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Öko-Tierhaltung Und Weidepflicht: EU Tritt Nächste Rückumstellungslawine Los
Öko-Tierhaltung und Weidepflicht: EU tritt nächste Rückumstellungslawine los
Bayerischer Bauernverband übt scharfe Kritik an EU-Trilog-Ergebnis
21.10.2026
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Bei den Trilogverhandlungen zur Änderung der EU-Ökoverordnung haben die Verhandlungsparteien – EU-Kommission, EU-Agrarrat und EU-Parlament – ihre Chance nicht genutzt, den Ökotierhaltern, die aus betrieblichen Gründen keine vollumfängliche Weidehaltung praktizieren können, eine Zukunftsperspektive zu geben. Infos und Hintergründe:
"Das EU-Parlament hatte den Trilogverhandlern eine Lösung vor die Füße gelegt, um eine Flexibilisierung rechtssicher direkt in der EU-Ökoverordnung zu verankern “, sagt BBV-Generalsekretär Carl von Butler in einer Pressemitteilung des Verbands . „Statt diesen Ball aufzunehmen, haben EU-Kommission und EU-Agrarrat ihn an die Mitgliedstaaten zurückgespielt und damit maximale Unklarheit geschaffen“.
Der Vorschlag des EP-Agrarausschusses hatte das Weideprinzip ausnahmslos aufrechterhalten, lediglich für klar beschriebene Fälle sei eine Flexibilisierung vorgesehen gewesen. Dass der Konsens bezüglich der Notwendigkeit des Zugangs zu Weideland von der Kommission und auch dem Rat bei diesem Vorschlag nicht gesehen wurde, sei daher völlig unverständlich.
Mögliche Übergangsregeln: für Betrieben ohne Aussicht auf vollumfängliche Weidegang keine Hilfe Zwar räumt die EU-Kommission in einer Zusatzerklärung ein, dass die Umsetzung der Weidepflicht für Betriebe mit "erheblichen Veränderungen" verbunden ist und "eine gewisse Zeit in Anspruch nehmen" könne, weshalb nun die Behörden in Deutschland und in den anderen Mitgliedstaaten Übergangsregelungen schaffen sollten. Betrieben, die auch perspektivisch keine Möglichkeiten haben, Weidegang für alle Tiergruppen zu schaffen, hilft dies aus Sicht des BBV jedoch keineswegs.
BBV kämpft seit über zwei Jahren für Flexibilisierung "Dieses Trilogergebnis wird für mehrere hundert weitere Öko-Betriebe den Gang in die Rückumstellung bedeuten", so die Einschätzung des BBV-Generalsekretärs. "Unser Präsident und der gesamte Verband haben nun seit über zwei Jahren mit allen Kräften für tragfähige Lösungen bei der Weide gekämpft. Dass diese Anliegen der Öko-Erzeuger von anderer Seite torpediert wurden, ist mehr als ärgerlich."
Rückbaupflicht für Auslaufüberdachungen droht Neben der Weidepflicht haben die Trilogverhandler auch versäumt, ein weiteres Damoklesschwert von den Betrieben abzuwenden, und zwar die drohende Rückbaupflicht für Auslaufüberdachungen. Für Schweineställe verweist die EU-Kommission hier lediglich vage auf einen möglicherweise kommenden sekundären Rechtsakt, während sie Rinderhalter buchstäblich im Regen stehen lässt.
Verbandseinsatz: Was tut der BBV für die betroffenen Ökobetriebe?
Engagiert, hartnäckig, laut - und die Praxis fest im Blick: Seit Jahren setzt sich der Bayerische Bauernverband für die Belange seiner Ökobetriebe ein - inklusive derer, die es werden wollen:
16. Oktober 2026: BBV-Kreisobmänner fordern u. a. vollen Einsatz für Flexibilisierung der Weidepflicht von Bundesminister Alois Rainer
Auf ihrer jährlichen Tagung forderten die Kreisobmänner im Bayerischen Bauernverband sowohl im persönlichen Gespräch mit Landwirtschaftsminister Alois Rainer als auch in einem Positionspapier, dass sich der Minister und die Bundesregierung voll für eine Flexibilisierung der Weidepflicht und für praxistaugliche Regelungen für Öko-Ställe einsetzen. Weiterlesen .
