Holetschek MdL
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Auf dem Bild sieht man von links nach rechts: Kreisvorstandsmitglied Tobias Königsberger, stellvertretender Kreisobmann Joachim Nuscheler, Kreisbäuerin Margot Walser, MdL Klaus Holetschek, Kreisobmann Martin Schorer, Kreisvorstandsmitglied Josef Schmid, stellvertretende Kreisbäuerin Marlene Egger.

Politisches Gespräch mit MdL Holetschek

Bauernverband fordert Verbesserungen

09.08.2018 | BBV Unterallgäu hält politisches Gespräch mit MdL Klaus Holetschek und spricht wichtige Themen wie Düngeverordnung, Flächenverbrauch, Biber, Wolf und Ausgleichszulage an.

Im Hinblick auf die Landtagswahlen lud der BBV Unterallgäu die Unterallgäuer Landtagsabgeordneten zu einem Gespräch ein. Staatsminister Franz Pschierer mußte leider kurzfristig absagen, so dass das Gespräch mit Herrn Klaus Holetschek stattfand. Kreisobmann Martin Schorer begann mit der Düngeverordnung und verdeutlichte, dass hier unbedingt noch Verbesserungen notwendig seien. Die Ausbringungsbegrenzungen für N und P aus tierischer Herkunft seien im Unterallgäu so nicht hinnehmbar. Infolge der ertragreichen Wiesen und Äcker könne man, ganz im Einklang mit der Umwelt, mehr als 2 GV je ha halten und ernähren. Andererseits dürfe man die daraus resultierenden Nährstoffe in Form von Gülle nicht vollständig ausbringen, obwohl der Pflanzen- bzw. Nährstoffbedarf da wäre. Deshalb müsse umgehend die Derogationsregelung mit 250 kg N je ha eingeführt werden! Die starren Ausbringungssperrfristen für Gülle sowie das Verbot bei der geringsten Schneelage sei überhaupt nicht praxis- und umweltgerecht, das habe man heuer im Winter und im Frühjahr gesehen. Hier müssen die Behörden vor Ort unbedingt ermächtigt werden, Ausnahmen zuzulassen. Thema „Rote Gebiete“: Ein „Rotes Gebiet“ erfasst entlang der Wertach auch den Landkreis Unterallgäu, obwohl dort die Nitratwerte gut sind. In Ettringen zum Beispiel kann man von sinkenden Nitratwerten berichten. Die Unterallgäuer Flächen sollten deshalb aus dem „Roten Gebiet“ herausgenommen werden. Außerdem dürfen auf keinen Fall in den „Roten Gebieten“ in Zukunft noch mehr Auflagen festgelegt werden. Auch bei der ab 2020 bzw. 2025 vorgeschriebenen Ausbringungstechnik für Gülle (nur noch streifenförmig auf oder in den Boden) müsse es unbedingt noch Verbesserungen geben. Hier laufen ja neue Versuche. Am besten wäre es, den Schwenkverteiler zuzulassen. Herr Holetschek meinte dazu, dass er sich dafür einsetzen werde, dass Spielräume ausgeschöpft werden, dass man für diese Anliegen vielleicht ein Pilotprojekt auf den Weg bringen sollte und dass das Eigentum weiter geschützt wird. 

Kreisbäuerin Margot Walser forderte weitere Maßnahmen um den Verbrauch von landwirtschaftlichen Nutzflächen einzudämmen. Seit 1960 sind in Bayern mehr als 840.000 ha Landwirtschaftsflächen verschwunden, das entspricht der gesamten Landwirtschaftsfläche von Schwaben und Unterfranken zusammen. Auf diesen Flächen können keine Lebensmittel mehr angebaut werden, auch als Lebensraum für Pflanzen und Insekten, Bienen und Wildtiere sind sie verloren. Hier müsse viel mehr gespart werden, vor allem die Pflicht für die ökologischen Ausgleichsflächen müsse wieder abgeschafft werden. Man müsse sich wieder mehr dem Innenraum von Dörfern und Städten zuwenden. Herr Holetschek erklärte, dass es mittlerweile bayerische Programme zur Förderung der Innenraumentwicklung, der Dorferneuerung und der Entsiegelung gäbe. 

Kein Verständnis haben unsere Landwirte für den immer noch hohen Schutzstatus des Bibers.  Dieser hat sich mittlerweile im gesamten Allgäu massiv vermehrt, im Unterallgäu vermutet man mindestens 200 Biberfamilien mit über 1.000 Bibern. Die vom Freistaat Bayern zur Verfügung gestellten 450.000 Euro für Entschädigungen reichen bei weitem nicht aus. Gerade die Entschädigungsbeträge im Forst für gefällte oder abgetötete Bäume seien viel zu niedrig. Drei Forderungen des BBV: Der Schutzstatus des Bibers muss aufgehoben werden, es müssen wesentlich mehr Biber abgeschossen werden und die Entschädigungsbeträge müssen angehoben werden! 

Der Wolf macht gerade traurige Schlagzeilen, weil er innerhalb von ein paar Wochen im südlichen Allgäu vermutlich sieben Kälber getötet und gefressen hat. Eine Weidehaltung von Rindvieh bei Anwesenheit des Wolfes ist nicht möglich. Das Vieh ist nicht schützbar. Der Wolf kann sogar Zäune mit 1,50 m Höhe leicht überwinden. In dieser Hinsicht kann es aus der Sicht der Landwirtschaft keine Koexistenz geben. Wölfe, die Nutzvieh reißen, müssen erlegt werden. 

Das Thema Ausgleichszulage in benachteiligten Gebieten sprach Geschäftsführer Helmut Mader an. Das Unterallgäu komme bei der Neufestsetzung der Gebietskulisse nicht schlecht weg, seltsamerweise sind aber Eppishausen und Haselbach aus der Gebietskulisse herausgefallen. Dies ist unverständlich, bei der dort vorherrschenden hügeligen Landschaft. Es sei nur recht und billig, wenn sie wieder in das benachteiligte Gebiet aufgenommen werden. 

Die Tierkontrollen der Veterinärämter fanden bis vor kurzem ohne jede Voranmeldung statt. Mittlerweile dürfen sich die Veterinäre bei Nebenerwerbsbetrieben vorher anmelden. Hier lautet die Forderung ganz klar, dass in Zukunft alle Kontrollen, auch bei Vollerwerbsbetrieben wieder vorher angemeldet werden müssen. 

Die Auswirkungen der lang anhaltenden Trockenheit erfassen mittlerweile auch den Wald. Jungpflanzen verdorren, der Borkenkäfer nimmt überhand, usw. Auch hier müsse man langsam über Förderung- bzw. Entschädigungsprogramme nachdenken. 

Kreisobmann Schorer und Kreisbäuerin Margot Walser forderten mehr Unterstützung und Wertschätzung für die Landwirtschaft und bedankten sich bei MdL Klaus Holetschek für das eingehende Gespräch und Herr Holetschek versprach sich bei den zuständigen bayerischen Stellen um die angesprochenen Belange anzunehmen.