Landwirtschaft & Umwelt

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Wassertropfen

Position zur Wasserbereitstellung für die bayerische Land- und Forstwirtschaft

BBV-Präsidium: Ohne Wasser keine regionalen Lebensmittel

28.04.2021 |

Gleichzeitig werden Pflege und Erhalt der Kulturlandschaft sowie Wertschöpfungsketten vor Ort und damit auch Arbeitsplätze gesichert.
Wasser zum Trinken ist das Lebensmittel Nummer eins. Wasser zur Erzeugung von Produkten für den menschlichen Verzehr ist das Mittel zum Leben Nummer zwei. Eine große Herausforderung für die Versorgung mit regionalen Produkten stellt der Klimawandel dar, der vor allem durch einen Anstieg der Temperaturen bei gleichzeitig verstärkter Frühjahrs- und Sommertrockenheit geprägt ist. Die Nutzpflanzen und insbesondere Sonderkulturen benötigen nach der Aussaat für das frühe Wachstum eine sehr gleichmäßige Bodenfeuchtigkeit. Wenn in dieser Zeit der natürliche Niederschlag ausbleibt, muss bewässert werden. In Bayern werden von drei Millionen Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche nur rund 20.000 Hektar regelmäßig bewässert. Dies entspricht 0,66 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche.

Bewässerung dient der Ertrags- und Qualitätsabsicherung der Lebensmittel und stellt damit ein wichtiges und effektives Instrument zum Risikomanagement für die Betriebe und die gesamte Wertschöpfungskette dar. Damit wird die heimische Erzeugung gestärkt, aber auch die heimische Verarbeitung, die auf ausreichend Rohstoffe auch in Trockenjahren angewiesen ist. Eine Priorisierung einzelner Kulturen ist dabei nicht zielführend. Und Erzeugung wie Verarbeitung in Bayern stehen in Konkurrenz zu Ländern, in denen die Rohstoffbereitstellung durch Bewässerung gesichert wird. Und auch Lebensmittelabfälle können verringert werden, wenn durch Bewässerung hohe Qualitäten gesichert werden. Außerdem kann beispielsweise im Obstbau bei drohenden Spätfrösten Wasser als Schutzfilm über empfindliche Triebe und Blütenknospen gelegt und damit der Verlust ganzer Ernten in nur einer Nacht vermieden werden.

Von besonderer umweltrelevanter Bedeutung ist, dass ein nachhaltiges Nährstoffmanagement nur mit ausreichend Wasserversorgung möglich ist. Dies gilt für alle Kulturen und insbesondere für solche Kulturen mit hohem Nährstoffbedarf, wie den Sonderkulturen. Bei Wassermangel drohen deshalb nicht nur teils dramatische Ertrags- und Qualitätseinbußen, sondern auch Nährstoffeinträge in das Grundwasser. Bemühungen zur Senkung der Grundwasserbelastung werden dadurch konterkariert. Auch Maßnahmen wie zum Beispiel Zwischenbegrünungen zur Reduktion von Erosionsgefahren sind bei Wassermangel nicht möglich.

Das in Bayern zur Verfügung stehende, potenziell nutzbare  Wasser beträgt 43,4 Mrd. Kubikmeter. Dieses Wasserdargebot wird errechnet aus der Differenz von Niederschlagsmenge auf die Fläche Bayerns einerseits und der Summe aus Verdunstung von Wasser über Tiere und Pflanzen sowie über die Bodenoberfläche. Die gesamte Wasserentnahmemenge pro Jahr in Bayern über Oberflächenwasser, Grundwasser, Quellwasser, Uferfiltrat und angereichertem Grundwasser beträgt ca. 4,2 Mrd. Kubikmeter. Dies entspricht 9,7 Prozent des oben genannten Wasserdargebotes. Die Europäische Umweltagentur EEA stuft einen Wassernutzungsgrad von über 20 Prozent als Wasserstress und von über 40 Prozent als nicht nachhaltig ein. Bayern liegt damit weit unter diesen Werten.

Von den ca. 4,2 Mrd. Kubikmetern Wassernutzung in Bayern wurden in den vergangenen Jahren für Land-, Forstwirtschaft und Fischerei in Bayern lediglich ein Prozent Wasser benötigt. Hingegen wurden 50 Prozent für die Erzeugung von Energie verbraucht,  vor allem für Atomkraft und Kohle durch Kühltürme. 18 Prozent wurden durch Bergbau und verarbeitendes Gewerbe, 14 Prozent durch die Abwasserbeseitigung und 11 Prozent durch private Haushalte verbraucht. Durch den Ausstieg aus Kohle- und Atomenergie wird der Wasserbedarf zur Energieerzeugung auf 33 Prozent in 2030 bzw. 10 Prozent  in 2050 sinken. Damit gibt es erhebliche Wasserressourcen, die künftig für die Erzeugung regionaler Produkte verwendet werden können, ohne die Wasserentnahme insgesamt zu steigern.