Zum Forderungspapier
14. Juli 2026: EU-Parlament nimmt Änderungsantrag zum EU-Ökorecht an, für den sich der BBV eingesetzt hatte
Unermüdlich setzt sich der Bayerische Bauernverband (BBV) seit Beginn 2025 für eine Klarstellung der Öko-Weidepflicht ein. Jetzt konnte ein erster, handfester Erfolg errungen werden: Einen entsprechenden Änderungsantrag, den unter anderem die Europaabgeordneten Stefan Köhler und Christine Singer eingebracht hatten, hat der Agrarausschuss im EU-Parlament am Dienstag angenommen. „Wir erwarten, dass dieses eindeutige Votum ein Signal ist für die Trilogverhandlungen zwischen EU-Rat, Parlament und Kommission, damit die nötige Flexibilisierung umgesetzt werden kann“, sagt Carl von Butler, Generalsekretär des Bayerischen Bauernverbands. Weiterlesen .
13. Juli 2026: BBV sammelt 799 Unterschriften für Änderungsantrag zum EU-Ökorecht ein
Über 300 Öko-Tierhalter mussten bereits jetzt aufgrund der verschärften Öko-Weidepflicht auf konventionelle Bewirtschaftung rückumstellen. Ein Änderungsantrag setzt genau hier an. Der BBV dankt den fast 800 Unterzeichnern zugunsten des Änderungsantrags Nr. 169 für ihre Unterstützung - damit Bayerns Öko-Tierhaltung nicht noch viele weitere Betriebe verliert. Weiterlesen .
17. März 26: DBV fordert erneut Flexibilisierung der Öko-Weidevorgaben und Auslaufüberdachung bei COPA-Veranstaltung
Auf einer Veranstaltung zur Zukunft des Ökolandbaus, die die beiden europäischen landwirtschaftlichen Dachorganisationen COPA/COGECA am 17. März 2026 im EU-Parlament ausgerichtet hatte, forderte der DBV erneut eine Flexibilisierung der Öko-Weidevorgaben und Auslaufüberdachung im EU-Öko-Basisrecht. Stefan Köhler, MdEP und BBV-Bezirkspräsident Unterfranken, berichtete von den Auswirkungen auf die bayerische Öko-Tierhaltung. Weiterlesen (Meldung zugänglich für BBV-Mitglieder).
10.-13. Februar 26: Biofach-Messe in Nürnberg - BBV vor Ort mit Forderungen: praktikables Ökorecht, Planungssicherheit und ein Bekenntnis zu heimischem Bio
Viele konstruktive Gespräche und neue Kontakte zwischen Landwirten, Partnern und Akteuren entlang der Wertschöpfungskette prägten die Zeit auf der Nürnberger Biofach-Messe vom 10. bis 13. Februar 2026: Ehrenamtliche und Mitarbeitende suchten das Gespräch mit Besuchern, die das BBV-Engagement für den bayerischen Ökolandbau oft positiv überraschte. Gesprächsthema am Stand waren daher vor allem die Angebote des Verbands für seine ca. 7.700 Ökobetriebe, aber auch die Herausforderungen des EU-Ökorechts. Im Vorfeld hatte der BBV einen „Bio-Booster“ gefordert : ein klares Bekenntnis von Herstellern, Handel und Verbrauchern zu heimischem Bio, Abbau unnötiger regulatorischer Hürden und mehr politische Verlässlichkeit. Als Hürde und Bremse für das Wachstum der bayerischen Ökolandwirtschaft hat der Verband klar die Vorgaben des EU-Ökorechts benannt: Unflexible Verschärfungen bei der Pflicht zur Weidehaltung, der drohende Rückbau bestehender Auslaufüberdachungen von Schweine- und Rinderställen sowie die fehlende rechtssichere Anerkennung innovativer Stallsysteme mit ineinander übergehenden Innen- und Außenbereichen. Weiterlesen .
13. November 25: BBV bezieht Stellung in EU-Konsultation und ruft zur Teilnahme auf
Im Zusammenhang mit der geplanten Änderung der EU-Ökoverordnung hat die EU-Kommission eine Online-Umfrage eröffnet, an der sich bis 18. November 2025 auch landwirtschaftliche Betriebe beteiligen und ihre Anliegen eingeben konnten. Der BBV fordert in seiner öffentlichen Stellungnahme den Abbau von Barrieren im Ökorecht für die Tierhalter und ruft seine Mitglieder ebenfalls zur Beteiligung an der Umfrage auf. BBV-Mitglieder lesen hier mehr .
