Kreisbauerntag Berchtesgadener Land 2026
Rund 200 Gäste kamen am Donnerstagabend zum Kreisbauerntag ins Festzelt Holzhausen
Pressebericht: Dr. Monika Konnert
Auftakt war die Besichtigung des gegenüberliegenden Betriebs von Hans Grabner. Etwa 100 interessierte Landwirte nahmen daran teil. Im Mittelpunkt stand ein neuer Fütterungsroboter, den Grabner angeschafft hat, um seinen Betrieb mit nur einer Arbeitskraft bewirtschaften zu können.
Anschließend ging es ins Festzelt, wo die Musikgruppe Högl Six bereits aufspielte. Kreisobmann Hans Gruber begrüßte die Gäste und freute sich besonders über die vielen jungen Besucher. Augenzwinkernd vermutete er, dass der moderne Fütterungsroboter mit seiner ausgefeilten Technik dazu beigetragen habe. Unter den Ehrengästen waren der stellvertretende Landrat Roman Niederberger, Teisendorfs 3. Bürgermeister Georg Quentin und Bezirksrat Georg Wetzelsperger.
Niederberger nahm erstmals als stellvertretender Landrat an einer öffentlichen Versammlung teil und überbrachte die Grüße des Landrats Michael Koller. Er betonte die Bedeutung der Landwirtschaft für einen liebens- und lebenswerten Landkreis und rief dazu auf, „zu machen statt zu granteln“. Georg Quentin freute sich, dass der Kreisbauerntag in Holzhausen stattfindet, einem ländlich geprägten Ortsteil Teisendorfs, in dem Tradition und Heimatverbundenheit lebendig sind. Den Landwirten sprach er Respekt für ihre wichtige Arbeit aus.
Entwicklungen in Brüssel, Berlin und Bayern
Das Festreferat hielt Stefan Meitinger, Referent für Agrarpolitik und Parlamentsarbeit im Generalsekretariat des Bayerischen Bauernverbandes (BBV). Er informierte über aktuelle Entwicklungen in Brüssel, Berlin und Bayern. In Brüssel würden die Leitlinien der europäischen Agrarpolitik festgelegt, die konkrete Umsetzung erfolge durch die Mitgliedstaaten.
Der EU-Haushalt für die Jahre 2028 bis 2034 werde mit zwei Billionen Euro um 63 Prozent höher ausfallen als in der vorangegangenen Periode. „Der Haushalt wird größer, aber das Geld für die Landwirte wird weniger“, erklärte Meitinger. Für die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) seien nur noch 294 Milliarden Euro vorgesehen – ein Minus von 22 Prozent. In Bayern würden daraus jährlich rund 1,3 Milliarden Euro für Ausgleichszulage, KULAP und VNP bereitgestellt. Offen sei unter anderem, wie Nebenerwerbsbetriebe berücksichtigt werden, ob Zahlungen auch im Rentenalter gewährt werden und ob es gekoppelte Zahlungen oder Obergrenzen für große Betriebe geben wird.
Wassercent und Tankrabatt im Fokus
Der BBV habe die 2024 in Kraft getretene EU-Naturwiederherstellungsverordnung massiv kritisiert und setze diesen Widerstand fort. Sie werde als Rückschritt für die Zusammenarbeit von Landwirtschaft und Naturschutz gesehen. Auch der Düngemittelaktionsplan wurde angesprochen, der „gut klingt, aber in der Wirkung fraglich“ sei. Zum Mercosur-Abkommen stellte Meitinger klar, dass der BBV Handel grundsätzlich befürworte, jedoch nur unter gleichen Prozessstandards: „Produktstandards allein reichen nicht.“
Mit Blick auf Berlin sprach er über das Naturflächenbedarfsgesetz und den Tankrabatt. Die hohen Energiepreise seien für viele Betriebe ein Problem. Deshalb fordere der BBV nach Auslaufen des Tankrabatts weitere Entlastungen. „Erneuerbare, heimische Kraftstoffe müssen für Land- und Forstwirtschaft steuerfrei gestellt werden“, sagte Meitinger. Das geplante Naturflächenbedarfsgesetz in Verbindung mit der Umsetzung der europäischen Naturwiederherstellungsverordnung werde den Wettbewerb um Flächen weiter verschärfen. Land- und Forstwirtschaftsflächen dürften nicht zur Verfügungsmasse werden.
Kritik übte Meitinger auch am Bayerischen Naturschutzgesetz, das das Walzen von Grünland nach dem 15. März bis zur ersten Mahd verbietet. Ziel sei der Schutz von Wiesenbrütern, der festgelegte Termin sei jedoch zu starr. „Das Walzen soll jeder Landwirt machen, wenn es passt“, sagte er. Wildtierschutz sei wichtig, müsse aber praktikabel bleiben. Ein weiterer Kritikpunkt des BBV ist der Wassercent. Er bedeute für die Betriebe zusätzliche Belastungen. Bei einem Bestand von 100 Kühen könnten Mehrkosten von rund 500 Euro pro Jahr entstehen, sofern kein eigener Brunnen vorhanden ist.
Höhepunkt des Abends war die Ehrung der neuen Landwirtschaftsmeister im Berchtesgadener Land. Peter Enzinger aus Teisendorf und Stefan Feil aus Freilassing legten 2025 erfolgreich die Meisterprüfung ab und dürfen nun die Berufsbezeichnung „Landwirtschaftsmeister“ führen. Die Meisterbriefe hatten sie bereits im Oktober bei einem Festakt in Holzkirchen erhalten. Hans Gruber gratulierte im Namen des Kreisverbandes und überreichte beiden eine Arbeitsjacke mit BBV-Logo.
Auf die Frage, ob sie künftig selbst junge Menschen ausbilden möchten, antwortete Peter Enzinger, der einen Vollerwerbsbetrieb führt, mit Ja. Stefan Feil bewirtschaftet seinen Betrieb im Nebenerwerb und absolviert derzeit eine weitere Ausbildung an der JVA Bernau. Er sieht aktuell keine Möglichkeit, als Ausbildungsbetrieb tätig zu werden. Auch Roman Niederberger gratulierte und wünschte beiden Zuversicht und Erfolg für ihren weiteren Weg.