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Lagebestimmung und Ziele stimmen, konkrete Umsetzung steht aus

Bayerischer Bauernverband zur EU-Nutztierstrategie

07.07.2026 | Die EU-Kommission hat heute ihre Strategie für die Tierhaltung bis circa 2040 vorgelegt. Die Strategie verfolgt das Ziel, die europäische Tierhaltung widerstandsfähiger, wettbewerbsfähiger und nachhaltiger zu machen. Auch würdigt das Papier die Bedeutung der Tierhaltung für die Ernährungssicherung. Der Bayerische Bauernverband (BBV) begrüßt diese Ziele im Grundsatz, vermisst aber konkrete Instrumente zur Umsetzung.

„Unsere Tierhalter brauchen jetzt handfeste Antworten“, sagt Isabella Timm-Guri, Direktorin des Fachbereichs Erzeugung und Vermarktung im BBV. „Es braucht ein wirksames Finanzinstrument für Investitionen, verbindliche Standards statt nationaler Alleingänge und eine verpflichtende Herkunftskennzeichnung. Sonst bleibt die Strategie überwiegend ein Papier mit guten Absichten – während die Tierhaltung in der EU weiter schrumpft." 

Richtige Diagnose, wo aber bleibt die Medizin?

Die Analyse der Kommission trifft zu: Die Tierhaltung in der EU geht zurück und steckt fest im Schraubstock zwischen steigenden Kosten, wachsenden Standards, hohem Investitionsbedarf und Marktdruck durch Importe aus Drittstaaten mit niedrigeren Produktionsstandards. Der BBV erwartet hier klare Strategien im Umgang mit Importware, die überdies nicht durch die eigene Handelspolitik der EU unterlaufen werden.

Fairer Wettbewerb auch im EU-Binnenmarkt

Neben gleichen Wettbewerbsbedingungen mit Blick auf Importen aus Drittstaaten braucht es einheitliche Standards innerhalb der EU statt nationaler Alleingänge. Positiv bewertet der BBV das geplante EU-weite Ende der Käfighaltung bei Legehennen. Bei anderen Punkten wie etwa der Sauenhaltung muss die Entwicklung EU-weit im Gleichschritt erfolgen – auch Deutschland ist hier gefordert, bereits beschlossene Gesetzgebung entsprechend zu prüfen und anzupassen. Deutsche Sauenhalter dürfen im Wettbewerb und bei Förderungen nicht benachteiligt werden.

Investitionen brauchen wirksame Unterstützung

Der BBV begrüßt das Bekenntnis der Kommission zur Investitionsförderung. Den Bedarf beziffert die EU-Kommission auf bis zu 8,4 Mrd. Euro. Kritisch sieht der Verband jedoch, dass die Strategie zu stark auf eine ‚bessere Marktvergütung‘ setzt – ein Ansatz, der sich aktuell als kaum umsetzbar erweist. Entscheidend wird stattdessen das bislang nur vage skizzierte ‚spezielle Finanzinstrument für den Tierhaltungssektor‘. Es muss schnell, einfach und wirksam ausgestaltet werden. Zusätzlich fehlt der Strategie gänzlich eine Aussage zum unverzichtbaren Bestandsschutz von Investitionen.

Kennzeichnung: verbindlich statt freiwillig

Enttäuscht zeigt sich der BBV, dass die Strategie keine klareren Ansätze für den Ausbau der verpflichtenden Herkunftskennzeichnung enthält. Freiwillige Kennzeichnungen sind wichtig, aber in ihren Möglichkeiten ausgereizt. Notwendige Fortschritte – etwa bei verarbeiteten Produkten oder im Außer-Haus-Verzehr – sind aus Sicht des BBV nur über verpflichtende EU-Regelungen zu erreichen.