigte Liquiditätsdarlehen seit Anfang Juni möglich
Nahostkrise: Rentenbank startet Soforthilfe für landwirtschaftliche Betriebe
Insbesondere die gestiegenen Kosten für Diesel, Energie und Düngemittel sowie schwierige Markt- und Erzeugerpreissituationen belasten viele landwirtschaftliche Familienbetriebe erheblich.
Die vergünstigten Darlehen werden über die jeweilige Hausbank beantragt. Eine direkte Kreditvergabe durch die Rentenbank erfolgt nicht.
- Darlehen bis 50.000 Euro können ohne Nachweis eines konkreten Liquiditätsbedarfs beantragt werden.
- Bei entsprechendem Nachweis sind Darlehen bis maximal 500.000 Euro möglich.
- Antragsberechtigt sind Unternehmen der landwirtschaftlichen Primärproduktion einschließlich Gartenbau und Weinbau – unabhängig von Rechtsform und steuerlicher Einordnung.
- Die Darlehen werden über die jeweilige Hausbank beantragt.
- Das Programm ist zunächst bis zum 30. Dezember 2026 befristet.
Laut Landwirtschaftlicher Rentenbank (LR) ist Folgendes im Kern geplant:
BBV: Wichtiger erster Schritt zur Liquiditätssicherung
Der Bayerische Bauernverband begrüßt die schnelle Bereitstellung der Soforthilfe durch die Landwirtschaftliche Rentenbank. Positiv bewertet der Verband insbesondere den unbürokratischen Zugang zu Liquidität für betroffene Betriebe sowie den Einsatz eigener Mittel der Rentenbank mit einem Programmvolumen von bis zu 200 Millionen Euro. Dadurch können die Finanzierungskosten für landwirtschaftliche Betriebe spürbar gesenkt werden. In der aktuellen wirtschaftlich äußerst angespannten Lage leistet die Rentenbank damit einen wichtigen Beitrag zur Liquiditätssicherung. Haushaltsmittel des Bundes werden dabei nicht eingesetzt.
Gerade in der aktuellen wirtschaftlichen Situation kann das Programm dazu beitragen, kurzfristige Liquiditätsengpässe abzufedern und betroffenen Betrieben zusätzliche Handlungsspielräume zu verschaffen.
Gleichzeitig macht der BBV deutlich, dass vergünstigte Liquiditätsdarlehen allein die bestehenden Probleme nicht lösen können. Kredite müssen zurückgezahlt werden und ersetzen keine dauerhaft tragfähigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen.
BBV fordert weitere strukturelle Entlastungen
Der Bayerische Bauernverband fordert seit Monaten zusätzliche Maßnahmen zur Entlastung der Land- und Forstwirtschaft. Die vergünstigten Liquiditätsdarlehen und der befristete Tankrabatt für Mai und Juni 2026 sind wichtige erste Schritte, reichen aber nicht aus, um die Auswirkungen der Krise nachhaltig abzufedern.
Aus Sicht des BBV sind insbesondere folgende Maßnahmen erforderlich:
1. Energie bezahlbarer machen
- Aussetzung der CO₂-Abgabe auf Energie.
- Spürbare Entlastung bei Diesel und Gas für land- und forstwirtschaftliche Betriebe.
- Ausbau der Leitungsnetze zur Stärkung der dezentralen und regionalen Stromversorgung.
2. Düngemittel bezahlbar und verfügbar machen
- Aussetzung von EU-Zöllen und Abgaben auf Düngemittelimporte.
- Nutzung verfügbarer Gasmengen für die europäische Düngemittelproduktion.
- Stärkung europäischer Produktionskapazitäten und bedarfsgerechter Nährstoffversorgung.
- Umsetzung der Derogation sowie Stärkung geschlossener Nährstoffkreisläufe durch Tierhaltung.
3. Heimische, nicht-fossile Kraftstoffe stärken
- Steuerliche Freistellung erneuerbarer heimischer Biokraftstoffe sowie nicht-fossiler Kraftstoffe wie HVO für die Land- und Forstwirtschaft.
4. Biogas absichern und ausbauen
- Verlässliche Rahmenbedingungen für bestehende Biogasanlagen.
- Sicherung ihres Beitrags zur Grundlastfähigkeit und Netzstabilität.
5. Erneuerbare Energien konsequent stärken
- Stärkung von Holzenergie als Wärmequelle und von Holz als Baustoff.
- Nutzung von Photovoltaik und Windenergie im Einklang mit Land- und Forstwirtschaft.
- Förderung der Nutzung regenerativ erzeugten Eigenstroms auf den Höfen.
Bereits erreichte Entlastungen
Durch die intensive Interessenvertretung des Bauernverbandes konnten in den vergangenen Monaten bereits wichtige Entlastungen erreicht werden:
- Vollständige Wiedereinführung der Agrardieselrückvergütung für die Verbrauchsmenge 2026.
- Verstetigung der abgesenkten Stromsteuer auf den EU-Mindeststeuersatz für Landwirtschaft und produzierendes Gewerbe.
- Temporäre Absenkung der Energiesteuer auf Kraftstoffe für Mai und Juni 2026.
- Verlängerung des EU-Beihilferahmens für staatliche Hilfen im Zusammenhang mit der Nahostkrise.
- Angekündigte Nutzung der EU-Agrarreserve für gezielte außerordentliche Finanzhilfen besonders betroffener Betriebe in Höhe von rund 400 Millionen Euro innerhalb der EU-27.
Der Bayerische Bauernverband wird sich weiterhin mit Nachdruck für zusätzliche Entlastungen einsetzen. „Vergünstigte Liquiditätsdarlehen können kurzfristig helfen. Langfristig brauchen unsere landwirtschaftlichen Familienbetriebe jedoch spürbare Entlastungen bei Energie, Betriebsmitteln und Bürokratie. Nur so können Wettbewerbsfähigkeit, Versorgungssicherheit und regionale Wertschöpfung dauerhaft gesichert werden.“
Weiterführende Informationen
- Forderungen der Landwirtschaft angesichts von Kostensteigerungen und Erzeugerpreistiefs
- "Mehr Entlastungen und klare Perspektiven nötig!" 5-Punkte-Katalog der Kreisobmänner und Kreisbäuerinnen des Bayerischen Bauernverbandes
- Rentenbank fördert alternative Antriebe in der Landwirtschaft (Antragstellung für 4 Wochen ab 20. Mai 2026)