Landwirtschaft & Umwelt

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Wasertropfen

Faktencheck Wasser

Daten und Fakten zu Gewässerschutz und Landwirtschaft

Mit der jüngsten Risikoanalyse der Wasserrahmenrichtlinie, die das Bayerische Umweltministerium im Jahr 2015 veröffentlicht hat, ist der öffentliche Druck auf die Landwirtschaft noch größer geworden. Grund genug für den Bayerischen Bauernverband, die Ängste der Menschen ernst zu nehmen und das Thema Gewässerschutz und Wasserqualität in Verbindung mit der Landbewirtschaftung genauer unter die Lupe zu nehmen.
 
Dabei wird vor allem deutlich: es ist nicht alles so einfach und eindeutig, wie es auf den ersten Blick erscheint. Der nachfolgende Faktencheck will versuchen, ein wenig Licht ins Dunkel dieses hoch komplexen Themas zu bringen und vor allem eine sachliche Diskussionsgrundlage zu schaffen.
 
Die folgenden Informationen erheben dabei keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit und werden unter Berücksichtigung der fachlichen und politischen Entwicklungen immer wieder überarbeitet, ergänzt und aktualisiert.

Inhalt

 

 

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Gewässer

Nitrat - ein heiß diskutierter Pflanzennährstoff

In Europa und Deutschland gilt für Nitrat im Trinkwasser ein Grenzwert von 50 mg/l. Darüber hinaus hört man immer wieder Empfehlungen, dass bei Säuglingsnahrung noch strengere Maßstäbe angelegt werden sollen. In der Diskussion um Wasserqualität und Gewässerschutz wird zudem häufig angeführt, dass z. B. die USA einen viel niedrigeren Nitratgrenzwert hätten.
 

Fakt ist: Nitrat selbst ist nicht gefährlicher wie Kochsalz und Bestandteil einer ausgewogenen Ernährung sowie in vielen gesunden Lebensmitteln, wie Gemüse, vorhanden.
Erst wenn Nitrat durch Bakterien im Mundraum oder Magen (oder in nitrathaltigen Lebensmitteln wie Gemüse) teilweise in Nitrit umgewandelt wird können sich unter bestimmten Umständen und bei entsprechend hohen Konzentrationen Gesundheitsgefahren ergeben:
 

Säuglingsblausucht
Nitrit kann bei Säuglingen unter drei Monaten den Sauerstofftransport im Blut behindern (Methämoglobinämie), und eine Blausucht (Zyanose) auslösen, die im Extremfall tödlich enden kann. Mitte des 20. Jahrhunderts wurde stark nitratreiches Wasser (200 bis 500 mg Nitrat/l) in ländlichen Gebieten als Ursache von derartigen Erkrankungen vermutet, woraufhin erstmals ein Nitratgrenzwert für Trinkwasser (90 mg/l) eingeführt wurde. Laut Bundesgesundheitsamt hat es im Geltungszeitraum dieses Grenzwerts keinen durch Nitrat im Trinkwasser verursachten Fall einer Säuglingsblausucht gegeben. Seit 1986 gilt ein Nitratgrenzwert von 50 mg/l, der nach Aussage des Bayerischen Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit auch explizit für junge Säuglinge unbedenklich ist.

Evtl. krebserregende Wirkung
Nitrit kann unter bestimmten Bedingungen mit sekundären Aminen im Magen sogenannte „Nitrosamine“ bilden, die sich im Tierversuch teilweise als krebserregend erwiesen haben. Trotz intensiver Forschung konnte diese Wirkung aber beim Menschen bisher nicht bestätigt werden. Neue Studien mit einer großen Anzahl von Testpersonen haben gezeigt, dass bei Menschen, die häufig mit Nitrat in Kontakt kommen kein erhöhtes Krebsrisiko feststellbar ist.

Positive Effekte
In neuerer Literatur ist auch von positiven Wirkungen für Nitrit die Rede. Im Magen bilden sich daraus spontan reaktive Stickstoffverbindungen wie Stickstoffmonoxid, die z. B. mit Nahrungsmitteln aufgenommene schädliche Keime abtöten. Über die Bildung von Stickstoffmonoxid wirkt Nitrit auch gefäßerweiternd und damit blutdrucksenkend.
Der geltende Nitratgrenzwert von 50 mg/l gemäß Trinkwasserverordnung 2001 wurde vom Gesetzgeber so festgelegt, dass bei Aufnahme von Wasser in üblichen Mengen weder die Gefahr einer Methämoglobinämie bei Säuglingen noch eine endogene Bildung von Nitrosaminen in gesundheitlich erheblichem Ausmaß stattfindet.
Laut Bayerischem Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheitnehmen Menschen in Deutschland lediglich 40 % des von der WHO festgelegten Grenzwerts auf.

