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Eine Gruppe von Rehen am Rand eines Waldes in Bayern
© BBV

Abschlussbericht zur Rotwildgenetik bestätigt: Bayerns Rotwild ist genetisch gut aufgestellt

BBV-Präsident Günther Felßner: „Pauschale Aufweichung der Rotwildgebiete hat keine wissenschaftliche Grundlage“ – Punktuelle Prüfaufträge gezielt, eigentümerverträglich und waldverträglich angehen

10.06.2026 | Der Bayerische Bauernverband sieht im nun vorliegenden Abschlussbericht zur Rotwildgenetik in Bayern eine klare Bestätigung für eine sachliche, faktenbasierte und maßvolle Rotwildpolitik. Die Untersuchung der Technischen Universität München zur genetischen Populationsstruktur und zum Zustand der bayerischen Rotwildvorkommen zeigt aus Sicht des BBV eindeutig: Bayerns Rotwild ist genetisch gesund, vital und gut aufgestellt.

„Der Abschlussbericht ist eine gute Nachricht für Bayerns Rotwild und zugleich ein wichtiger Beitrag zur Versachlichung einer lange emotional geführten Debatte. Die Sorge, die bestehenden Rotwildgebiete führten landesweit zu genetischer Verarmung oder zu einer Beeinträchtigung der körperlichen Fitness des Rotwildes, wird durch die vorliegenden Daten nicht bestätigt“, erklärt BBV-Präsident Günther Felßner. 

Nach den Ergebnissen des Forschungsberichts weisen sieben der zehn bayerischen Rotwildgebiete einen guten bis sehr guten genetischen Zustand auf. Dazu zählen Oberbayern/Hochgebirge, Schwaben, Bayerischer Wald, Oberpfalz Süd, Oberpfalz Nord/Veldensteiner Forst, Fichtelgebirge sowie Spessart/Rhön. Diese Gebiete umfassen den weit überwiegenden Teil der bayerischen Rotwildvorkommen – sowohl hinsichtlich der Fläche als auch hinsichtlich der Individuenzahl. Viele Vorkommen sind zudem Teil größerer, teils grenzüberschreitender Zusammenhänge, in denen genetischer Austausch stattfindet.

„Damit entzieht der Abschlussbericht einer pauschalen Aufweichung oder gar Aufhebung der Rotwildgebiete die wissenschaftliche Grundlage. Es gibt keine flächendeckende Rotwildgenetik-Problematik in Bayern“, so Felßner. 

Besonderes Augenmerk verdienen nach dem Bericht lediglich drei Vorkommen: Isarauen, Haßberge und Odenwald. Auch dort leitet der Bericht jedoch keine pauschale Ausweitung der Rotwildverbreitung ab, sondern empfiehlt differenzierte, wissenschaftlich begleitete und sorgfältig abzuwägende Handlungsoptionen. Für die Isarauen wird aufgrund der starken Isolation als mögliche Option die gezielte Einbringung geeigneter Individuen aus anderen Gebieten unter wissenschaftlicher Begleitung genannt. Für Haßberge und Odenwald stehen zusätzliche Analysen zur Vernetzung der Landschaft und zur Förderung eines möglichen genetischen Austausches im Vordergrund. 

Aus Sicht des BBV müssen solche Prüfungen stets im Einklang mit den berechtigten Belangen der Grundeigentümer, der Land- und Forstwirtschaft, des Waldumbaus, der Wildschadensvermeidung und der Tiergesundheit erfolgen. Maßnahmen zur Stärkung genetischer Vielfalt dürfen nicht zu einer unkontrollierten Ausweitung der Rotwildverbreitung, zu höheren Wilddichten oder zu neuen Konflikten in Wald und Flur führen. 

„Rotwild ist eine faszinierende heimische Wildart und gehört zu Bayern. Aber Rotwildmanagement in einer dicht genutzten Kulturlandschaft braucht klare Regeln, verlässlichen Vollzug und Respekt vor dem Eigentum. Genetische Vernetzung darf nicht zur stillen Erweiterung von Rotwildarealen werden“, betont Felßner. 

Der Bayerische Bauernverband sieht sich durch den Abschlussbericht in seiner bisherigen Linie bestätigt: Entscheidungen im Rotwildmanagement müssen auf belastbaren Daten beruhen. Die bewährte Systematik der Rotwildgebiete ist beizubehalten. Der Grundsatz „Wald vor Wild“ bleibt zentrale Leitlinie. In rotwildfreien Gebieten muss der gesetzliche Auftrag zur Rotwildfreihaltung konsequent vollzogen werden.

Zugleich spricht sich der BBV dafür aus, die vom Bericht benannten punktuellen Fragestellungen nun geordnet und transparent weiter zu bearbeiten. Dazu gehören wissenschaftlich fundierte Konnektivitätsanalysen, eine enge Einbindung der betroffenen Grundeigentümer, Jagdgenossenschaften und regionalen Akteure sowie eine klare Bewertung möglicher Auswirkungen auf Waldverjüngung, landwirtschaftliche Flächen, Wildschäden und Tiergesundheit. 

„Der Bericht schafft Klarheit. Er zeigt, dass Bayerns Rotwild in der Breite gesund und vital ist. Dort, wo punktuell genauer hingesehen werden muss, braucht es wissenschaftlich begleitete, praxistaugliche und eigentümerverträgliche Lösungen. Genau diesen Weg sollten Politik, Wissenschaft, Jägerschaft und Grundeigentümer nun gemeinsam gehen“, so Felßner abschließend.

Weiterführend: "Rotwild in Bayern – Genetische Vielfalt sichern, Eigentum achten, Landschaft verantwortlich gestalten" (Positionen des Bayerischen Bauernverbandes, empfohlen durch die Arbeitsgemeinschaft der Jagdgenossenschaften und Eigenjagdbesitzer)