Landwirtschaft & Umwelt

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Ausgetrockneter Boden auf einem Kornfeld bei einer Dürre in Bayern
Angesichts des Klimawandels nehmen die Frequenz und das Ausmaß extremer Witterungsereignisse zu.

Position: Klimaplan für Bayerns Bauern

Zunehmende Herausforderung durch Dürre und Hitze meistern!

12.04.2016 |

Im vergangenen Jahr war Bayern in vielen Regionen erneut gravierend von Trockenheit und Hitze betroffen. Angesichts des Klimawandels nehmen die Frequenz und das Ausmaß extremer Witterungsereignisse zu. Klimasituationen mit anhaltender Trockenheit und Hitze sind eine gewaltige Herausforderung für alle Menschen und auch für die Landwirtschaft, die eine ausreichende Versorgung mit hochwertigen regionalen Nahrungsmitteln gewährleisten soll. Unter Witterungsverhältnissen mit langen, regenarmen Perioden und mehrtägigen Phasen von Temperaturen über 35 Grad Celsius leiden der Aufwuchs und die Gesundheit von allen Pflanzen in Wald und Flur deutlich. Erhebliche Schäden haben dann Ackerbauern, Weinbauern, Sonderkulturbetriebe und auch Tierhaltungsbetriebe, denen Futterknappheit bei Grünland und im Ackerfutterbau droht. Derartige Schwierigkeiten auf der Erzeugerstufe schlagen sich auch kritisch auf den vor- und nachgelagerten Bereich und damit auf die Wertschöpfung im ländlichen Raum aus.

Vor diesem Hintergrund bittet die Präsidentenkonferenz des Bayerischen Bauernverbandes die Bayerische Staatsregierung, einen strategischen Klimaplan für Bayerns Bauern unter Federführung des bayerischen Landwirtschaftsministeriums aufzustellen. Bayerns Ackerbauern, Weinbauern, Sonderkulturbetriebe und auch Tierhaltungsbetriebe brauchen Hilfestellungen.
 
Folgende Anliegen werden für eine erste Rahmensetzung eines Klimaplans der bayerischen Landwirtschaft angestoßen:

 

Versorgung mit Wasser sichern – Wasserplan für die Landbewirtschaftung

  • Neben der Sicherung der Trinkwasserversorgung in Hitze- und Trockenheitsjahren bedarf es auch genügend zulässiger und angemessener Möglichkeiten für eine ausreichende Wasserversorgung für landwirtschaftliche Kulturen, um bedrohlichen Schädigungen bzw. Totalverlusten bei Nahrungsmitteln vorzubeugen und Wertschöpfung in diesem Bereich zu erhalten.
     
  • Konzepte zur flächenschonenden Einrichtung von Wasserspeichern oder andere, innovative Ideen zur lokalen und regionalen Wasserbevorratung sind bayernweit zu erarbeiten sowie mit den Bauern und Grundeigentümern vor Ort zu entwickeln und abzustimmen.
     
  • Die geeigneten Maßnahmen, um hier die Wasserversorgung auch für landwirtschaftliche Zwecke, einschließlich der Eigenwasserversorgung von Tierhaltungsbetrieben, zu verbessern, sollen über staatliche Programme und Konzepte zur Umsetzung geführt werden.
     

Bewässerung ausbauen – Stärkung der nachhaltigen Landwirtschaft

  • Die Einrichtung, der Ausbau und die Modernisierung von Bewässerungsanlagen werden im Rahmen der gegebenen Möglichkeiten von den zuständigen Behörden unterstützt.
  • Ziel ist es, in Bayern die ressourceneffizient bewässerte, landwirtschaftliche Anbaufläche zu vervielfachen, um damit die nachhaltige Landwirtschaft zu stärken.
  • Dazu ist ein Wasserplan für die Landwirtschaft und den Gartenbau in Bayern zu erarbeiten, der effiziente Bewässerung und Möglichkeiten zur Wasserspeicherung einschließt.
     

