Existenzbedrohende Lage am Schweinemarkt
Forderungen und Handlungsmöglichkeiten aus Sicht des BBV
Onlineveranstaltung „Was ist los am Schweinemarkt“
Das aktuelle Preisniveau deckt nicht einmal mehr die variablen Kosten. Damit steht die Erzeugung von bayerischem Schweinefleisch auf dem Spiel. (Mehr dazu hier.) Unter der Überschrift „Was ist los am Schweinemarkt“ hat der BBV daher am 19. Juni eine Onlineveranstaltung für Schweinehalter angeboten. Über 130 Teilnehmer erhielten Infos zur dramatischen Marktlage und diskutierten über Forderungen und Handlungsmöglichkeiten.
Welche Faktoren kommen aktuell am Markt zusammen?
Franz Langgartner, Leiter der BBV-Marktberichtstelle, erläuterte die Marktlage in Deutschland, der EU und auf dem Weltmarkt und gab Einblick in Hintergründe und Entwicklungen. Dabei ging er auch auf die Entwicklungen der letzten Jahre in Spanien und China ein, die beide ihre Produktion massiv ausgebaut haben.
Er machte auch deutlich, dass Spanien aufgrund von ASP-Fällen wichtige Exportmärkte verloren und damit Schweinefleisch vermehrt und preisaggressiv in den EU-Binnenmarkt drängt. Sowohl dem LEH als auch dem Außer-Haus-Verzehr bei uns würden Billigangebote aus dem Ausland gemacht werden. Inwieweit diese angenommen und damit spanisches Fleisch auf dem deutschen Markt ankommt, kann leider nicht mit Sicherheit festgestellt geschweige denn quantifiziert werden. Auf jeden Fall hat Spanien deutsches Schweinefleisch aus angestammten Exportmärkten innerhalb der EU (z. B. Spanien) verdrängt. Dies bringt ebenfalls Druck auf den deutschen Schweinemarkt mit sich.
Langgartner erläuterte auch, dass erste Erfolge der Exportstrategie des Bundesministeriums auf den Märkten erkennbar seien.
Was kann man tun? Was braucht es?
Isabella Timm-Guri, Direktorin BBV-Fachbereich Erzeugung und Vermarktung, skizzierte mögliche Forderungen und Handlungsmöglichkeiten Richtung Verbraucher, Wertschöpfungskette und Politik:
- Bewusstsein für Herkunft der Lebensmittel schaffen
In Richtung der Verbraucher muss Bewusstsein geschaffen werden, beim Einkauf auf heimische Ware zu achten und diese zu bevorzugen. Timm-Guri betonte die Bedeutung von Initiativen wie UBB oder der Brancheninitiative Fleisch. Diese können aber nur liefern, wenn genug Budget vorhanden ist. Frei nach dem Motto: Ohne Moos nix los.
- Appell an Wertschöpfungskette, verlässlich zu heimischen Produzenten zu stehen
In Richtung der Wertschöpfungskette geht eine deutliche Forderung, Billigofferten aus dem Ausland zu widerstehen und „5 x D“ (in Deutschland geboren, aufgezogen, gemästet, geschlachtet und verarbeitet) bzw. noch besser GQB (Geprüfte Qualität Bayern) und BBS (Bayerisches Bio-Siegel) die Treue zu halten und selbstverständlich auch Verträgen zu Haltungsform. Den Ausstieg von Edeka Nordbayern aus Haltungsform-3-Verträgen kritisiert der BBV massiv.
- Herkunftskennzeichnung jetzt!
Auch die Politik kann und muss jetzt ihren Beitrag leisten:
Die Exportstrategie des Bundesministeriums ist ein richtiger Ansatz und die in Japan und China letzte Woche bei der Reise von Bundesminister Rainer erzielten Fortschritte sind wichtig und müssen weiter vorangetrieben werden.
Ein ganz besonderes wichtiges Thema ist jedoch eine verpflichtende Herkunftskennzeichnung, sowohl für verarbeitete Produkte als auch besonders im Außer-Haus-Verzehr. Dies könnte Deutschland national auf den Weg bringen, wie dies Österreich bereits 2023 getan hat.
Was sagen die Teilnehmer?
Sowohl im Chat als auch über Wortmeldungen gab es zahlreiche Wortmeldungen zu Markt, Forderungen und Handlungsmöglichkeiten. Zur Sprache kamen:
- Themen, die die Branche umsetzen muss, wie beispielswiese eine Preisabsicherung
- Bewusstseinsschaffung und Imagearbeit Richtung Verbraucher
- klassische politische Aufgaben wie eine verpflichtende Herkunftskennzeichnung, Öffnung von Exportmärkten oder einer Risikoausgleichszulage und Bürokratieabbau.
UBB bewirbt Schweinefleisch bei Verbrauchern
Abschließend erläuterte Eva Haas, Geschäftsführerin von UBB, die aktuellen Aktivitäten rund um Schweinfleisch bei UBB. Auch kündigte sie neue Materialien für WhatsApp und Instagram an, um den Verbrauchern noch mehr Lust aus Schweinfleisch zu machen und sie dazu zu bewegen, auf Regionalität zu achten.
Sie machte aber auch deutlich, dass leider immer noch erhebliche Teile der Fleisch-Wertschöpfungskette nicht bei UBB einzahlen würden. Konkret benannte sie den Viehhandel und ermunterte die Schweinehalter, hier Druck von der Basis zu machen.
Das sagt der BBV
Insgesamt wurde in der Diskussion deutlich: Die Schweinehaltung in Bayern ist darauf angewiesen, dass jetzt ALLE Verantwortung übernehmen und nicht nur in Worten, sondern auch Taten zur regionalen Erzeugung stehen:
- Marktakteure wie auch Verbraucher: Widersteht Billigangeboten aus dem Ausland und haltet euren heimischen Erzeugern die Treue!
- Von Seiten der Politik gilt es zum Beispiel, Exportmärkte wieder zu öffnen sowie eine verpflichtende Herkunftskennzeichnung einzuführen, insbesondere im Außer-Haus-Verzehr.
- Für die Exportstrategie hat Bundesminister Rainer bei seiner Reise letzte Woche nach China und Japan wichtige Fortschritte erzielt.
- Perspektivisch muss sich die Schweinebranche aber auch zügig und verstärkt um Themen wie Preisabsicherung, vertikale Kooperation und Anliefermanagement kümmern. Professionelle, gebündelte und gezielte Vermarktung ist ein Must-Have, damit die bayerische Schweinehaltung weiter erfolgreich am Markt bestehen kann.