Auch Aufnahme von Trinkwasser über Grenzwert unproblematisch
Für Erwachsene ist es zudem unproblematisch, während eines begrenzten und gemäß Trinkwasserverordnung 2001 zuzulassenden Zeitraumes auch Trinkwasser mit einem Nitratgehalt über dem Grenzwert von 50 mg/l aufzunehmen. Laut Umweltbundesamt kann in einem solchen Fall ein Nitratgehalt bis zu 130 mg/l zeitlich befristet toleriert werden. Das örtliche Gesundheitsamt kann für maximal drei Jahre eine Grenzwertüberschreitung zulassen, wenn ein entsprechendes Sanierungskonzept des Wasserversorgers vorliegt.  Der in den angelsächsischen Ländern übliche Grenzwert von 10 mg/l bezieht sich auf den Stickstoffanteil im Nitrat (NO3-) und entspricht 44 mg/l für das Gesamtnitrat.

Quellen und weiterführende Informationen:

 

 

Umstritten: Pflanzenschutzmitteleinsatz in der Landwirtschaft

Chemische Pflanzenschutzmittel (PSM) werden in der öffentlichen Wahrnehmung meist kritisch gesehen. In Deutschland gilt für Trinkwasser ein sehr strenger Grenzwert für den einzelnen Pflanzenschutzmittelwirkstoff von 0,1 µg/l (1 Mikrogramm (µg) = 1 Millionstel Gramm). Die Summe aller relevanten Wirkstoffe darf 0,5 µg/l nicht überschreiten.

Fakt ist: Pflanzenschutzmittel (PSM) sind wichtig für die Gesunderhaltung unserer Kulturpflanzen. Sie unterliegen in Deutschland einem strengen Zulassungsverfahren und wer sie gewerblich anwenden will, muss eine spezielle Ausbildung und regelmäßige Fortbildungen nachweisen.  

Kulturpflanzen werden von Insekten, Milben und anderen Schädlingen befallen und leiden unter Krankheitserregern wie Pilzen, Bakterien und Viren. Unkräuter konkurrieren mit den Kulturpflanzen um Nährstoffe, Wasser und Licht, und mindern die Qualität des Ernteguts. Der Befall von Pflanzen mit Schadorganismen ist keine Ausnahmesituation, sondern der Normalzustand. Die heutige Landwirtschaft setzt viele Maßnahmen zur Kontrolle von Schädlingen und Krankheitserregern ein und versucht, PSM wie eine Medizin erst dann einzusetzen, wenn die Pflanzen bereits „krank“ sind. Ohne PSM wäre es nicht möglich, auf der begrenzten Nutzfläche Lebensmittel in der benötigten Menge und in gesicherter Qualität zu erzeugen. Auch der ökologische Anbau kommt nicht völlig ohne PSM aus.
 
Sicherheit für Mensch und Umwelt spielt zentrale Rolle
Chemische PSM dürfen erst für den Einsatz auf dem Acker zugelassen werden, wenn sie ein langwieriges Zulassungsverfahren durchlaufen haben, worin die Sicherheit für Mensch und Umwelt eine zentrale Rolle spielt. Von PSM dürfen bei bestimmungsgemäßer und sachgerechter Anwendung keine schädlichen Auswirkungen auf die Gesundheit von Mensch und Tier sowie das Grundwasser und keine unvertretbaren Auswirkungen auf den Naturhaushalt ausgehen. So verlangt es das Pflanzenschutzgesetz und darauf verlässt sich auch der Landwirt, wenn er die amtlich zugelassenen Substanzen vorschriftsmäßig anwendet.
Es gibt verschiedene Arten von chemischen PSM, die in der konventionellen Landwirtschaft eingesetzt werden, um die sogenannten Nutz- oder Kulturpflanzen vor Krankheiten, Schädlingen und Konkurrenzpflanzen zu schützen und damit Erträge und Qualität der Erzeugnisse zu sichern.


Drei wichtige PSM-Gruppen sind:
 
Fungizide schützen die Nutzpflanzen vor Pilzbefall und verhindern damit auch eine Belastung von Lebensmitteln mit sogenannten Mykotoxinen (= Pilzgifte). Auch im Ökolandbau können Pilzkrankheiten Probleme verursachen und sind kaum zu bekämpfen. Hier sind kupferhaltige Pflanzenschutzmittel zugelassen.

