Landwirtschaft & Umwelt

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Wasertropfen

Faktencheck Wasser

Daten und Fakten zu Gewässerschutz und Landwirtschaft

Mit dem Nitraturteil des Europäischen Gerichtshofes gegen die Bundesrepublik Deutschland und der  jahrelangen Diskussion um die Novellierung der Düngeverordnung, ist der öffentliche Druck auf die Landwirtschaft noch größer geworden. Grund genug für den Bayerischen Bauernverband, die Ängste der Menschen ernst zu nehmen und das Thema Gewässerschutz und Wasserqualität in Verbindung mit der Landbewirtschaftung genauer unter die Lupe zu nehmen.
 
Dabei wird vor allem deutlich: es ist nicht alles so einfach und eindeutig, wie es auf den ersten Blick erscheint. Der nachfolgende Faktencheck will versuchen, ein wenig Licht ins Dunkel dieses hoch komplexen Themas zu bringen und vor allem eine sachliche Diskussionsgrundlage zu schaffen.
 
Die folgenden Informationen erheben dabei keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit und werden unter Berücksichtigung der fachlichen und politischen Entwicklungen immer wieder überarbeitet, ergänzt und aktualisiert.

Inhalt

 

 

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Gewässer

Nitrat - ein heiß diskutierter Pflanzennährstoff

In Europa und Deutschland gilt für Nitrat im Trinkwasser ein Grenzwert von 50 mg/l. Darüber hinaus hört man immer wieder Empfehlungen, dass bei Säuglingsnahrung noch strengere Maßstäbe angelegt werden sollen. In der Diskussion um Wasserqualität und Gewässerschutz wird zudem häufig angeführt, dass z. B. die USA einen viel niedrigeren Nitratgrenzwert hätten.

Fakt ist: Nitrat selbst ist nicht gefährlicher wie Kochsalz und Bestandteil einer ausgewogenen Ernährung sowie in vielen gesunden Lebensmitteln, wie Gemüse, vorhanden.
Erst wenn Nitrat durch Bakterien im Mundraum oder Magen (oder in nitrathaltigen Lebensmitteln wie Gemüse) teilweise in Nitrit umgewandelt wird können sich unter bestimmten Umständen und bei entsprechend hohen Konzentrationen Gesundheitsgefahren ergeben:
 

Säuglingsblausucht
Nitrit kann bei Säuglingen unter drei Monaten den Sauerstofftransport im Blut behindern (Methämoglobinämie), und eine Blausucht (Zyanose) auslösen, die im Extremfall tödlich enden kann. Mitte des 20. Jahrhunderts wurde stark nitratreiches Wasser (200 bis 500 mg Nitrat/l) in ländlichen Gebieten als Ursache von derartigen Erkrankungen vermutet, woraufhin erstmals ein Nitratgrenzwert für Trinkwasser (90 mg/l) eingeführt wurde. Laut Bundesgesundheitsamt hat es im Geltungszeitraum dieses Grenzwerts keinen durch Nitrat im Trinkwasser verursachten Fall einer Säuglingsblausucht gegeben. Seit 1986 gilt ein Nitratgrenzwert von 50 mg/l, der nach Aussage des Bayerischen Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit auch explizit für junge Säuglinge unbedenklich ist.      

Möglicherweise krebserregende Wirkung
Nitrit kann unter bestimmten Bedingungen mit sekundären Aminen im Magen sogenannte „Nitrosamine“ bilden, die sich im Tierversuch teilweise als krebserregend erwiesen haben. Trotz intensiver Forschung konnte diese Wirkung aber beim Menschen bisher nicht bestätigt werden. Neue Studien mit einer großen Anzahl von Testpersonen haben gezeigt, dass bei Menschen, die häufig mit Nitrat in Kontakt kommen kein erhöhtes Krebsrisiko feststellbar ist.

Positive Effekte
In neuerer Literatur ist auch von positiven Wirkungen für Nitrit die Rede. Im Magen bilden sich daraus spontan reaktive Stickstoffverbindungen wie Stickstoffmonoxid, die z. B. mit Nahrungsmitteln aufgenommene schädliche Keime abtöten. Über die Bildung von Stickstoffmonoxid wirkt Nitrit auch gefäßerweiternd und damit blutdrucksenkend.

