Wald & Jagd

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Wildverbiss

Erfolgreiche Forstwirtschaft durch waldorientierte Jagd

Mischwäldern mit standortgemäßen Baumarten

  • Stürme nehmen zu
  • Risikominimierung verlangt ein angepasstes Arbeiten
  • Für Waldbesitzer gibt es keine Alternative.
  • Für das Gelingen der Waldverjüngung spielt die Jagd eine entscheidende Rolle.
  • Verjüngung kann nur bei tragbaren Wildbeständen gelingen.
     

Standortsgerechte Wälder mit Vorteilen

Möglichst naturnah aufgebaute Wälder sind stabiler gegenüber Kalamitäten und mindern somit das Betriebsrisiko für unsere Waldbesitzer. Eine wohlüberlegte Mischung standortsgerechter Baumarten sichert zudem den notwendigen Ertrag, der die Grundlage nachhaltiger Forstwirtschaft ist. Und noch eins: naturnahe Wälder bieten einen hervorragenden Lebensraum für unser Wild, allen voran das Rehwild. Eine waldorientierte Jagd ist jedoch Voraussetzung für eine erfolgreiche Verjüngung zukunftsfähiger Wälder.

Der Wald hat heute vielfältige Funktionen zu erfüllen. Bürger und Gesellschaft erwarten, dass der Wald auch in Zukunft frisches Trinkwasser liefert, vor Lawinen und Hochwasser schützt oder einfach nur Erholungsraum bietet.

Die Abschussplanung für das Schalenwild hat neben diesen übergeordneten Zielen insbesondere die Belange der Waldbesitzer zu berücksichtigen. Der Schutz des Eigentums, wie er in den Jagd- und Waldgesetzen verankert ist, bildet dabei die Messlatte.

 

Zu viel Verbiss?

Was passiert, wenn zu viele Rehe, Rotwild, Gams und Co. („Schalenwild“) die jungen Bäumchen verbeißen? Wildverbiss kann zu bedeutenden Schäden an der Waldverjüngung führen. Dazu zählen das Absterben der Verjüngungspflanzen durch Totverbiss, Wachstumseinbußen sowie Qualitätseinbußen durch Krummwuchs oder Zwieselbildung. Durch selektiven Verbiss von Baumarten, die für den Aufbau naturnaher und klimastabiler Wälder notwendig sind, wie zum Beispiel Tanne, Rotbuche oder Eiche, kommt es immer wieder vor, dass sich Jungbestände entmischen. Das heißt die waldbaulich notwendigen Mischbaumarten fallen aus, die Wälder sind anfälliger gegenüber Kalamitäten wie z.B. Stürme oder Borkenkäfer.

 

Naturverjüngung mit vielen Vorteilen

Tragbare Wildbestände haben noch einen entscheidenden Vorteil für die Waldbesitzer: Sie können auf die natürliche Verjüngung der Wälder setzen.

Die Naturverjüngung oder auch die künstliche Saat, insbesondere als Vorausverjüngung unter Altholzschirm, haben viele Vorteile. Die Pflanzen sind meist sehr vital und bestens an den Standort angepasst. Wissenschaftlich nachgewiesene Risikofaktoren wie irreversible Wurzelmissbildungen sowie Wachstumsverzögerungen durch den Pflanzschock, hohe Ausfallraten durch ungünstige Witterung während oder nach dem Pflanzen, spielen beim Arbeiten mit der Natur kaum eine Rolle.

Zudem sind Pflanzen aus Naturverjüngung weniger verbissgefährdet als gedüngte, für das Wild besonders schmackhafte Baumschulpflanzen. Naturverjüngungen besitzen meist hohe Ausgangspflanzenzahlen, so dass sich der Waldbesitzer die Besten auswählen kann. Zudem wird eine gesicherte Naturverjüngung vom Staat finanziell gefördert. Welcher Waldbesitzer kann und will auf die genannten Vorteile verzichten? Naturverjüngung eröffnet dem Waldbesitzer waldbauliche Spielräume und hilft erheblich Kosten zu sparen. Eine Pflanzung erfordert hingegen erhebliche Investitionen von 2500 bis 7500 €/ha zuzüglich etwaiger Zäunungskosten in etwa gleicher Höhe. Diese Kosten werden durch den Jagdpachterlös bei weitem nicht aufgewogen. Weiserzäune sind gut geeignet, die natürliche Verjüngungskraft der Wälder und einen eventuellen jagdlichen Handlungsbedarf aufzuzeigen.

Und noch etwas: Gerade ein naturnah gemischter Wald ist ein wertvoller Lebensraum für unsere heimischen Wildtiere und durch seinen Strukturreichtum und seine Artenvielfalt ein Gewinn für Jagd und Natur.

Abschussplanung

Aufgrund des hohen Stellenwertes, den Waldbesitzer, Politik und Bürger einem intakten und gesunden Wald beimessen, sieht der Gesetzgeber zur Herstellung tragbarer Wildbestände eine Abschussplanung für das Schalenwild vor.

