©

Mit der Gabel gegen den Bürokratiemisthaufen

BBV-Kreisverband Schwandorf im Austausch mit MdL Martin Scharf

Wassercent, Düngerecht, Agrarförderung und Energiewende im Fokus

Schwandorf. Wie können die Rahmenbedingungen für die heimische Landwirtschaft verbessert und gleichzeitig die Herausforderungen bei Wasser, Umwelt und Energie bewältigt werden? Über diese und weitere Fragen tauschte sich der BBV-Kreisverband Schwandorf mit dem Landtagsabgeordneten Martin Scharf aus. Im Mittelpunkt des Gesprächs standen insbesondere der seit Juli geltende Wassercent, die Weiterentwicklung von landwirtschaftlichen Förderungen sowie die aktuellen Herausforderungen im Düngerecht und bei der Energiewende.

Wir brauchen Regelungen, die in der landwirtschaftlichen Praxis funktionieren und den Betrieben nicht immer neue bürokratische Hürden auferlegen“, machte Kreisobmann Josef Irlbacher deutlich. Gerade angesichts steigender Kosten und zunehmender Wetterextreme sei es entscheidend, die heimische Lebensmittelproduktion zu stärken und gleichzeitig Investitionen in zukunftsfähige Betriebe zu ermöglichen.

Wassercent: Mehr Kosten, aber keine erkennbare Lenkungswirkung

Besonders intensiv diskutierten die Teilnehmer über den Wassercent. Seit dem 1. Juli 2026 wird in Bayern ein Entgelt von zehn Cent je Kubikmeter entnommenem Grundwasser erhoben. Für Betriebe mit eigenen Brunnen gilt im verkürzten ersten Erhebungszeitraum 2026 ein Freibetrag von 2.500 Kubikmetern, ab 2027 sind es 5.000 Kubikmeter pro Jahr. 

Aus Sicht des Berufsstands fehlt der Abgabe eine gezielte ökologische Lenkungswirkung. Gleichzeitig entstehen zusätzliche Kosten und bürokratischer Aufwand. Gerade bei der landwirtschaftlichen Bewässerung könne Wasser nicht beliebig eingespart werden, ohne Erträge und damit die regionale Lebensmittelversorgung zu gefährden. 

Wir wollen Wasser nachhaltig und verantwortungsvoll nutzen. Dafür brauchen wir aber keine zusätzliche Abgabe, sondern vernünftige Anreize und Investitionen in einen zukunftsfähigen Umgang mit der Ressource Wasser“, so Irlbacher. 

Aus Sicht des BBV müssen die Einnahmen aus dem Wassercent, sollte an der Abgabe festgehalten werden, zumindest vollständig transparent und zweckgebunden eingesetzt werden – etwa für Wasserrückhalt, Grundwasserneubildung, nachhaltige Bewässerung und eine zukunftsfähige Wasserbewirtschaftung. 

Auch bei der Bewässerung selbst fordert der BBV praxistaugliche Rahmenbedingungen. Die Landwirtschaft müsse bei der Nutzung von Wasser für die Lebensmittelproduktion angemessen berücksichtigt werden. Gleichzeitig seien Investitionen in moderne und effiziente Bewässerungssysteme ein wichtiger Bestandteil der Anpassung an zunehmende Wetterextreme.

GAP, KULAP und VNP: Leistungen müssen verlässlich honoriert werden

Auch die Zukunft der Agrarförderung wurde angesprochen. Für die Landwirte sei entscheidend, dass Umwelt- und Naturschutzleistungen nicht allein über zusätzliche Auflagen eingefordert, sondern verlässlich honoriert werden. KULAP und VNP bieten aus Sicht des BBV hierfür wichtige Ansätze. Gleichzeitig müsse die Förderpolitik langfristig planbar bleiben. 

Unsere Betriebe sind bereit, Verantwortung für Umwelt, Wasser und Artenvielfalt zu übernehmen. Aber freiwillige Leistungen funktionieren nur dann dauerhaft, wenn sie auch entsprechend honoriert werden und die Programme verlässlich ausgestaltet sind“, betonte Irlbacher.

Landwirtschaft als Partner der Energiewende

Mit Blick auf die Energiewende wurde zudem deutlich, dass landwirtschaftliche Betriebe nicht nur von neuen Anforderungen betroffen sind, sondern selbst einen wichtigen Beitrag zur Energieversorgung leisten. Biogas, Photovoltaik, Batteriespeicher und Windkraft bieten landwirtschaftlichen Betrieben Chancen für zusätzliche Wertschöpfung und können gleichzeitig zur regionalen Energieversorgung beitragen. Der BBV fordert dafür verlässliche politische Rahmenbedingungen und Planungssicherheit. 

MdL Martin Scharf nahm die Anliegen und Erfahrungen aus der landwirtschaftlichen Praxis mit. „Wir haben im Ministerium leider zu wenige Praktiker“, sagte Scharf und sprach sich dafür aus, die Eigenverantwortung der Landwirte stärker zu berücksichtigen. 

Der BBV-Kreisverband Schwandorf begrüßte den offenen Austausch. „Wir erwarten von der Politik keine Sonderbehandlung. Wir erwarten aber, dass die Realität auf unseren Höfen bei politischen Entscheidungen stärker berücksichtigt wird“, fasste Josef Irlbacher zusammen. Entscheidend sei, dass Landwirtschaft auch künftig unter wirtschaftlich tragfähigen Bedingungen Lebensmittel produzieren und gleichzeitig ihren Beitrag zum Umwelt-, Klima- und Ressourcenschutz leisten können.