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Klimaschutz

Welchen Beitrag leistet die Land- und Forstwirtschaft zum Klimaschutz?

Erfolgreiche BBV-Klimatagung mit Fokus Boden, Wald und Biokraftstoffe

03.11.2021 |

Politik, Forschung und Praxis müssen gemeinsam daran arbeiten, dass die Branche ihre Klimaschutz-Werkzeuge nutzen kann. Robert Kero vom Deutschen Bauernverband informierte über die rechtlichen Rahmenbedingungen. Die Gesetzgebung auf Bundes- und EU-Ebene macht ambitionierte Vorgaben zur Verminderung und Vermeidung von Treibhausgasemissionen sowie der Kohlenstoffspeicherung durch Land- und Forstwirtschaft.

Prof. Dr. Matthias Drösler von der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf machte deutlich, dass bei landwirtschaftlich genutzten Moorflächen ein Weg gefunden werden muss, der einerseits die dauerhafte Bewirtschaftung für die Landwirte ermöglicht und gleichzeitig dem Klimaschutz gerecht wird. Holz, Biomasse aus Paludikulturen oder andere nachwachsende Rohstoffe haben erstens eine positive Klimawirkung durch die Substitution von deutlich energieintensiveren Materialien (Stahl, Zement, fossile Energieträger) und sind zweitens treibhausgasneutral. Zudem verursachen sie keine zusätzlichen CO2-Emissionen, die den Klimawandel beschleunigen. Das Credo „Schützen durch Nützen“ sollte essentieller Teil der Klimaschutzpolitik in Land- und Forstwirtschaft sein.

Dass der Klimawandel selbst zu einer großen Gefahr für die Treibhausgassenken in Land- und Forstwirtschaft wird, machte Christoph Schulz von der Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF) deutlich. Dies zeigt sich unter anderem auch bei den klimabedingten Schäden im Forst. Wissenschaftliche Projektionen zeigen, dass die Vorgaben zu den Treibhausgassenken schwer bis nicht zu erreichen sind. Das soll nicht heißen, dass es die Anstrengungen nicht wert wären, aber die Herausforderung für Land- und Forstwirtschaft ist nicht als gering einzuschätzen, wenn es um die Kompensation von Emissionen außerhalb der Bereiche Landwirtschaft, Landnutzung und Forst geht. Es gilt sog. „Leakage Effekte“ zu vermeiden und in die Entscheidung für bestimmte Klimaschutzmaßnahmen einzubeziehen. Dadurch wird sichergestellt, dass nationale oder regionale Klimaschutzanstrengungen nicht zu verstärkten Emissionen an anderer Stelle führen. Das brächte keinerlei positiven Effekt fürs Weltklima.

Martin Wiesmeier von der Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) machte deutlich, dass Humusaufbau und Humuserhalt einerseits im Sinne der Bodenfruchtbarkeit und zusätzlich im Sinne des Klimaschutzes sein muss. In diesem Zusammenhang wird derzeit sehr viel über Humuszertifikate diskutiert – betrachtet man aber neben der Bodenfruchtbarkeit der Einzelfläche auch den Klimaschutz im Gesamten, relativieren sich diese Zertifikate häufig wieder.  

Dr. Edgar Remmele vom Technologie und Förderzentrum Straubing (TFZ) betonte, dass wir mit den Biokraftstoffen eine Möglichkeit haben grundsätzlich sofort einen Großteil der Emissionen aus der Verbrennung von fossilen Energieträgern in der Landwirtschaft zu kompensieren. Für verschiedene Anwendungen stehen grundsätzlich verschiedene Kraftstoffe bzw. Energieträger zur Verfügung, vielfach besteht jedoch keine technische Freigabe der Hersteller ab Werk. Der Einsatz von Biokraftstoffen ist zudem begleitet von vielen anderen positiven Aspekten, wie beispielsweise der heimischen Versorgung mit Eiweißfuttermitteln.

Das sagt der BBV:
Fazit der Veranstaltung ist, dass wir in der Land- und Forstwirtschaft Klimaschutz-Werkzeuge (z.B. Speicherung von Kohlenstoff) und damit einen Hebel, um dem Klimawandel entgegenzuwirken, haben. Die Land- und Forstwirtschaft kann Teil der Lösung im Klimaschutz sein – auch wenn dies kein Selbstläufer sein wird. Nun ist es an Politik, Forschung und Praxis, gemeinsam daran zu arbeiten, dass wir diesen Hebel auch nutzen können.

Nächste Veranstaltung:
Am 22. Februar 2022 werden wir in einer weiteren BBV-Klimatagung den Bereich der Tierhaltung beleuchten. Bitte merken Sie sich diesen Termin bereits heute vor.

 

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