23. September 25: Weidepflicht-Fristablauf: Appell von Präsident Felßner an Bundesminister Rainer und Staatsministerin Kaniber vor AMK
Öko-Betriebe, die ab 2026 die Weidevorgaben nicht vollumfänglich erfüllen können, standen bis 30.9. vor der extrem schwierigen Entscheidung, sanktionsfrei aus dem Öko-KULAP auszusteigen.
Im Vorfeld der Herbst-Agrarministerkonferenz (AMK), die vom 24. bis 26.9.25 in Heidelberg stattfindet, hat Präsident Felßner Bundesminister Rainer und Staatsministerin Kaniber dringend gebeten, das Thema „Weidepflicht für Ökobetriebe“ auf der AMK aufzugreifen.
Nach der Zusage von EU-Agrarkommissar Hansen, die EU-Ökoverordnung aufzumachen, um eine praxistaugliche Lösung zu finden, müssten Bund und Länder „nun mit Nachdruck bei der Generaldirektion Agri auf eine pragmatische, gemeinsame Brückenlösung drängen, um zu vermeiden, dass bis zu einer Änderung der EU-Verordnung Betriebe wegen nicht-vollumfänglicher Weidehaltung aus dem Ökolandbau aussteigen müssen.“ Auch müsse Deutschland bei den Verhandlungen zur Änderung der EU-Ökoverordnung eine Führungsrolle übernehmen und aktiv für eine Unterstützung durch die anderen Mitgliedstaten werben, um die Regelungen zur Weidepflicht zu flexibilisieren.
Der BBV setzt sich weiter intensiv dafür ein,
dass die von EU-Agrarkommissar Hansen angekündigten Änderungen der EU-Ökoverordnung schnellstmöglich erfolgen und dass schriftliche Ausführungen der EU-Kommission den Bundesländern die Möglichkeit geben, sinnvolle Übergangsregelungen bis zur Umsetzung einer neuen EU-Ökoverordnung zu treffen.
11. September 25: Gemeinsames Verbändeschreiben BBV & LVÖ mit Infos für Betriebe zum nahenden Fristablauf
Schwierige Entscheidungen der Betriebe zum Öko-KULAP-Ausstieg: Angesichts des nahenden Fristablaufs informierte der BBV zusammen mit der Landesvereinigung für den ökologischen Landbau in Bayern e.V. ( LVÖ) die Betriebe am 11.09.2025 in einer gemeinsamen Mitgliederinfo zum aktuellen Stand der Weidepflicht (Pdf, zugänglich für BBV-Mitglieder).
31. Juli 25: Gemeinsames Papier von Bio- und Bauernverbänden an Agrarkommissar Hansen übergeben
Auf der Bühne vor rund 500 Zuhörern hat BBV-Präsident Günther Felßner EU-Agrarkommissar Christophe Hansen ein gemeinsames Papier der Bio- und Bauernverbände (BBV, DBV, Naturland, Bioland und Demeter) überreicht und erneut eine flexiblere Umsetzung der Öko-Weidepflicht eingefordert. "Mir war es ein riesiges Anliegen, dass wir EU-Agrarkommissar Hansen bei seinem Besuch in Niederbayern zu einem Ruck bei der Weidepflicht im Ökolandbau bewegen", berichtete Felßner. Weiterlesen .
28. April 25: Rechtsgutachten zeigt mögliche Lösungen - Schulterschluss von DBV, BBV und Naturland für Öko-Tierhalter
Der BBV arbeitet im engen Schulterschluss mit DBV und Naturland weiterhin intensiv daran, dass Bio-Betriebe mit Wiederkäuern auch ohne vollumfängliche Weidehaltung aller Tiergruppen „öko“ bleiben können. In einem weiteren Anlauf versucht Naturland gemeinsam mit dem Deutschen Bauernverband, doch noch eine praxisgerechte Auslegung der Weidevorgabe in der EU-Öko-Verordnung zu erreichen. Zwischenzeitlich liegen mehrere Gutachten vor, die unsere Argumentation untermauern. Insbesondere ein Gutachten bestätigt: Eine generelle Weidepflicht für Rinder kann aus der EU-Ökoverordnung 2018/848 nicht abgeleitet werden.
