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2025 11 12 GAP Südzucker
© BBV WM

Zucker: Prävention durch Bildung und Eigenverantwortung besser als pauschale Abgabe

BBV-Landfrauen zur Diskussion um die Einführung einer Zuckerabgabe

30.04.2026 | Angesichts der aktuellen Debatte um eine mögliche Zuckerabgabe (sog. Zuckersteuer) bekräftigt der Landesvorstand der Landfrauen im Bayerischen Bauernverband seine klare Position: „Nachhaltige Gesundheitsprävention gelingt nicht durch einseitige Abgabenpolitik, sondern durch Bildung, Aufklärung und die Stärkung der Eigenverantwortung“, sagt Landesbäuerin Christine Singer.

Zucker ist ein fester Bestandteil der Ernährung und wird in Bayern sowie in Deutschland überwiegend aus heimischen Zuckerrüben gewonnen

Gleichzeitig gilt: Ein übermäßiger Konsum, insbesondere von zuckergesüßten Getränken, kann Übergewicht und damit verbundene Erkrankungen wie Typ-2-Diabetes oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen begünstigen. 

Die Landfrauen erkennen daher den Handlungsbedarf ausdrücklich an.

Eine pauschale Zuckerabgabe ist aus ihrer Sicht jedoch kein geeignetes Instrument. Zwar zeigen internationale Studien, dass Abgaben auf einzelne Produkte den Konsum reduzieren können, doch bleibt ein nachhaltiger Effekt auf das gesamte Ernährungsverhalten bislang uneinheitlich. Häufig treten Ausweichreaktionen auf: Verbraucher greifen stattdessen zu anderen kalorienreichen oder hochverarbeiteten Produkten.

 

Künstliche Süßstoffe lösen das Problem nicht

Besonders kritisch sehen die Landfrauen in diesem Zusammenhang die wahrscheinliche Verlagerung hin zu künstlichen oder hochintensiven Süßstoffen. Eine Abgabe auf zuckergesüßte Getränke kann dazu führen, dass Hersteller verstärkt auf solche Alternativen ausweichen, um Produkte weiterhin attraktiv und preislich wettbewerbsfähig zu halten. 

Warum Süßstoffe als Zuckerersatz nicht zielführend sind
Zwar haben Süßstoffe aufgrund ihres geringen oder fehlenden Energiegehalts das Potenzial, die Kalorienaufnahme zu reduzieren und damit einen Beitrag zur Verringerung von Übergewicht zu leisten. Aus Sicht der Landfrauen greift dieser Effekt jedoch zu kurz: Der zentrale Ansatz nachhaltiger Ernährungsprävention, nämlich die Gewöhnung an ein insgesamt weniger süßes Geschmacksniveau, wird dadurch nicht erreicht. 

Im Gegenteil: Das hohe Süßempfinden bleibt bestehen oder wird sogar verstärkt. Konsumentinnen und Konsumenten lernen nicht, ihre individuelle Süßschwelle schrittweise zu senken und einen bewussteren Umgang mit Süße zu entwickeln. 

Genau dieser Lernprozess ist jedoch entscheidend für langfristig gesündere Ernährungsgewohnheiten.

Eine reine Produktumformulierung, weg vom Zucker, hin zu Süßstoffen, führt daher nicht automatisch zu einer nachhaltig besseren Ernährung. Vielmehr besteht die Gefahr, dass sich das Ernährungsverhalten strukturell kaum verändert, sondern lediglich die Zusammensetzung einzelner Produkte angepasst wird.

Was noch gegen eine Zuckerabgabe spricht

Auch darüber hinaus gibt es gewichtige Einwände gegen eine pauschale Zuckerabgabe: 

  • Zucker erfüllt in vielen Lebensmitteln wichtige technologische Funktionen und ist nicht nur in Süßwaren enthalten, sondern auch in alltäglichen Produkten wie Brot oder Wurst. Eine Verteuerung würde daher breite Teile des täglichen Einkaufs betreffen, ohne automatisch zu einem bewussteren Konsumverhalten zu führen. 
     
  • Nicht zuletzt ist die regionale Wertschöpfung zu berücksichtigen: Der Zuckerrübenanbau ist ein wichtiger Bestandteil der heimischen Landwirtschaft und trägt zur Versorgungssicherheit bei. Eine nationale Sonderabgabe könnte diese Strukturen schwächen.
     
  • Gleichzeitig zeigen aktuelle Entwicklungen, dass Veränderungen auch ohne staatliche Eingriffe möglich sind: 
    Der Konsum zuckerhaltiger Erfrischungsgetränke ist in Bayern in den vergangenen Jahren deutlich zurückgegangen, während der Wasserkonsum gestiegen ist: Ein Zeichen für wachsendes Bewusstsein und eigenverantwortliches Handeln.
     

Gesundheitsprävention: Was es wirklich braucht

Vor diesem Hintergrund betonen die Landfrauen: 

Eine generelle Zuckerabgabe ist kein zielführender Ansatz. Eine gezielte Abgabe auf zuckergesüßte Getränke könnte allenfalls ein Baustein der Gesundheitsprävention sein, jedoch nur, wenn die Einnahmen konsequent in eine flächendeckende und qualitätsgesicherte Ernährungsbildung für alle Altersgruppen investiert werden.

Im Mittelpunkt muss stehen, Menschen frühzeitig und dauerhaft zu erreichen: 

  • durch fundiertes Wissen über Ernährung, 
  • durch die Stärkung von Kochkompetenzen und 
  • durch die Förderung eines bewussten Umgangs mit Lebensmitteln. 

Ziel ist es, die individuelle Süßschwelle langfristig zu senken und Eigenverantwortung zu stärken.

Klar ist: Nachhaltige gesundheitliche Verbesserungen lassen sich nur durch ein abgestimmtes Zusammenspiel verschiedener Maßnahmen erzielen. 

Die BBV-Landfrauen setzen sich daher für eine ganzheitliche Strategie ein, die auf Bildung, Praxisnähe und langfristige Wirkung ausgerichtet ist – ganz im Sinne des Grundsatzes: Die Dosis macht das Gift.