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Direktvermarktung: Eine Bäuerin verkauft Eier in ihrem Verkaufswagen.
Betrieben mit mehreren Standbeinen und Nebenerwerbslandwirten droht hoher bürokratischer Aufwand und der Ausschluss bei den Zahlungen der EU-Agrarpolitik (GAP).

Verpflichtende Anwendung des „Echten Landwirts“ bei EU-Agrarpolitik ab 2023 droht

Echter Landwirt: Die Kuh in Brüssel ist noch nicht vom Eis!

19.05.2021 |

Vor allem die Europaabgeordneten beharren darauf, dass jeder Mitgliedsstaat nur noch EU-Agrarzahlungen an Landwirtschaftsbetriebe gibt, deren betriebliches Einkommen hauptsächlich aus klassischer landwirtschaftlicher Tätigkeit – sprich Ackerbau und Tierhaltung – kommt. Für Landwirtschaftsbetriebe in Deutschland, die ihre Betriebe über die Diversifizierung breiter aufgestellt haben, könnte diese Brüsseler Diskussion Probleme machen. Denn Einkünfte aus Bioenergieerzeugung, Direktvermarktung, Photovoltaik, Landurlaubsangeboten, Pensionspferdehaltung usw. zählen zu den gewerblichen Einkünften eines Landwirtschaftsbetriebs. Genauso kritisch ist diese engstirnige Diskussion in Brüssel für die rund 60 Prozent Nebenerwerbslandwirte unter den bayerischen Landwirtschaftsbetrieben zu sehen.

Neben der Gefahr des Förderausschlusses vor allem für Nebenerwerbsbetriebe oder Betriebe mit einem zusätzlichen Einkommensstandbein würden mit der Einführung des „Echten Landwirts“ für alle Betriebe als Antragsteller künftig zusätzliche Bürokratie- und Nachweispflichten im Raum stehen.

Vor dem Hintergrund verlangt Präsident Heidl seit Monaten, dass der „Echte Landwirt“ eine freiwillige Möglichkeit für die Mitgliedsstaaten bleibt, aber keine Pflicht wird. Ergänzend dazu haben sich die beiden Vorsitzenden des Landesfachausschusses Nebenerwerbslandwirtschaft und Diversifizierung im Bayerischen Bauernverband, Alfred Enderle und Michael Bienlein, nochmals in einem Brandbrief an die bayerischen Europaabgeordneten gewandt und auf die Gefahr hingewiesen, dass hier Betriebe komplett aus der Förderung herausfallen könnten.

Das Thema „Echter Landwirt“ birgt große Gefahren für viele Betriebe (auch Haupterwerbsbetriebe) und im Extremfall den Ausschluss von der Förderung über die Gemeinsame Agrarpolitik. Die Forderung nach einer freiwilligen Anwendung wird deshalb weiter intensiv verfolgt.

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