Zur Sicherung der bayerischen Land- und Forstwirtschaft mit ihrer regionalen Erzeugnissen ist aus Sicht des Präsidiums des Bayerischen Bauernverbandes Folgendes unbedingt erforderlich:

 

  • Lebensmittelerzeugung die gleiche Priorität wie Trinkwasserversorgung geben
    Ohne Wasser können keine Lebensmittel erzeugt werden. Die Bereitstellung von Wasser für die Erzeugung von pflanzlichen und tierischen Lebensmitteln ist genauso wichtig wie die Versorgung der Bevölkerung mit Trinkwasser. Ohne ausreichende Wasserversorgung drohen Ernteeinbußen bis hin zu Totalverlusten sowie massive Qualitätseinbußen. Abhängigkeit von Lebensmittelimporten wäre die unvermeidliche Folge.
     
  • Wasser langfristig und verlässlich zur Verfügung stellen
    Die Land- und Forstwirtschaft braucht ordnungsrechtliche Rahmenbedingungen, die eine langfristig verlässliche Nutzung und Verteilung von Wasser sicherstellen. Es ist daher dringend notwendig, das Bayerische Gesetz zur Ausführung des Wasserverbandsgesetzes den aktuellen Herausforderungen zum Thema Wasserbereitstellung für die Land- und Forstwirtschaft anzupassen. Insbesondere müssen Wasser- und Bodenverbände für die Aufgabe einer ordnungsgemäßen Nutzung und Verteilung von Wasser aus Brauchwasserbrunnen, Oberflächengewässern und Uferfiltraten verstärkt gegründet werden können und zuständig sein. Außerdem sind für einzelbetriebliche Bewässerungsbrunnen einfache Genehmigungsverfahren erforderlich, die unter Berücksichtigung der Grundwasserneubildungsrate in einem Grundwasserkörper, eine ordnungsgemäße und flexible Bewässerung landwirtschaftlicher  und gartenbaulicher Kulturen ermöglichen. Ergänzend zu den ordnungsrechtlichen Rahmenbedingungen müssen in der Landwirtschaftsverwaltung an den Regierungen Fachstellen für Bewässerung eingerichtet werden, die die Land- und Forstwirtschaft in Fragen der  Wasserbereitstellung unterstützen.
     
  • Wasser bayernweit sammeln und verteilen
    Durch die Schaffung und Förderung  entsprechender Speicher – und Verteilstrukturen muss ein Ausgleich  sowohl zwischen dem jahreszeitlichen als auch dem regional unterschiedlichen Wasserdargebot ermöglicht werden. Insbesondere sind dabei die im Rahmen der Energiewende frei werdenden Wasserressourcen zu berücksichtigen, die dort hingebracht werden müssen, wo heute schon Wasser knapp ist oder erkennbar ist, dass Wasser knapp werden wird. Der Bau von großen und kleinen Speichern und Verbundsystemen, die für die Trinkwasserversorgung schon seit Jahrzehnten Praxis sind, muss auch auf Wasser ausgedehnt werden, mit dem land- und forstwirtschaftliche Produkte erzeugt werden.
     
  • Forschung und Förderung für ressourcenschonenden Umgang mit Wasser ausbauen
    Praxisnahe Forschung (zum Beispiel an der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau) und Förderung zum ressourcenschonenden Umgang mit Wasser müssen ausgebaut werden, um das kostbare Gut Wasser in allen Anwendungsbereichen effizienter zu nutzen. Auch im Bereich der Erzeugung land- und forstwirtschaftlicher Produkte müssen ständig Konzepte zur Wasserentnahme, Wasserspeicherung und Wasserverteilung weiterentwickelt und somit verbessert werden. Wichtig ist, hier frühzeitig und intensiv Praktiker mit einzubeziehen.
     
  • Anpassungen in der Land- und Forstwirtschaft an den Klimawandel unterstützen
    In der Land- und Forstwirtschaft werden technische Geräte, Anbaumethoden und Kulturtechniken dem voranschreitenden Klimawandel anzupassen sein. Hierfür müssen Forschung und Ausbildung schnell unterstützt werden, um so frühzeitig den Praktikern Hilfestellung geben zu können. Außerdem ist es erforderlich, die Pflanzenzucht hin zu Wasserstress verträglicheren Nutzpflanzen verstärkt zu fördern.

 

Hier steht Ihnen die Position zum Download zur Verfügung (pdf).

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