Biogas sichert Energie und Einkommen im ländlichen Raum
EEG 2027: Betriebe fordern Zukunftsperspektive für Biogas
Mit zwei Abgeordnetengesprächen innerhalb weniger Wochen haben Biogasanlagenbetreiber im Raum Bamberg-Forchheim auf den dringenden Nachbesserungsbedarf beim geplanten EEG 2027 aufmerksam gemacht. Am 31. Juli informierte sich die Bundestagsabgeordnete Lisa Badum (Bündnis 90/Die Grünen) auf der Biogasanlage des oberfränkischen BBV-Bezirkspräsidenten Hermann Greif in Pinzberg. Gemeinsam mit BBV-Vizepräsident Ely Eibisch, Vorsitzender des Landesfachausschusses Nachwachsende Rohstoffe und Erneuerbare Energien, stellten Greif und Eibisch die Positionen des Bauernverbandes vor.
Am 24. August wurde der politische Dialog auf dem Biogasbetrieb von Georg Göller in Hirschaid fortgesetzt. Diesmal nahmen die Bundestagsabgeordneten Thomas Silberhorn (CSU) und Andreas Schwarz (SPD) an dem Gespräch teil. Damit brachte der BBV seine Anliegen unmittelbar gegenüber Abgeordneten aus drei im Bundestag vertretenen Parteien zur Sprache.
Biogas ergänzt Wind und Sonne
Biogasanlagen können einen entscheidenden Beitrag zur Stabilität eines zunehmend von Wind- und Sonnenenergie geprägten Stromsystems leisten. Das erzeugte Gas lässt sich speichern und genau dann verstromen, wenn wenig Wind- und Sonnenstrom zur Verfügung steht oder der Energiebedarf besonders hoch ist.
Viele Biogasanlagen erreichen jedoch in den kommenden Jahren das Ende ihrer bisherigen, auf 20 Jahre angelegten EEG-Förderung. Ohne wirtschaftlich tragfähige Anschlussregelungen droht zahlreichen Anlagen die Stilllegung. Wertvolle erneuerbare und jederzeit steuerbare Leistung würde damit unwiederbringlich verloren gehen. Vielmehr muss das vorhandene Potential bestehender Anlagen erhalten, modernisiert und noch stärker auf eine flexible und bedarfsgerechte Stromerzeugung ausgerichtet werden.
Dezentrale Energieerzeugung erhöht Versorgungssicherheit
Die aktuellen geopolitischen Unsicherheiten zeigen, dass Energiepolitik immer auch Sicherheitspolitik ist. Tausende über das ganze Bundesgebiet verteilte Biogasanlagen bilden eine dezentrale und damit widerstandsfähige Versorgungsstruktur. Sie vermindern die Abhängigkeit von Energieimporten und von wenigen zentralen Großkraftwerken.
Im Krisen-, Sabotage- oder Verteidigungsfall können einzelne große Kraftwerke und zentrale Versorgungsleitungen leichter zum Ziel werden oder vollständig ausfallen. Ein breit verteiltes Netz aus vielen kleineren Energieerzeugern besitzt dagegen keine einzelnen, für das gesamte System entscheidenden Angriffspunkte. Mit den notwendigen technischen Voraussetzungen können Biogasanlagen deshalb einen wichtigen Beitrag zur regionalen Versorgungssicherheit und zur Widerstandsfähigkeit der Energieversorgung leisten.
Erneuerbare Energien als Zukunftsperspektive für die nächste Generation
Die politische Entscheidung über das EEG 2027 ist zugleich eine Entscheidung über die Zukunft vieler landwirtschaftlicher Familienbetriebe. In zahlreichen Betrieben steht die nächste Generation vor der Frage, ob und in welcher Form sie den Hof weiterführen kann, so auch auf dem Betrieb von Michael Ritter, dessen Tochter Tabea in den Startlöchern für die Übernahme steht.
Die bestehenden Biogasanlagen wurden über Jahre hinweg aufgebaut, optimiert, erweitert und an neue Anforderungen angepasst. Die Betriebsleiter verfügen über umfassendes Fachwissen und haben erhebliches Kapital in Fermenter, Blockheizkraftwerke, Gasspeicher, Wärmenetze und Steuerungstechnik investiert. Dieses Know-how und diese Strukturen dürfen nicht durch fehlende politische Perspektiven entwertet werden.
Gleichzeitig werden die Alternativen für viele Höfe immer weniger. Zahlreiche Tierhalter geben wegen mangelnder Wirtschaftlichkeit, hoher Auflagen und fehlender Planungssicherheit auf. Auch im reinen Marktfruchtbau lassen sich vielfach keine ausreichenden Einkommen mehr erwirtschaften. Eine zukunftsfähige Biogaserzeugung kann deshalb ein wichtiges wirtschaftliches Standbein sein, das landwirtschaftliche Betriebe stabilisiert und der nachfolgenden Generation eine Perspektive eröffnet.
EEG 2027 muss nachgebessert werden
Der BBV fordert unter anderem ausreichende Ausschreibungsmengen, eine langfristige Anschlussförderung für Bestandsanlagen, höhere Vergütungs- und Gebotshöchstwerte sowie bessere Bedingungen für kleine und flexibel arbeitende Biogasanlagen. Auch Güllekleinanlagen, Biomethan und regionale Biogascluster müssen stärker berücksichtigt werden.
Zugleich müssen Biogasanlagen für das Bereitstellen gesicherter Leistung angemessen vergütet werden. „Wenn neue Gaskraftwerke eine Kapazitätsvergütung erhalten, darf die bereits vorhandene, erneuerbare und regional erzeugte Leistung der Biogasanlagen nicht schlechtergestellt werden“, so das Plädoyer von BBV-Präsident Hermann Greif.
Den vollständigen Forderungskatalog des BBV zum EEG 2027 finden Sie unter:
Für den Bayerischen Bauernverband ist klar:
Das EEG 2027 darf nicht zum Ausstiegsgesetz für landwirtschaftliche Biogasanlagen werden. Es muss Versorgungssicherheit, Klimaschutz und die Zukunft der landwirtschaftlichen Familienbetriebe miteinander verbinden.