Neues Virus bei Rindern nachgewiesen
Was über das Shamonda-like-Virus im Südwesten und in Bayern bekannt ist
Neues Virus: Was sind die Symptome?
In den letzten Wochen gab es im Südwesten Deutschlands und zuvor aus der Schweiz vermehrt Berichte von
- deutlichem Milchrückgang,
- Fieber und
- Durchfall, und auch von
- Fehlgeburten.
Die Symptome traten dabei meist in mehreren Schüben mit zwischenzeitlicher Stabilisierung auf. Nach einer knappen Woche erholten sich die Tiere bei deutlich niedrigerer Milchleistung langsam wieder. Oft ist mehr als die Hälfte aller Tiere einer Herde symptomatisch.
Um welches Virus handelt es sich?
Alle Untersuchungen auf bereits bekannte Krankheitserreger verliefen aber negativ. Das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) hat nun in Blutproben betroffener Rinder ein bislang nicht näher charakterisiertes Virus aus der Virusgruppe des Schmallenberg-Virus (SBV) nachgewiesen.
Wie wird das SHAV-Virus übertragen?
Übertragen wird das neue Shamonda-like-Virus (SHAV) wie SBV und Blauzunge (BTV) durch blutsaugende Gnitzen.
Wie ist die Betroffenheit?
Eine Einschätzung der Ausbreitungsgeschwindigkeit oder der Betroffenheit kann noch nicht getroffen werden. Allerdings eignet sich die Wetterlage aktuell sehr gut für die Verbreitung durch Gnitzen. In Baden-Württemberg geht man aktuell bereits von mehr als 100 betroffenen Betrieben aus.
Prävention: Was können Tierhalter tun?
Gnitzen abwehren: Nach aktuellem Kenntnisstand ist Gnitzenbekämpfung die wichtigste Präventionsmaßnahme. entweder über Repellentien, oder über intensive Belüftung der Ställe um die Gnitzen fernzuhalten.
Zukauf vermeiden: Auf Zukauf von Tieren aus bereits betroffenen Regionen und vor allem von betroffenen Beständen sollte in jedem Fall verzichtet werden.
Was sollten Sie sonst noch beachten?
Fruchtbarkeitsmanagement im Blick behalten: Unbemerkte Frühaborte können sowohl bei Milchvieh als auch in der Mutterkuhhaltung erhebliche finanzielle Auswirkungen haben.
Was tun im Verdachtsfall?
Untersuchung beim TGD Bayern: Da neben den beschriebenen akuten klinischen Erscheinungen bei Infektionen mit Viren dieser Gruppe auch mit Aborten, Totgeburten und schweren angeborenen Fehlbildungen zu rechnen ist, besteht beim Tiergesundheitsdienst die Möglichkeit Aborte und missgebildete Kälber bis 50 kg zur Untersuchung abholen zu lassen. Anmeldung unter: 089 9091-260
Proben aus Verdachtsbeständen leitet der TGD nach Ausschluss anderer Erreger an das FLI weiter. Geeignete Probenmaterialien sind EDTA Blut und Serum.
Welche Maßnahmen werden bereits getroffen?
Verbringungsverbote: Bisher gibt es keine krankheitsspezifischen Einschränkungen. Die Vermarktung von Milch und Fleisch ist ebenso möglich. Allerdings wies ein Sprecher des Landwirtschaftsministeriums in Baden-Württemberg darauf hin, das Tiere aus Betrieben mit Anzeichen einer klinischen Erkrankung grundsätzlich nicht transportiert werden dürfen.
Weitere Informationen:
- Virus-Steckbrief des Shamonda-like-Virus (FLI)
- Meldung zum Virus beim Tiergesundheitsdienst Bayern
- Pressemitteilung des Friedrich-Loeffler-Instituts