Der geltende Nitratgrenzwert von 50 mg/l gemäß Trinkwasserverordnung 2001 wurde vom Gesetzgeber so festgelegt, dass bei Aufnahme von Wasser in üblichen Mengen weder die Gefahr einer Methämoglobinämie bei Säuglingen noch eine endogene Bildung von Nitrosaminen in gesundheitlich erheblichem Ausmaß stattfindet.Laut Bayerischem Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit nehmen Menschen in Deutschland lediglich 40 Prozent des von der WHO festgelegten Grenzwerts auf.

Auch Aufnahme von Trinkwasser über Grenzwert unproblematsich
Für Erwachsene ist es außerdem unproblematisch, während eines begrenzten und gemäß Trinkwasserverordnung 2001 zuzulassenden Zeitraumes auch ein Trinkwasser mit einem Nitratgehalt über dem Grenzwert von 50 mg/l aufzunehmen. Nach einer Empfehlung des Umweltbundesamtes kann in einem solchen Fall ein Nitratgehalt bis zu 130 mg/l zeitlich befristet toleriert werden. Das örtliche Gesundheitsamt kann für maximal drei Jahre eine Grenzwertüberschreitung zulassen, wenn ein entsprechendes Sanierungskonzept des Wasserversorgers vorliegt.  Der in den angelsächsischen Ländern übliche Grenzwert von 10 mg/l bezieht sich auf den Stickstoffanteil im Nitrat (NO3-) und entspricht 44 mg/l für das Gesamtnitrat.

Sonstige Nitrat- und Nitritquellen
Nitrat ist eine Stickstoffverbindung des natürlichen Stickstoffkreislaufs und ein essenzieller Pflanzennährstoff. Es ist daher wie auch Nitrite in allen Pflanzen vorhanden – auch im gesunden Gemüse. Natriumnitrit (E250) wird außerdem im Rahmen der gesetzlichen Grenzwerte als Konservierungsstoff u. a. bei Fleisch- und Wursterzeugnissen eingesetzt zum Schutz vor den gefährlichen Clostridien. Nitrite können sich aber auch in nitrathaltigem Gemüse bilden. Nitrosamine gelangen außerdem in erheblichen Mengen durch das Rauchen in den Körper.

Quellen und weiterführende Informationen:
http://www.bfr.bund.de/de/fragen_und_antworten_zu_nitrat_und_nitrit_in_lebensmitteln-187056.html
http://www.lgl.bayern.de/lebensmittel/chemie/kontaminanten/nitrat/
http://www.lgl.bayern.de/lebensmittel/warengruppen/wc_59_trinkwasser/et_trinkwasser_nitrat.htm
https://www.ernaehrungs-umschau.de/fileadmin/Ernaehrungs-Umschau/pdfs/pdf_2008/04_08/EU04_236_240.qxd.pdf
https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/419/dokumente/29_s_192_nitrat_im_trinkwasser.pdf  
http://www.zvw-riegelsteingruppe.de/index.php?id=46  
https://www.netdoktor.de/ernaehrung/e-250-natriumnitrit/

Umstritten: Pflanzenschutzmitteleinsatz in der Landwirtschaft

Chemische Pflanzenschutzmittel (PSM) werden in der öffentlichen Wahrnehmung meist kritisch gesehen. In Deutschland gilt für Trinkwasser ein sehr strenger Grenzwert für den einzelnen Pflanzenschutzmittelwirkstoff von 0,1 µg/l (1 Mikrogramm (µg) = 1 Millionstel Gramm). Die Summe aller relevanten Wirkstoffe darf 0,5 µg/l nicht überschreiten.

Fakt ist: Pflanzenschutzmittel (PSM) sind wichtig für die Gesunderhaltung unserer Kulturpflanzen. Sie unterliegen in Deutschland einem strengen Zulassungsverfahren und wer sie gewerblich anwenden will, muss eine spezielle Ausbildung und regelmäßige Fortbildungen nachweisen.

