Hauswirtschaft als Schlüssel für Prävention und Pflege
Forderungen des Landesvorstands der Landfrauen zum „Bayerischen Masterplan Prävention“
Ausgangspunkt des Positionspapiers ist der „Bayerische Masterplan Prävention“, der das Ziel verfolgt, Gesundheit und Selbstständigkeit über alle Lebensphasen hinweg zu stärken. Zwar wird der häusliche Alltag darin als zentrale „Lebenswelt“ benannt, eine klare Einbindung der Hauswirtschaft als professionelles Handlungsfeld fehlt jedoch bislang.
„Gesundheit entsteht im Alltag – und dieser wird maßgeblich durch hauswirtschaftliche Leistungen gestaltet“, betont Landesbäuerin Christine Singer. Ernährung, Hygiene, Wohnumfeld und Alltagsstruktur hätten einen entscheidenden Einfluss auf Gesundheit und Lebensqualität und lägen im Kernbereich hauswirtschaftlicher Kompetenz.
Hauswirtschaft umfasst dabei weit mehr als klassische Versorgungstätigkeiten. Sie trägt wesentlich dazu bei, einen gesundheitsfördernden Alltag zu sichern – etwa durch ausgewogene Ernährung, Infektionsprävention im Haushalt, die Gestaltung eines sicheren Wohnumfeldes sowie die Strukturierung des täglichen Lebens zur Erhaltung von Selbstständigkeit.
Auch für die Prävention leistet Hauswirtschaft einen zentralen Beitrag: Sie hilft, Mangel- und Fehlernährung zu vermeiden, hygienebedingte Erkrankungen zu reduzieren, Sturzrisiken zu senken und soziale Teilhabe zu fördern. Damit unterstützt sie zentrale Ziele moderner Gesundheitsstrategien.
Im Bereich der Pflege ist Hauswirtschaft ein tragender Pfeiler der ambulanten Versorgung. Gerade im ländlichen Raum und auf landwirtschaftlichen Betrieben wird Pflege überwiegend innerhalb der Familie organisiert. Die Technische Universität München zeigt in ihrer Bäuerinnenstudie 2019, dass in rund 40 Prozent der Haushalte pflegebedürftige Personen leben und die Versorgung meist von Frauen übernommen wird, häufig ohne externe Unterstützung. Frühzeitige alltagsunterstützende Angebote können hier entlasten, Pflegebedürftigkeit verzögern und die häusliche Versorgung stabilisieren.
Vor diesem Hintergrund formulieren die Landfrauen klare Forderungen an Politik und Gesellschaft:
- Hauswirtschaft muss als Bestandteil von Prävention und Pflege im Masterplan Prävention Bayern explizit verankert werden.
- Hauswirtschaftliche Leistungen sind systematisch in präventive Programme und Netzwerke einschließlich einer gesicherten Finanzierung zu integrieren.
- Professionelle hauswirtschaftliche Angebote müssen als niedrigschwellige Präventionsleistungen gefördert werden, z.B. durch ein geplantes Familienbudget für Alltagshelfer.
- Ein abgestimmtes Zusammenspiel von Bildungs- und Gesellschaftspolitik macht Hauswirtschaft als attraktives Berufsfeld mit echten Entwicklungsperspektiven sichtbar.
Mit der Verabschiedung des Positionspapiers setzen die Landfrauen im Bayerischen Bauernverband ein klares Signal: Hauswirtschaft ist ein unverzichtbarer Bestandteil einer zukunftsfähigen Gesundheits- und Pflegepolitik und muss entsprechend berücksichtigt und gestärkt werden.
Das Positionspapier ist abrufbar unter www.bayerischerbauernverband.de/positionen