Red Farmer: Landwirte helfen im Ernstfall
Red Farmer im Landkreis Forchheim: Landwirte stärken Feuerwehr und Katastrophenschutz. Neues Onlineportal vernetzt Einsatzkräfte mit landwirtschaftlichen Betrieben
Landwirtschaftliche Technik für den Ernstfall
Wald- und Flächenbrände, Hochwasser, Starkregen, Windbruch oder heftige Schneefälle: Bei größeren Schadenereignissen benötigen Feuerwehren mitunter kurzfristig zusätzliche Fahrzeuge und Spezialgeräte. Viele landwirtschaftliche Betriebe verfügen über genau diese Technik – von leistungsstarken Traktoren und großen Wasserfässern über Pflüge und Grubber bis hin zu Lade- und Hebegeräten, Anhängern oder Drohnen.
Mit dem Onlineportal ‚Red Farmer‘ sollen diese Hilfsmöglichkeiten künftig schneller gefunden und gezielter eingesetzt werden können. Der Bayerische Bauernverband und die Kreisbrandinspektion Forchheim stellten die Initiative bei einem gemeinsamen Pressegespräch auf einem Feld des landwirtschaftlichen Betriebs vom stellvertretenden Kreisobmann, Reinhard Friedrich, bei Wohlmuthshüll vor.
„Im Ernstfall brauchen wir jede helfende Hand“, betonte Kreisbrandrat Oliver Flake. Die Zusammenarbeit zwischen Feuerwehren und Landwirtschaft sei im Landkreis Forchheim bereits seit vielen Jahren gelebte Praxis. Mit ‚Red Farmer‘ werde diese bewährte Nachbarschaftshilfe nun besser organisiert und auf eine professionelle Grundlage gestellt.
Schnelle Übersicht statt langer Telefonketten
Landwirtinnen und Landwirte können sich freiwillig auf der Plattform registrieren und dort angeben, mit welchen Fahrzeugen, Maschinen oder Geräten sie im Ernstfall unterstützen könnten. Hinterlegt werden auch die jeweiligen Standorte und Kontaktdaten.
Die Einsatzführung erhält dadurch einen schnellen Überblick über verfügbare Hilfsangebote in der Umgebung. Wird beispielsweise bei einem Wald- oder Flächenbrand ein großes Wasserfass oder ein leistungsstarker Traktor mit Bodenbearbeitungsgerät benötigt, kann gezielt Kontakt mit einem geeigneten Betrieb aufgenommen werden. Zeitraubende Telefonketten und die Suche nach passender Technik werden dadurch deutlich reduziert.
Die Registrierung begründet keine dauerhafte Bereitschaftspflicht. Ob eine Landwirtin oder ein Landwirt im konkreten Fall helfen kann, hängt unter anderem von der persönlichen Erreichbarkeit und der aktuellen betrieblichen Situation ab. Es besteht damit also keine Verpflichtung für den landwirtschaftlichen Betrieb Die Koordination und Alarmierung der landwirtschaftlichen Fahrzeuge und Maschinen erfolgt ausschließlich durch die zuständigen Einsatzleitung.
Nicht nur bei Wald- und Flächenbränden
Das Einsatzspektrum von ‚Red Farmer‘ reicht weit über die Brandbekämpfung hinaus. Landwirtschaftliche Fahrzeuge und Geräte können auch bei anderen außergewöhnlichen Schadenereignissen wertvolle technische Hilfe leisten.
Nach Stürmen oder bei Windbruch können beispielsweise Wege freigeräumt und schwer zugängliche Einsatzstellen erreicht werden. Bei starken Schneefällen stehen leistungsfähige Zug- und Räumfahrzeuge zur Verfügung. Bei Hochwasser und Starkregen können Traktoren, Anhänger, Pumpen oder weitere Spezialgeräte den Transport von Material unterstützen und zur Bewältigung der Lage beitragen.
Welche Hilfe im Einzelfall benötigt wird, entscheidet immer die Einsatzleitung. Die registrierten Betriebe fahren deshalb nicht selbstständig zur Einsatzstelle, sondern werden gezielt angefordert und in die bestehenden Einsatzstrukturen eingebunden.
Starke Verbindung zwischen Landwirtschaft und Feuerwehr
Feuerwehr und Landwirtschaft sind traditionell eng miteinander verbunden. Nach Angaben des Landesfeuerwehrverbands Bayern haben schätzungsweise rund 30 Prozent der aktiven Feuerwehrleute im Freistaat einen landwirtschaftlichen Hintergrund. Viele Bäuerinnen und Bauern engagieren sich selbst in einer Freiwilligen Feuerwehr oder unterstützen die Einsatzkräfte bereits heute mit ihrer Ortskenntnis und ihrer Technik.
„Landwirte übernehmen schon immer Verantwortung für ihre Dörfer und für die Menschen vor Ort. ‚Red Farmer‘ macht diese Hilfsbereitschaft für die Einsatzkräfte sicherer und besser planbar“, sagte Hermann Greif, BBV-Bezirkspräsident für Oberfranken. Das Netzwerk könne entscheidend dazu beitragen, Schäden an Menschen, Tieren, Ernten, Gebäuden und Wäldern im Ernstfall zu begrenzen.
Versicherungsschutz und Kostenerstattung
Für Einsätze bestehen klare gesetzliche Regelungen. Wird eine Helferin oder ein Helfer von der Einsatzleitung herangezogen, besteht bei Personenschäden grundsätzlich Versicherungsschutz über die Kommunale Unfallversicherung Bayern.
Bei Schäden an eingesetzten Fahrzeugen oder Geräten greift zunächst die jeweils vorhandene Haftpflicht-, Teilkasko- oder Vollkaskoversicherung. Darüberhinausgehende Schäden können nach den gesetzlichen Voraussetzungen über die Dienstleistungsversicherung der zuständigen Gemeinde geltend gemacht werden.
Auch notwendige Auslagen, beispielsweise für Fahrzeuge, Geräte, Treibstoff oder Verbrauchsmaterial können erstattet werden. Als Grundlage für die Abrechnung empfiehlt der Landesfeuerwehrverband Bayern die Stundensätze der örtlichen Maschinen- und Betriebshilfsrings.
Jetzt als ‚Red Farmer‘ registrieren
Der BBV und die Kreisbrandinspektion Forchheim rufen die landwirtschaftlichen Betriebe im Landkreis dazu auf, sich an der Initiative zu beteiligen. „Je mehr Betriebe ihre Fahrzeuge und Geräte hinterlegen, desto dichter und schlagkräftiger wird das Netzwerk“, so der für ‚Red Farmer‘ zuständige Kreisbrandinspektor Ernst Messingschlager.
Landwirte können sich freiwillig, schnell und unkompliziert bei „Red Farmer“ registrieren.
Weitere Informationen und die Registrierung findet man unter: www.redfarmer.eu