Kulturpflanzen werden von Insekten, Milben und anderen Schädlingen befallen und leiden unter Krankheitserregern wie Pilzen, Bakterien und Viren. Unkräuter konkurrieren mit den Kulturpflanzen um Nährstoffe, Wasser und Licht, und mindern die Qualität des Ernteguts. Der Befall von Pflanzen mit Schadorganismen ist keine Ausnahmesituation, sondern der Normalzustand. Die heutige Landwirtschaft setzt viele Maßnahmen zur Kontrolle von Schädlingen und Krankheitserregern ein und versucht, PSM wie eine Medizin erst dann einzusetzen, wenn die Pflanzen bereits „krank“ sind. Ohne PSM wäre es nicht möglich, auf der begrenzten Nutzfläche Lebensmittel in der benötigten Menge und in gesicherter Qualität zu erzeugen. Auch der ökologische Anbau kommt nicht völlig ohne PSM aus. Die Pflanzengesundheit muss in jedem Produktionssystem sichergestellt werden, um gesunde Lebensmittel herzustellen.

Chemische PSM dürfen erst für den Einsatz auf dem Acker zugelassen werden, wenn sie ein langwieriges Zulas-sungsverfahren durchlaufen haben, worin die Sicherheit für Mensch und Umwelt eine zentrale Rolle spielt. Feder-führend in diesem Verfahren ist das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL). Von PSM dürfen bei bestimmungsgemäßer und sachgerechter Anwendung keine schädlichen Auswirkungen auf die Gesund-heit von Mensch und Tier sowie das Grundwasser und keine unvertretbaren Auswirkungen auf den Naturhaushalt ausgehen. So verlangt es das Pflanzenschutzgesetz und darauf verlässt sich auch der Landwirt, wenn er die amtlich zugelassenen Substanzen vorschriftsmäßig anwendet. Es gibt verschiedene Arten von chemischen PSM, die in der konventionellen Landwirtschaft eingesetzt werden, um die sogenannten Nutz- oder Kulturpflanzen vor Krankheiten, Schädlingen und Konkurrenzpflanzen zu schützen und damit Erträge und Qualität der Erzeugnisse zu sichern.

Drei wichtige PSM-Gruppen sind:

Fungizide schützen die Nutzpflanzen vor Pilzbefall und verhindern damit auch eine Belastung von Lebensmitteln mit sogenannten Mykotoxinen (= Pilzgifte). Auch im Ökolandbau können Pilzkrankheiten Probleme verursachen und sind kaum zu bekämpfen. Hier sind kupferhaltige Pflanzenschutzmittel  zugelassen.
Insektizide schützen die Nutzpflanzen vor Schadinsekten, die Wurzeln und Knollen, Blätter, Blüten oder Früchte befallen. Die Pflanzenschutzmittel werden so entwickelt und angewendet, dass sie möglichst gezielt wirken und Nützlinge schonen.
Herbizide schützen die Nutzpflanzen vor Unkräutern, die mit ihnen um Nährstoffe, Licht und Wasser konkurrieren und die Ernte erschweren. Für moderne, boden- und gewässerschonende Anbauverfahren wie Mulchsaat und Minimalbodenbearbeitung sind Herbizide unverzichtbar.

Zum Schutz von Gewässern, Grund- und Trinkwasser gibt es Vorschriften für Mindestabstände von Gewässern und für einige PSM auch Verbote für wassersensible Gebiete. Für das Grundwasser schreibt die Grundwasserverordnung eine Qualitätsnorm von maximal 0,1 µg/l für den einzelnen PSM-Wirkstoff vor (0,5 µg/l für die Gesamtheit aller Wirkstoffe) – dies gilt analog auch als Grenzwert für das Trinkwasser. Dieser Wert hat allerdings keinerlei gesundheitliche Bedeutung, sondern entsprach bei seiner Einführung der damaligen Nachweisgrenze für PSM im Labor. Gesundheitlich relevant sind die wesentlich höheren (bis zu 1000 µg/l), vom Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) errechneten Trinkwasser-Leitwerte (LWTW). Der LWTW gibt die Höchstkonzentration eines betreffenden Stoffes im Trinkwasser an, die lebenslang ohne gesundheitliche Besorgnis aufgenommen werden könnte. Dabei wird der jeweilige ADI-Wert (lebenslang tolerierbare tägliche Aufnahmemenge) zu maximal 10 % ausgeschöpft.

Umfangreiche Informationen zum Thema „Warum wir Pflanzen schützen“ finden Sie auch auf unserer BBV-Themenseite Pflanzenschutz.

Quellen und weiterführende Informationen:
http://www.bmel.de/DE/Landwirtschaft/Pflanzenbau/Pflanzenschutz/_Texte/Zulassung.html
http://www.bmel.de/DE/Landwirtschaft/Pflanzenbau/Pflanzenschutz/_Texte/GlyphosatFAQ.html
https://www.bfr.bund.de/de/gesundheitliche_trinkwasser_leitwerte-53033.html

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Acker mit Wasser

Grundwasserqualität in Deutschland – vorletzter Platz in Europa?