Insektizide schützen die Nutzpflanzen vor Schadinsekten, die Wurzeln und Knollen, Blätter, Blüten oder Früchte befallen. Die Pflanzenschutzmittel werden so entwickelt und angewendet, dass sie möglichst gezielt wirken und Nützlinge schonen.
 
Herbizide schützen die Nutzpflanzen vor Unkräutern, die mit ihnen um Nährstoffe, Licht und Wasser konkurrieren und die Ernte erschweren. Für moderne, boden- und gewässerschonende Anbauverfahren wie Mulchsaat und Minimalbodenbearbeitung sind Herbizide unverzichtbar.

Zum Schutz von Gewässern, Grund- und Trinkwasser gibt es Vorschriften für Mindestabstände von Gewässern und für einige PSM auch Verbote für wassersensible Gebiete. Für das Grundwasser schreibt die Grundwasserverordnung eine Qualitätsnorm von maximal 0,1 µg/l für den einzelnen PSM-Wirkstoff vor (0,5 µg/l für die Gesamtheit aller Wirkstoffe) – dies gilt analog auch als Grenzwert für das Trinkwasser. Dieser Wert hat allerdings keinerlei gesundheitliche Bedeutung, sondern entsprach bei seiner Einführung der damaligen Nachweisgrenze für PSM im Labor. Gesundheitlich relevant sind die wesentlich höheren (bis zu 1000 µg/l), vom Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) errechneten Trinkwasser-Leitwerte (LWTW). Der LWTW gibt die Höchstkonzentration eines betreffenden Stoffes im Trinkwasser an, die lebenslang ohne Bedenken aufgenommen werden könnte. Dabei wird der jeweilige ADI-Wert (lebenslang tolerierbare tägliche Aufnahmemenge) zu maximal 10 Prozent ausgeschöpft.

Quellen und weiterführende Informationen:

 

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Acker mit Wasser

Wasserqualität in Deutschland - vorletzter Platz in Europa?

Es ist schon verwirrend: Einmal liest man, dass die Trinkwasserqualität in Deutschland eine der besten in Europa sei – ein anderes Mal ist davon die Rede, dass das Grundwasser europaweit nur in Malta schlechter sei wie in Deutschland. Wie passt das zusammen?

Fakt ist: Deutschland hat nicht das zweitschlechteste Grundwasser in Europa.

Bundesrepublik im Mittelfeld - Bayern top   
Das deutsche Nitratmessnetz hat bundesweit nur 162 langjährig gleiche Messstellen (34 davon in Bayern). Davon weisen aktuell  (2008 bis 2010) knapp 50 % Nitratwerte über 50 mg/l auf. Deutschland hat für dieses sogenannte „Belastungsmessnetz“ gezielt stark belastete, landwirtschaftlich beeinflusste Messstellen ausgewählt, um den Erfolg gewässerschonender Landbewirtschaftung deutlich dokumentieren zu können. Hier wurden auch deutliche Fortschritte erzielt – im ersten Untersuchungszeitraum (1992 bis 1994) lagen knapp 65 % der Messstellen über dem Nitratschwellenwert. Im deutschen Nitratbericht 2012 wird ausdrücklich erwähnt, dass dieses Messnetz nicht dazu geeignet ist, eine allgemeine Gesamtübersicht über die Nitratbelastung im oberflächennahmen Grundwasser zu geben.

Würde die EU das repräsentative EUA-Messnetz (Meldung an die Europäische Umweltagentur, rund 800 Messstellen in Deutschland, 115 in Bayern) berücksichtigen, würde sich Deutschland im Mittelfeld zwischen Österreich und Italien einreihen – ca. 14 % der Messstellen über 50 mg Nitrat pro Liter. Im deutschen Nitratbericht an die EU-Kommission wurden die Ergebnisse aus dem repräsentativen EUA-Messnetz ebenfalls ausführlich dargestellt, jedoch für das EU-Ranking nicht anerkannt.

In Bayern stellt sich die Nitratsituation im Grundwasser sogar noch günstiger als im Bundesdurchschnitt dar: Betrachtet man die rund 500 Messstellen des Landesmessnetzes Grundwasserbeschaffenheit, das gleichzeitig als Überblicksmessnetz für die Wasserrahmenrichtlinie gilt, überschreiten nur 8,6 % der Messstellen die Nitratschwelle von 50 mg/l. Bei den Messstellen im Rohwasser überschreiten sogar nur 3,5 % den Nitratgrenzwert von 50 mg/l.
Mittlerweile arbeitet die deutsche Bund-Länder-Arbeitsgemeinschaft Wasser an einer Neukonzeption des Messnetzes für den EU-Nitratbericht, um den Anforderungen der EU-Kommission aber auch dem Anliegen der Vergleichbarkeit mit anderen EU-Ländern gerecht zu werden und gleichzeitig die Vorgaben der Nitratrichtlinie zu erfüllen.