Klimastabilität der Landwirtschaft stärken – Agrarforschung und Innovation für die Praxis auf Bayerns Bauernhöfen

  • Die Staatsregierung richtet bayernweit Versuchsstandorte repräsentativ für alle bedeutenden, landwirtschaftlichen Flächennutzungen und Betriebsformen auf realen Familienbetrieben ein, gerade in für Trockenheit und Hitze besonders anfälligen Regionen.
     
  • Die bayerischen Agrarforschungseinrichtungen – vor allem TU München-Weihenstephan, Hochschule Weihenstephan-Triesdorf, Landesanstalt für Landwirtschaft sowie Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau – verstärken hierfür ihre Zusammenarbeit und binden die Zielgruppen ab Beginn der Vorhaben ein.
     
  • Bayern schafft so ein Netzwerk an Versuchsbetrieben, deren Fragestellungen, Erkenntnisse und Erfahrungen für die Praxis und für die Agrarforschung einen Mehrwert haben.
     
  • Angesichts des Klimawandels gilt es, aus den Umsetzungserkenntnissen in realen, bäuerlichen Familienbetrieben neue, darauf angepasste Anbaumethoden, Ackerbauverfahren, Fruchtfolgegestaltungen, gegebenenfalls neue Pflanzenarten und Anbauempfehlungen in eine breite Anwendung zu bringen.
     
  • Als Grundlage ist das objektive, staatliche Sortenversuchswesen flächendeckend in Bayern zu stärken, um ausreichend differenzierte Empfehlungen für die künftigen Herausforderungen der ackerbaulichen Praxis zu ermöglichen.
     
  • Der Wissenstransfer – Information, Bildungs- und Beratungsmaßnahmen – bedürfen der finanziellen Unterstützung über die Staatsregierung, um Wirkung zu erzielen.
     
  • Für die Verbreitung der klimaangepassten Landbaustrategien bedarf es zusätzlicher Mittel in Bayern, um zielorientierte Maßnahmen über ein Sonderprogramm und über die ELER-Programmplanung (Kulap usw.) voranzubringen.
     
  • Auch in diesem Zusammenhang ist die Innovationskraft der bayerischen Landwirtschaft zum Beispiel über die Europäische Innovationspartnerschaft (EIP-agri) zu stärken. Über eigenständige Landesmaßnahmen sollten zudem auch für Einzelunternehmen der Agrarwirtschaft eine Innovationsförderung ermöglicht werden.
     
  • Die Züchtung von trockenheits- und hitzeresistenteren Nutzpflanzen ist über die Forschungsverbünde von bayerischen Universitäten, Hochschulen und Landesanstalten gemeinsam mit bayerischen Zuchtfirmen zu forcieren.

Risikomanagement und Eigenverantwortung stützen

  • Auf bundespolitischer Ebene sind einfache, steuerfreie Rücklagemöglichkeiten für landwirtschaftliche Betriebe einzuführen, mit denen eigenverantwortlich mehr Risikomanagement geleistet werden kann. Die Rücklagenbildung in normalen Jahren für sehr kritische Jahre zum Beispiel in Folge von Dürre oder Hitze muss attraktiv gemacht werden.
     
  • Die Verbreitung privater Lösungen (Terminmarktabsicherung, Vorverträge usw.) wird in der Ausbildung, bei Bildungsmaßnahmen und in der sozioökonomischen, staatlichen Beratung forciert.
     
  • Für marktwirtschaftliche Versicherungssysteme, die auch Dürre- und Hitzeschäden in der Landwirtschaft abdecken und die in anderen Staaten angeboten werden, soll die Praxistauglichkeit und Umsetzbarkeit für die bayerische Landwirtschaft von der Landesanstalt für Landwirtschaft geprüft werden.
     
  • Angesichts der bewährten Versicherungsmöglichkeiten für Hagel und der hier angemessenen Versicherungssteuer von 0,03 Prozent wird die Politik aufgefordert, den Steuersatz bei Mehrgefahrenversicherungen auch für Dürre und Hitze von 19 auf 0,03 Prozent in Deutschland abzusenken.

 

 

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