Es ist schon verwirrend: Einmal liest man, dass Deutschland eine der besten Trinkwasserqualitäten in Europa habe – ein anderes Mal ist davon die Rede, dass das Grundwasser europaweit nur in Malta schlechter sei wie in Deutschland. Wie passt das zusammen?

Fakt ist: Deutschland hat nicht das zweitschlechteste Grundwasser in Europa.

Grundsätzlich sind EU-Vergleiche wegen der stark unterschiedlichen Datengrundlagen in den einzelnen Ländern äußerst schwierig und oft gar nicht möglich. Im Fall der Messnetze zur Umsetzung der Nitratrichtlinie liefern beispielsweise die meisten Mitgliedsstaaten ihre repräsentativen Landesmessnetze und nicht – wie in der Richtlinie eigentlich vorgegeben – die Messstellen mit landwirtschaftlichem Einfluss.

Die Mär von der europaweit zweitschlechtesten Grundwasserqualität entstand 2013, als die EU-Kommission einen solchen Vergleich von Äpfeln mit Birnen grafisch darstellte. Diesem Vergleich lag noch das alte deutsche Nitratmessnetz zugrunde, das lediglich aus bundesweit 162 langjährig gleichen Messstellen bestanden hatte (34 davon in Bayern). Deutschland hat für dieses sogenannte „Belastungsmessnetz“ gezielt stark belastete, landwirtschaftlich beeinflusste Messstellen ausgewählt, um den Erfolg gewässerschonender Landbewirtschaftung deutlich dokumentieren zu können. Hier wurden auch klare Fortschritte erzielt – im ersten Untersuchungszeitraum (1992-1994) lagen knapp 65 % der Messstellen über dem Nitratschwellenwert, im letzten nur noch rund 50 %. Im deutschen Nitratbericht 2012 wird ausdrücklich erwähnt, dass dieses Messnetz nicht dazu geeignet ist, eine allgemeine Gesamtübersicht über die Nitratbelastung im oberflächennahen Grundwasser zu geben.

Obwohl Deutschland im Nitratbericht zusätzlich auch repräsentative Messdaten des sogenannten EUA-Messnetzes geliefert hatte, wurden diese von der EU-Kommission nicht berücksichtigt. Die meisten anderen Länder hatten von Beginn an ihre Gesamtmessnetze gemeldet, damit ein wesentlich besseres Bild abgegeben und eigentlich EU-Vorgaben missachtet. Im Jahr 2016 hat Deutschland sein Nitratmessnetz völlig neu konzipiert. Es wurde ein „Teilmessnetz Landwirtschaft“ des ebenfalls überarbeiteten „EUA-Messnetzes“  (1200 Messstellen, 234 in Bayern) gebildet, das knapp 700 Messstellen (Bayern: 134) umfasst, die nach Angaben des Umweltbundesamtes repräsentativ den Einfluss der deutschen Landwirtschaft auf das Grundwasser abbilden. Die bisherigen Belastungsmessstellen wurden in das neue Messnetz integriert. Mit einer Dichte von 1,9 Messstellen je 1000 km² liegt dieses Messnetz allerdings immer noch deutlich unter dem EU-Durchschnitt von 8 Messstellen je 1000 km², was eine direkte Vergleichbarkeit nach wie vor ausschließt.

© Wolter UBA 2015
Messstellen in Deutschland
© Deutscher Nitrarbericht 2016
Tabelle Häufigkeitsverteilungen der mittleren Nitratgehalte

Nach dem neuen deutschen Nitratmessnetz überschreiten im Zeitraum 2008-2011 nur noch 28 Prozent anstelle von knapp 50 Prozent der Messstellen den Nitrat-Schwellenwert von 50 mg/l. Beinahe 50 Prozent liegen unter 25 mg/l – gegenüber nur 8 Prozent im Belastungsmessnetz. Der Nitratbericht 2020 bescheinigt einen generellen leichten Abwärtstrend bei den Nitratwerten: Im Zeitraum 2016-2018 ist der Anteil der Messstellen über 50 mg/l auf 26,7 Prozent gesunken, obwohl die Auswirkungen der verschärften Düngeverordnungen 2017 und 2020 noch nicht messbar sind.