 

Wie steht es um die Grundwasserqualität in Bayern?

Mitte des Jahres 2014 hat das Bayerische Umweltministerium die neueste Risikoanalyse im Rahmen der Bestandsaufnahme der EU-Wasserrahmenrichtlinie veröffentlicht. Vor allem die Ergebnisse zum Bereich Grundwasser wurden häufig negativ in den Medien dargestellt.

Fakt ist: Die Risikoanalyse ist keine Bewertung des aktuellen Zustands, sondern eine Zukunftsprognose mit vielen Unsicherheiten. Gegenüber der letzten Analyse hat sich die Methodik wesentlich verändert, sodass kein Vergleich möglich ist. Die Grundwasserqualität in Bayern ist laut repräsentativen Messergebnissen konstant gut.
 
Risikoanalyse mit strengeren Werten als die gesetzlichen Schwellenwerte
Die Risikoanalyse richtet den Blick in die Zukunft, daher werden sogar vorsorglich strengere Werte als die gesetzlichen Schwellenwerte der Grundwasserverordnung herangezogen. Bei der vorliegenden Risikoanalyse werden 75 % der Schwellenwerte der Grundwasserverordnung (entspricht gleichzeitig der Ausgangskonzentration für Maßnahmen zur Trendumkehr) zu Grunde gelegt. In die Risikoanalyse fließen u. a. auch modellierte Nitrateinträge aus der Landwirtschaft ein, die mit dem Programm MONERIS berechnet wurden. Dieses Modell kann nur eine Annäherung an die tatsächliche Situation sein, da ein Modell nie 1:1 die Realität abbildet.

Als Konsequenz aus der Risikoanalyse werden für die Grundwasserkörper mit der Einstufung „Zielerreichung unwahrscheinlich“ von der Landwirtschaftsverwaltung entsprechende Maßnahmenprogramme aufgestellt. Bereits im ersten Bewirtschaftungszeitraum (2009-2015) gab es solche Maßnahmengebiete, in denen auf insgesamt über 600.000 Hektar speziell gewässerschonende landwirtschaftliche Methoden angewandt wurden. Wegen der häufig sehr langsamen Umsetzungsprozesse im Boden und v. a. im Grundwasser wird es teilweise viele Jahre dauern, bis die Effekte dieser Maßnahmen im Grundwasser messbar sind. Wie lange das dauert, kann niemand genau abschätzen, weswegen die möglichen Auswirkungen der bereits durchgeführten Maßnahmen auch nicht in die Risikoanalyse eingeflossen sind.

Atrazin: Keine Anwendung seit mehr als 20 Jahren
Bei Pflanzenschutzmitteln kommt noch hinzu, dass bei der letzten Risikoanalyse Atrazin und sein Abbauprodukt Desethylatrazin nicht berücksichtigt wurde, da man diese Substanzen wegen des seit 1991 bestehenden Anwendungsverbotes nicht als Risiko eingestuft hat. Da immer noch teilweise recht hohe Atrazinwerte gemessen werden, wurden die beiden Substanzen jetzt wieder neu berücksichtigt. In der Landwirtschaft wird Atrazin aber seit mehr als 20 Jahren nicht mehr angewendet. Hier werden ausschließlich zugelassene Pflanzenschutzmittel eingesetzt, von denen bei fachgerechter Anwendung keine Gefahr für Gesundheit und Umwelt ausgeht.
Betrachtet man die Ergebnisse aus dem Bayerischen Landesmessnetz Grundwasserbeschaffenheit mit über 500 Messstellen, so wird deutlich, dass rd. 93 % für Nitrat und rd. 90 % der Messstellen für PSM die gesetzlichen Qualitätsnormen erfüllen. Im langjährigen Vergleich ist eine leichte Verbesserungstendenz erkennbar.

Quellen und weiterführende Informationen:

 

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Guelle fahren

Landwirtschaft in Bayern – welche Rolle spielt Gewässerschutz?

Die Landwirtschaft wird oftmals als einer der Hauptverursacher von Gewässerverschmutzungen dargestellt und vielfach wird der Eindruck erweckt, dass Grundwasser- und Gewässerschutz in der aktuellen landwirtschaftlichen Praxis keine Rolle spiele.

