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Erdatmopshäre

Weniger Treibhausgase aus der Landwirtschaft

Veränderte Arbeitsweisen und nicht der Lockdown sind die Gründe

01.04.2021 |

Corona ändert vieles. Im vergangenen Jahr sind die Treibhausgasemissionen in Deutschland insgesamt um 8,1 Prozent gesunken. Nach Schätzungen des Umweltbundesamtes ist rund ein Drittel dabei auf die Pandemie zurückzuführen. Auch die CO2-Emissionen aus der Landwirtschaft waren rückläufig – doch hat das was mit Corona zu tun? „Nein“, sagt BBV-Umweltreferent Andreas Puchner im Interview mit BBV Aktuell.

BBV Aktuell: Die Treibhausgasemissionen in Deutschland gingen 2020 insgesamt um 8,1 Prozent auf 740 Mio. Tonnen CO2-Äquivalente zurück. Nachdem die Emissionen in der Landwirtschaft seit 1990 bereits um 28,6 Prozent abgenommen haben, war 2020 nochmal ein Rückgang um 2,2 Prozent auf 66 Mio. Tonnen zu verzeichnen. Grund zur Freude?

Puchner: Ja und nein. Das Umweltbundesamt geht davon aus, dass der Rückgang der gesamtdeutschen Emissionen von der Corona-Pandemie beeinflusst ist. Mir wäre lieber gewesen, wir wären auf anderem Wege zu dieser stolzen Zahl gekommen. Aber ja, ich freue mich, dass auch die Landwirtschaft ihren Teil dazu beigetragen hat – und zwar ohne „Corona-Bonus“, denn die Landwirtschaft konnte und musste weiter arbeiten.

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Andreas Puchner
Andreas Puchner ist Umweltreferent beim Bayerischen Bauernverband

BBV Aktuell: Die Landwirtschaft hatte an den Gesamtemissionen einen Anteil von knapp neun Prozent. Gegenüber 2019 sind die klimarelevanten Emissionen der Landwirtschaft um 2,2 Prozent auf rund 66 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente gesunken. Also haben wir deutlich weniger geschafft als die anderen Bereiche?

Puchner: Widerspruch! Das kann man so nicht sehen! Im Vergleich zu den Sektoren Verkehr und Energie war die Treibhausgasreduktion in der Landwirtschaft zwar deutlich niedriger, aber landwirtschaftliche Emissionen sind nicht von der Corona-Pandemie beeinflusst. Wir haben diesen Rückgang durch veränderte Arbeitsweisen und nicht durch den Lockdown geschafft!

BBV Aktuell: Welche veränderten Arbeitsweisen haben zur Minderung beigetragen?

Puchner: Die effizienteren Wirtschaftsweisen – zum Beispiel der rückläufige Mineraldüngereinsatz – zahlen sich aus. So konnten die Landwirte die CO2-Emissionen um 3 Prozent und die Emissionen bei Methan und Lachgas um jeweils 2 Prozent senken. Außerdem konnte eine leicht höhere Senkenleistung erreicht werden, das heißt es wurde auch mehr CO2 im Boden gebunden. Die bloßen Zahlen lassen Klimaschützer wohl nicht in Begeisterungsstürme ausbrechen. Aber nach dem Klimaschutzgesetz war als Sektorziel für 2020 ein Basiswert von 70 Millionen Tonnen CO2-Äquivalenten festgelegt. Und 2020 haben wir den Wert von 66 Mio. Tonnen geschafft! Die Landwirtschaft hat das gesetzte Klimaschutzziel erreicht und unterschritten.

BBV Aktuell: Geht da noch mehr?

Puchner:  Ich meine ja. Auch deshalb, weil noch mehr gehen muss. Jede Branche muss weiterhin einen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Bei Düngereinsparungen sind natürlich Grenzen gesetzt, weil die Pflanzen natürlich nach ihrem Bedarf ernährt werden müssen – die Einschnitte im Düngerecht reizen das schon größtenteils aus.
Kürzlich machte aber ein schwedisches Unternehmen auf sich aufmerksam mit einem „Wundermittel“ zur Reduktion der Methanemissionen aus der Wiederkäuermagen: Durch Beimengung von bestimmten Algen soll sich das Methan aus der Verdauung um bis zu 80 Prozent vermindern lassen. Das wäre ein enormer Schritt. Hier gilt es nun die Ergebnisse wissenschaftlich zu überprüfen  und dann gegebenenfalls in die Fütterungspraxis zu übertragen. Wir Landwirte haben uns auf die Fahne geschrieben, im Klimaschutz Teil der Lösung zu sein. Dieser Verantwortung versuchen wir seit Generationen durch nachhaltiges Wirtschaften gerecht zu werden und dieser Verantwortung wollen wir auch künftig gerecht werden, um unsere Lebensgrundlagen für die kommenden Generationen zu erhalten.

 

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Stefanie Härtel und Andreas Puchner
BBV-Redakteurin Stefanie Härtel und Andreas Puchner
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