Wollte man einen EU-Vergleich anstellen, müsste man mindestens die Messwerte des repräsentativen deutschen EUA-Messnetzes heranziehen, bei dem im Zeitraum 2016-2018 rund 17 Prozent der Messstellen über 50 mg/l liegen – im bayerischen Teilnetz lediglich rund 6 Prozent. Auch dann ist aber noch zu berücksichtigen, dass keine europaweit einheitlichen Qualitätsstandards für Messstellen und Messmethoden existieren, sodass es eine wirkliche Vergleichbarkeit bis auf weiteres schlicht nicht geben wird.

Die folgenden Abbildungen der deutschen „Länderinitiative Kernindikatoren“ machen deutlich, wie unterschiedlich die Belastungssituation des Grundwassers (EUA-Messnetz) in den unterschiedlichen Bundesländern ist. Bayern zählt gemeinsam mit dem Saarland und Baden-Württemberg zu den besseren 25 % in Deutschland.

 

© LIKI 2020
tabelle

Wie steht es um die Grundwasserqualität in Bayern?

Im Zusammenhang mit der Diskussion um die Düngeverordnung und die „roten Gebiete“ mit verschärften Auflagen entsteht oft der Eindruck, die Grundwasserqualität in Bayern sei besonders schlecht.

Fakt ist: Bayern steht im Vergleich zu den meisten deutschen Bundesländern in Bezug auf die Grundwasserqualität sehr gut da.

Für die Trinkwasserversorgung in Bayern spielt das Grundwasser eine zentrale Rolle, denn mit über 90 % wird ein Großteil des Trinkwassers aus dem Grundwasser gewonnen. Die Belastung des zur öffentlichen Trinkwasserversorgung genutzten Grundwassers (Rohwasser) durch Nitrat und Pflanzenschutzmittel (PSM) beschreibt das Bayerische Landesamt für Umwelt (LfU) in Form von kontinuierlich fortgeschriebenen Berichten – der jüngste Bericht enthält Daten bis zum Jahr 2017. Demnach unterschreiten rund 90 Prozent des bayerischen Grundwassers den Nitrat-Schwellenwert von 50 mg/l, Tendenz gleichbleibend. Das Rohwasser der Trinkwasserbrunnen erfüllt im Schnitt sogar zu rund 97 Prozent ohne jegliche Aufbereitungsmaßnahmen die Nitrat-Qualitätsnorm von 50 mg/l.

 

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Guelle fahren

Landwirtschaft in Bayern – welche Rolle spielt Gewässerschutz?

Die Landwirtschaft wird oftmals als einer der Hauptverursacher von Gewässerverschmutzungen dargestellt und vielfach wird der Eindruck erweckt, dass Grundwasser- und Gewässerschutz in der aktuellen landwirtschaftlichen Praxis keine Rolle spiele.
Fakt ist: Landwirte sind sich ihrer Verantwortung bewusst und wollen Verluste von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln sowie Ackerboden auch aus wirtschaftlichen Gründen minimieren. Dies gelingt dank technischem Fortschritt im Alltag immer besser. Viele Landwirte führen außerdem freiwillig zusätzliche gewässerschonende Maßnahmen durch.
Landwirte sind sich Verantwortung bewusst
Mit 49 Prozent der Landesfläche ist die Landwirtschaft die größte Flächennutzerin in Bayern und hat damit einen potenziell großen Einfluss auf Grund- und Oberflächengewässer. Dieser Verantwortung sind sich die bayerischen Bauernfamilien bewusst, wohlwissend, dass die Prozesse in der Natur sehr komplex und meist unberechenbar sind. So sind Wirksamkeit und Verluste von Dünger und Pflanzenschutzmitteln u. a. abhängig von Bodenart, Geologie, Niederschlag und Temperatur, Ertragspotenzial u. v. m. – ein umfangreiches Forschungsfeld für die Agrarwissenschaften. Wissenschaftliche Erkenntnisse und technischer Fortschritt haben z. B. den Düngemitteleinsatz in den letzten 35 Jahren wesentlich effizienter gemacht, sodass der Nährstoffbilanzsaldo bei Stickstoff von 90 auf unter 40 kg/ha gesunken ist. Auch beim Pflanzenschutz tragen exakte Düsen und geringere Aufwandmengen zur Reduzierung unerwünschter Verluste bei. Forschung wird hier weiterhin Verbesserungen bringen. Ganz ohne Verluste wird es aber nie möglich sein, solange in der Natur und nicht im Labor oder auf Nährsubstrat unter Glas produziert wird.