Fakt ist: Landwirte sind sich ihrer Verantwortung bewusst und wollen Verluste von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln sowie Ackerboden auch aus wirtschaftlichen Gründen minimieren. Dies gelingt dank technischem Fortschritt im Alltag immer besser. Viele Landwirte führen außerdem freiwillig zusätzliche gewässerschonende Maßnahmen durch.

Landwirte sind sich Verantwortung bewusst
Mit 49 Prozent der Landesfläche ist die Landwirtschaft die größte Flächennutzerin in Bayern und hat damit einen potenziell großen Einfluss auf Grund- und Oberflächengewässer. Dieser Verantwortung sind sich die bayerischen Bauernfamilien bewusst, wohlwissend, dass die Prozesse in der Natur sehr komplex und meist unberechenbar sind. So sind Wirksamkeit und Verluste von Dünger und Pflanzenschutzmitteln u. a. abhängig von Bodenart, Geologie, Niederschlag und Temperatur, Ertragspotenzial u. v. m. – ein umfangreiches Forschungsfeld für die Agrarwissenschaften. Wissenschaftliche Erkenntnisse und technischer Fortschritt haben z. B. den Düngemitteleinsatz in den letzten 35 Jahren wesentlich effizienter gemacht, sodass der Nährstoffbilanzsaldo bei Stickstoff von 90 auf unter 40 kg/ha gesunken ist. Auch beim Pflanzenschutz tragen exakte Düsen und geringere Aufwandmengen zur Reduzierung unerwünschter Verluste bei. Forschung wird hier weiterhin Verbesserungen bringen, eine völlig verlustfreie Landwirtschaft wird aber nie möglich sein, solange sie in der Natur und nicht im isolierten Labor stattfindet.

Kooperativer Ansatz beim Gewässerschutz

In Bayern gilt beim Gewässerschutz – innerhalb des ordnungsrechtlich abgesteckten Rahmens – das Prinzip „Freiwilligkeit vor Ordnungsrecht“, also ein kooperativer Ansatz. Dies hat auch einen guten Grund, denn kein landwirtschaftlicher Betrieb und kein Acker ist wie der andere, sodass individuelle und maßgeschneiderte Gewässerschutzmaßnahmen viel effizienter wirken wie pauschale gesetzliche Regelungen. Als Beispiel seien Gewässerrandstreifen genannt: Würde ein verpflichtender Gewässerrandstreifen von beispielsweise zehn Metern eingeführt, würde das auf einem ebenen, nicht erosionsgefährdeten Acker mit nur 30 Meter Breite zwischen zwei Bachläufen die Bewirtschaftung unnötigerweise unmöglich machen. Bei einem sehr steilen Acker, der unten an einen Bach grenzt, wären die 10 Meter dagegen wohl nicht ausreichend. Je nach Gelände, Bodenart, Kultur und Klima gilt es, die geeigneten und wirtschaftlich tragfähigen Maßnahmen für den einzelnen Betrieb zu ergreifen – dies gelingt am besten mit individueller Beratung und unter Berücksichtigung des Betriebsleiters, der seine Flächen am besten kennt.

Erfolgreiche Beispiele für kooperativen Gewässerschutz sind u. a.:
Das Bayerische Kulturlandschaftsprogramm (KULAP; www.stmelf.bayern.de/kulap), u. a.:

  •          Extensive Grünlandnutzung für Raufutterfresser (aktuell über 11.000  Verpflichtungen)
  •          Extensive Grünlandnutzung an Gewässern (aktuell über 11.800 Verpflichtungen)
  •          Umwandlung von Acker- in Grünland (aktuell über 4.000 Verpflichtungen)
  •          Gewässer- und Erosionsschutzstreifen (aktuell über 3.800 Verpflichtungen)
  •          Winterbegrünung mit Zwischenfrüchten / Wildsaaten (aktuell über 4.500 Verpflichtungen)
  •          Mulch-/Streifen-/Direktsaatverfahren (aktuell über 6.300 Verpflichtungen)
  •          Verzicht auf Intensivkulturen (aktuell über 1.800 Verpflichtungen
  •          Ökologischer Landbau im Gesamtbetrieb (aktuell über 7.000 Verpflichtungen)
    • Die ökologischen Vorrangflächen im Rahmen des sog. „Greening“ (u. a. Pufferstreifen, Mulchsaat)
    • Die Initiative „boden:ständig“ aktuell über 40 Projekte in Bayern (www.boden-staendig.eu)
    • Zahlreiche Vereinbarungen zum kooperativen Gewässerschutz zwischen Wasserversorgern und Landwirten
    • Sonstige freiwillige Maßnahmen ohne Förderung
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