Landwirtschaft & Umwelt

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Ein Feld mit einem begradigten Bach rechts daneben

Nitratbelastung im Grundwasser nicht gestiegen

Falscher Pressebericht der „Rheinischen Post“ auch in Passauer Neuen Presse

14.08.2019 |

Der Bericht bedient sich zweier Bundestagsanfragen der Grünen aus den Jahren 2015 (Messdaten aus 2013) und 2019 (Messdaten aus 2017), in denen jeweils nach den Orten mit den höchsten Nitratwerten im Grundwasser gefragt wurde. Bei der Auswertung der Daten wurden Äpfel mit Birnen verglichen:

  • Das zugrundeliegende Messnetz für die Europäische Umweltagentur (EUA-Messnetz) wurde 2015/16 grundlegend überarbeitet und von 739 auf rund 1214 Messstellen erweitert. In diese Erweiterung flossen auch die 160 Messstellen des alten Nitrat-Belastungsmessnetzes ein, die zu rund 50 Prozent den Nitratschwellenwert überschreiten und zum Teil extreme Werte von 200 und sogar 300 mg/l aufweisen.
     
  • Wegen der unterschiedlichen Messnetze tauchen nur drei der am höchsten belasteten Messstellen von 2013 in der Liste von 2017 auf. Im direkten Vergleich der 15 am höchsten belasteten Messstellen von 2013 mit den Werten von 2017 ergibt sich sogar im Schnitt ein Rückgang der Nitratbelastung.
     
  • Außerdem handelt es sich bei den Werten von 2013 um Jahresdurchschnittswerte, bei denen von 2017 um die höchsten Tageswerte. Man erkennt dies daran, dass einige Orte mehrfach in der Liste auftauchen.
     
  • Statistisch fragwürdig ist es auch, nur die 15 am höchsten belasteten Messstellen zu betrachten und daraus einen Durchschnitt zu bilden. Um eine seriöse Aussage treffen zu können, muss man wie im deutschen Nitratbericht drei Gruppen bilden – eine mit steigenden, eine mit konstanten und eine mit sinkenden Messwerten.

 

In Bayern sind diese extrem hohen Werte zum Glück nicht zu finden: die höchsten Messwerte bewegen sich zwischen 100 und 150 mg/l und sind die absolute Ausnahme. Wie auch in Deutschland insgesamt lässt sich bislang kein eindeutiger Trend feststellen. Sinkende und steigende Nitratwerte halten sich in etwa die Waage während der größte Teil der Messungen auf gleichem Niveau bleibt. Wegen der vielerorts langen Verweil- und langsamen Fließzeiten des Grundwassers wird es noch entsprechend lange dauern, bis Änderungen der Bewirtschaftungspraxis an den Messpunkten ankommen, je nach Untergrundbeschaffenheit und Tiefenlage der Messstelle. Bei nach wie vor steigenden Werten kann deshalb eine Altersbestimmung des Grundwassers helfen, die leider nur selten durchgeführt wird.

Die Falschaussage der „Rheinischen Post“, wonach die Nitratbelastung im Grundwasser wegen zunehmender Gülleausbringung in vielen Regionen Deutschlands weiter zunimmt, beruht auf unzulässigen Vergleichen und einer  Fehlinterpretation von Daten der Bundesregierung durch die Verfasser des Artikels beziehungsweise deren Informanten. In Wirklichkeit halten sich steigende und sinkende Werte die Waage, der Großteil ist gleichbleibend. Das heißt aber auch: In Problemregionen brauchen wir wirksame und praxistaugliche Maßnahmen sowie geeignete Methoden, um die Maßnahmenwirkung zeitnah belegen zu können.

 


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