BBV-Mitglieder lesen hier mehr zum Thema , BBV-Ehrenamtliche hier .
21. Februar 25: Bauernpräsident Felßner fordert von EU-Agrarkommissar Hansen rasch Perspektiven für Öko-Tierhalter
Nachdem EU-Agrarkommissar Christophe Hansen am 19. Februar 2025 in einem Visionspapier "nie dagewesene Vereinfachungen" im EU-Ökorecht angekündigt hatte, fordert BBV-Präsident Günther Felßner den Kommissar dazu auf, rasch Lösungen für betroffene Betriebe bei der Weidepflicht zu schaffen. Weiterlesen .
9. Januar 25: BBV informiert Betriebe über EU-Kommissionsentscheidung zur verschärften Weidepflicht
Knapp vier Jahre nach Eröffnung des Pilotverfahrens durch die EU-Kommission steht nun fest: Ökobetriebe müssen ihren Pflanzenfressern – Rindern, Schafen, Ziegen – Zugang zur Weide gewähren. Ausschließlich Laufhöfe oder Ausläufe reichen nicht mehr aus, um die EU-Öko-Verordnung zu erfüllen. Der BBV informiert öffentlich zu den Herausforderungen für die Betroffenen und rät Betrieben, die neue Regelung bei der Öko-KULAP-Antragstellung zu berücksichtigen. Weiterlesen .
12. Dezember 24: Weidepapier veröffentlicht - BBV im Austausch mit BayStMELF
Nun ist es offiziell: Laufhof bzw. Auslauf werden nicht mehr wie bisher für die Haltung von Öko-Pflanzenfressern ausreichen, sondern die Tiere müssen auch auf die Weide. Diese neue Auslegung der EU-Ökoverordnung hat die EU-Kommission in einem Pilotverfahren durchgesetzt; diese wird zahlreiche Biobetriebe in Bayern vor große Herausforderungen stellen. Das deutsche Weidepapier ist seit 9.12.24 auf der LfL-Homepage unter „Merkblätter“ veröffentlicht: https://www.lfl.bayern.de/iem/oekolandbau/032522/index.php .
Damit ist das Pilotverfahren, das sich seit fast vier Jahren hingezogen hat , seitens der EU-Kommission (EU-KOM) abgeschlossen. Die EU-KOM erwartet nun eine Umsetzung gemäß deutschem Weidepapier. In Kürze werden zum Weidepapier noch FAQs veröffentlicht, die momentan zwischen Bund und Ländern in der Länderarbeitsgemeinschaft Ökologischer Landbau (LÖK) abgestimmt werden.
Der BBV geht zu ungelösten Fragen der Umsetzung ins Gespräch mit dem BayStMELF. BBV-Ehrenamtliche lesen hier mehr dazu .
25. März 24: Bund und Länder sollen Weidepapier vorlegen - BBV positioniert sich und informiert Betriebe
Nachdem die EU-Kommission vor etwas mehr als drei Jahren ein Pilotverfahren gegen Deutschland eröffnet hat, indem sie die unzureichende Umsetzung der EU-Ökoverordnung bemängelt, sind nun Bund und Länder aufgefordert, der EU ein Weidepapier vorzulegen. Stein des Anstoßes ist unter anderem, dass bisher Ökobetriebe mit Pflanzenfressern nicht zwingend Weidehaltung praktizieren müssen, sondern dass ein Laufhof oder Auslauf genügen. Der BBV positioniert sich für eine flexible Umsetzung und rät zu Beratung. Ehrenamtliche lesen hier mehr .
Betriebsteilung wegen der Weidepflicht? Vorsicht!
Am 30. September 2025 lief die Frist ab, binnen derer Öko-Betriebe mit laufender Verpflichtung in der KULAP-Maßnahme O10 (Verpflichtungsbeginn 2023 und 2024) ohne Rückzahlung der erhaltenen Fördermittel der vergangenen Jahre aus der O10/O12-Verpflichtung aussteigen oder 2025 gestellte Anträge auf eine O10-Neuverpflichtung zurückziehen konnten. Warum bei einer Überlegung hinsichtlich einer Betriebsteilung Vorsicht geboten ist, lesen Kreis- und Ortsehrenamtliche hier .