Fünf Jahre Bayerischer Streuobstpakt
Einzigartiges Bündnis feiert Erfolge beim Schutz und Erhalt von Streuobstwiesen – Zukunft bringt Herausforderungen
Streuobstwiesen produzieren lokal gesundes Obst, prägen unsere Landschaft und bieten Lebensraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten. Streuobstanbau gilt seit 2021 als immaterielles Kulturerbe. Dennoch gingen seit 1965 rund 70 Prozent der bayerischen Streuobstbestände verloren. Um diesen Trend zu stoppen und den besonderen Lebens-, Wirtschafts- und Erholungsraum auch für zukünftige Generationen zu erhalten, hat sich am 18. Oktober 2021 ein breites Bündnis aus Behörden, Verbänden und Initiativen aus Naturschutz und Landwirtschaft zusammengeschlossen und den Bayerischen
Streuobstpakt unterzeichnet.
Heute haben die Unterzeichnenden die gemeinsamen Erfolge der vergangenen fünf Jahre auf den Streuobstwiesen des GenussErlebnis Kappelbuck e.V. (Lkr. Ansbach) gefeiert. Gleichzeitig stellen die Partner des Bündnisses klar, dass noch große Herausforderungen beim Schutz von Streuobstwiesen und beim Streuobstanbau bestehen. Die Wertschätzung und Vermarktung von Streuobstprodukten, eine ausreichende finanzielle Förderung und nicht zuletzt die gute Zusammenarbeit aller Beteiligten bleiben auch in Zukunft unverzichtbar für den Erhalt dieses einzigartigen bayerischen Kulturguts.
Mit dem Ziel, das Kulturgut Streuobstwiese in seinem jetzigen Bestand nicht nur zu erhalten, sondern zudem eine Million neue Streuobstbäume zu pflanzen, wurde der Bayerische Streuobstpakt 2021 gegründet. Er folgte aus dem Erfolg des Volksbegehrens Artenvielfalt – „Rettet die Bienen!“ im Jahr 2019. Seit Beginn der Initiative wurden Fördermittel für die Pflanzung von über 250.000 Bäumen sowie die Pflege von 150.000 Bäumen bewilligt. „Die große Resonanz und die Zahl der inzwischen angestoßenen Pflanzungen sind eine erfreuliche Entwicklung“, findet Peter Köninger, Bezirkspräsident
des Bayerischen Bauernverbandes in Mittelfranken. „Dass nach fünf Jahren bereits rund ein Viertel des Ziels von einer Million zusätzlichen Streuobstbäumen auf den Weg gebracht wurde, zeigt, was verschiedene Akteure gemeinsam erreichen können. Gleichzeitig hat sich bestätigt, dass es mit dem Pflanzen allein nicht getan ist. Die eigentliche Herausforderung liegt in der langfristigen Pflege und Nutzung der Bestände. Dabei dürfen wir die bereits bestehenden, oft über Jahrzehnte gewachsenen Streuobstbestände nicht aus dem Blick verlieren. Denn entscheidend ist nicht allein die
Zahl der gepflanzten Bäume, sondern dass bestehende und neue Bestände dauerhaft gepflegt und genutzt werden. Deshalb müssen Pflege, Verwertung und regionale Vermarktung genauso im Blick bleiben wie die Neupflanzungen.“
Bayerns Streuobstbäume tragen jetzt im Herbst wieder reich an Äpfeln, Birnen und weiteren Früchten. Deren Verarbeitung zu Kuchen, Saft und weiteren köstlichen Produkten hat eine lange Tradition. „Die Nutzung von Streuobst hat vielfältige positive Effekte auf Artenvielfalt und Landschaft, zusätzlich stärkt sie regionale Kreisläufe und die Produktion nachhaltiger, gesunder Lebensmittel. Dennoch finden Verbraucherinnen und Verbraucher in heimischen Supermärkten zunehmend Obst aus dem Ausland“, so Dr. Norbert Schäffer, Vorsitzender des LBV (Landesbund für Vogel- und Naturschutz). „Es muss für alle Menschen in Bayern wieder selbstverständlich werden, zu Obst von heimischen Wiesen, statt zu importierter Ware zu greifen. Mit dem Konsum von Streuobstprodukten fördern wir direkt einen höheren Selbstversorgungsgrad und sind unabhängiger von Lieferketten. Ganz nebenbei stärken wir eine vielfältige Natur und
Kulturlandschaft.“
Die Streuobstwiesen des GenussErlebnis Kappelbuck e.V. sind als Ort der Jubiläumsveranstaltung ein besonders gelungenes Beispiel für den vielschichtigen Wert von Streuobst. Neben dem ökologischen und kulturellen Mehrwert, den das Gelände unter dem Engagement des örtlichen Vereins entfaltet, stehen auch die lokal produzierten Speisen und Getränke und nicht zuletzt das gesellschaftliche Miteinander im Vordergrund. „Mit den vielen Aktivitäten zum Thema Streuobst am Kappelbuck, aber auch in der Mosterei Beyerberg, haben die Gemeinde und der Verein GenussErlebnis
Kappelbuck e.V. in den vergangenen Jahren vorbildhaft zur Umsetzung des Bayerischen Streuobstpaktes beigetragen“, meint Klaus Kober, 2. Bürgermeister der Gemeinde Ehingen. „Es ist für die Gemeinde und alle Verantwortlichen am Kappelbuck eine große Ehre, heute mit den Vertretern aus unterschiedlichen Gesellschaftsbereichen die Erfolge des Streuobstpaktes zu feiern und gemeinsam an den Herausforderungen der Zukunft zu arbeiten.“