Kooperativer Ansatz beim Gewässerschutz

In Bayern gilt beim Gewässerschutz – innerhalb des ordnungsrechtlich abgesteckten Rahmens – das Prinzip „Freiwilligkeit vor Ordnungsrecht“, also ein kooperativer Ansatz. Dies hat auch einen guten Grund, denn kein landwirtschaftlicher Betrieb und kein Acker ist wie der andere, sodass individuelle und maßgeschneiderte Gewässerschutzmaßnahmen viel effizienter wirken wie pauschale gesetzliche Regelungen. Je nach Gelände, Bodenart, Kultur und Klima gilt es, die geeigneten und wirtschaftlich tragfähigen Maßnahmen für den einzelnen Betrieb zu ergreifen – dies gelingt am besten mit individueller Beratung und unter Berücksichtigung der Erfahrung des Betriebsleiters, der seine Flächen am besten kennt.

Gemäß dem Prinzip des kooperativen Gewässerschutzes hat die Bayerische Staatsregierung im Jahr 2017 zusammen mit Erzeugern, Wasserversorgern, Institutionen und Verbänden – darunter auch der Bayerische Bauernverband – den sogenannten Bayerischen Wasserpakt geschlossen. Ziel dessen ist es, alle Kräfte zu bündeln, um auf freiwilliger Basis, ergänzend zu den gesetzlichen Vorgaben, eine Verbesserung des Zustandes unserer Gewässer nach der Wasserrahmenrichtlinie zu erreichen. Hier fließen auch die vielfältigen schon bestehenden kooperativen Ansätze mit ein.


Erfolgreiche Beispiele für kooperativen Gewässerschutz sind u. a.:
Das Bayerische Kulturlandschaftsprogramm (KULAP; www.stmelf.bayern.de/kulap), u. a.:
•    Das Bayerische Kulturlandschaftsprogramm (KULAP; http://www.stmelf.bayern.de/kulap), u. a.:
o    Extensive Grünlandnutzung für Raufutterfresser (über 10.200 Betriebe u. 214.800 ha)
o    Extensive Grünlandnutzung an Gewässern (über 11.100 Betriebe u. 26.300 ha)
o    Umwandlung von Acker- in Grünland (über 3.500 Betriebe u. 8.400 ha)
o    Gewässer- und Erosionsschutzstreifen (über 9.200 Betriebe 7.900 ha)
o    Winterbegrünung mit Zwischenfrüchten oder Wildsaaten (über 3.700 Betriebe u. 31.300 ha)
o    Mulch-/Streifen-/Direktsaatverfahren (über 3.200 Betriebe u. 32.800 ha)
o    Verzicht auf Intensivkulturen (über 1.600 Betriebe u. 6.400 ha)
o    Ökologischer Landbau im Gesamtbetrieb (über 9.600 Betriebe u. 366.700 ha)
o    Blühflächen (über 12.600 Betriebe u. 22.300 ha)
•    Die ökologischen Vorrangflächen im Rahmen des sog. „Greening“ (u. a. Pufferstreifen, Mulchsaat)
•    Die Initiative „boden:ständig“ aktuell über 80 Projekte in Bayern (www.boden-staendig.eu)
•    Zahlreiche Vereinbarungen zum kooperativen Gewässerschutz zwischen Wasserversorgern und Landwirten
•    Sonstige freiwillige Maßnahmen ohne Förderung
Quellen und weiterführende Informationen:
M. Wendland et al.: Nährstoffbilanz Bayern, in: Hans Eisenmann-Zentrum (Hrsg.): 5. Agrarwissenschaftliches Symposium, 25. September 2014, Agrarische Nährstoffkreisläufe: Nährstoffmanagement-Umweltschutz- Ressourceneffizienz, Tagungsband.
http://www.lfu.bayern.de/wasser/wrrl/beteiligung_oeffentlichkeit/wasserforum_bayern/index.htm
https://www.stmelf.bayern.de/wasserpakt https://www.bayerischerbauernverband.de/wasserpakt

 

 

Gewässerschutz und Landwirtschaft - Faktencheck-GW-Qualität in D vs. EU Stand August 2020


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