Die Regelungen des Bayerischen Jagdgesetzes und des Waldgesetzes für Bayern zur behördlichen Abschussplanung und zur Erstellung der Forstlichen Gutachten zur Situation der Waldverjüngung („Vegetationsgutachten“) bilden dabei die Grundlage.

Maßstab für die Einwertung sind also das sog. „Waldverjüngungsziel“ des Bayerischen Jagdgesetzes (BayJG) und die Vorgaben des Waldgesetzes für Bayern (BayWaldG):

  • „Die Bejagung soll die natürliche Verjüngung der standortgemäßen Baumarten im Wesentlichen ohne Schutzmaßnahmen ermöglichen“ (Art. 1 Abs. 2 Nr. 3 BayJG).
  • „Dieses Gesetz soll insbesondere dazu dienen, einen standortgemäßen und möglichst naturnahen Zustand des Waldes unter Berücksichtigung des Grundsatzes ,,Wald vor Wild“ zu bewahren oder herzustellen“ (Art. 1 Abs. 2 Nr. 2 BayWaldG).

Der ehemalige bayerische Forstminister Helmut Brunner brachte die Verantwortung der Jäger für den Wald und die Waldbesitzer auf den Punkt: „Wald vor Wild“ heißt nicht „Wald ohne Wild“ sondern ein „standortegerechter, gemischter Wald ohne Zäune“.

 

Bewährtes Verfahren

Die Ämter für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (ÄELF) erstellen 2018 wieder die „Forstlichen Gutachten zur Situation der Waldverjüngung“. Diese Gutachten dienen dann zusammen mit den sogenannten Revierweisen Aussagen der ÄELF als wesentliche Grundlage für die Abschussplanung beim Schalenwild. Als unverzichtbares Instrument helfen sie den Waldbesitzern, Jagdvorständen und Jägern zusammen mit den eigenen Wahrnehmungen und Erfahrungen bei der Einschätzung, ob eine Verjüngung der Wälder ohne aufwändige und teure Schutzmaßnahmen möglich ist.

Informationen zum Verfahren sowie zu den Ergebnissen der Vegetationsgutachten finden Sie unter www.wildtierportal.bayern.de in der Rubrik Wild und Jagd.

Gemeinsame freiwillige Revierbegänge, Revierweise Aussagen, die Anlage von Weiserflächen und die Möglichkeit an der Verbissinventur im Wald teilzunehmen und seine Meinung in die Erstellung der Gutachten einbringen zu können, kommen als hilfreiche Maßnahmen für die Abschussplanung bei den Beteiligten, insbesondere den Jagdvorständen, Waldbesitzern, Jagdbehörden und den meisten Jägern, gut an.

 

Revierbegänge fördern gegenseitiges Verständnis

Regelmäßige, gemeinsame Revierbegänge von Jagdvorständen, Waldbesitzern und Jägern sollten heutzutage selbstverständlich sein. Der BBV empfiehlt den Beteiligten, mindestens einmal jährlich ein eigenverantwortliches Controlling in Form regelmäßiger Begutachtung der Verjüngung im Wald vor Ort durchzuführen. So können sie feststellen, ob mit den getätigten Abschüssen das waldbauliche Ziel zu erreichen oder ob durch Schwerpunktbejagung oder das Ausschöpfen des oberen Rahmens des Abschussplanes ein Nachjustieren erforderlich ist. Je frühzeitiger dieses Nachjustieren erfolgt, desto geringer die Gefahr, dass sich ggf. vorhandene Defizite von Jahr zu Jahr addieren und desto höher die Chance, dass die Waldverjüngung rasch dem Äser der Rehe entwächst.

 

Sich mit Weiserflächen ein Bild machen

Weiserflächen können als Anschauungsobjekt und Informationsquelle einen wichtigen Beitrag leisten, um den Gedankenaustausch zwischen Jagdgenossenschaft, Waldbesitzern und Jagdpächtern im Rahmen von gemeinsamen Revierbegängen in der Wald-Wild-Frage zu versachlichen und zu verbessern. Weiserzäune haben sich für die Diskussion über waldbaulich tragbare Wildbestände und die daraus resultierenden Konsequenzen für die Abschusshöhe vielfach bewährt. Deshalb erachtet der BBV die Anlage von Weiserflächen für sinnvoll und empfiehlt den Waldbesitzern: Nutzen Sie dieses Angebot!

Weiserflächen sind ein einfaches Hilfsmittel, um aufzuzeigen, wie groß das Verjüngungspotenzial von Waldbeständen ist, wie sich die Verjüngung vor Ort entwickelt und wie sie durch Schalenwildverbiss, andere Pflanzenfresser, die Wuchspotenziale des Standortes oder durch die unterschiedliche Konkurrenzkraft der Pflanzen beeinflusst wird. Sie bestehen aus einer gezäunten Fläche – dem Weiserzaun – und einer benachbarten, ungeschützten Vergleichsfläche.

 

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