Berichterstattung wegen angeblicher Missstände in einem Anbindestall im Landkreis Bamberg
Ein Impuls zur Sensibilisierung, Solidarität und Weiterbildung
Liebe Mitglieder,
die jüngste Berichterstattung in der Tagespresse über Vorwürfe gegen einen Rinderhaltungsbetrieb im Landkreis Bamberg hat in der Öffentlichkeit erneut eine Diskussion über die Anbindehaltung von Rindern ausgelöst. Unabhängig von der rechtlichen Bewertung des konkreten Einzelfalls, die den zuständigen Behörden obliegt, möchten wir, dass Sie als BBV-Mitglied bei möglichen Diskussionen zu diesem Thema sprechfähig sind und unsere Tierhalter so gut es geht bei diesem Thema unterstützen:
Tierwohl hat oberste Priorität
Zunächst gilt: Tierschutzverstöße dürfen in der Landwirtschaft keinen Platz haben. Wo Missstände festgestellt werden, müssen diese konsequent behoben und gegebenenfalls auch rechtlich aufgearbeitet werden. Dies liegt im Interesse der Tiere, aber auch im Interesse aller Tierhalter, die täglich verantwortungsvoll und mit großem persönlichem Einsatz für ihre Tiere sorgen.
Anbindehalter unter Generalverdacht?
Gleichzeitig dürfen einzelne Vorwürfe oder Bilder nicht dazu führen, ganze Haltungsformen oder gar alle Tierhalter unter Generalverdacht zu stellen. Bislang handelt es sich im konkreten Fall nur um Vorwürfe, deren Bewertung den zuständigen Behörden obliegt und aktuell noch aussteht. Dennoch entsteht durch die öffentliche Berichterstattung schnell der Eindruck, als stünden nicht nur ein einzelner Betrieb, sondern gleich eine ganze Gruppe von Tierhaltern unter Generalverdacht. Diesem Eindruck müssen wir solidarisch und entschieden entgegentreten!
Anbindehaltung sachlich bewerten
Insbesondere die Anbindehaltung von Rindern wird in der öffentlichen Debatte häufig pauschal negativ dargestellt. Dabei handelt es sich nach wie vor um eine gesetzlich zulässige Form der Rinderhaltung. Viele Anbindeställe werden von bäuerlichen Familienbetrieben mit überschaubaren Tierbeständen bewirtschaftet. Gesundheitszustand, Futteraufnahme und Wohlbefinden jedes einzelnen Tieres können in der Anbindehaltung sehr genau kontrolliert werden. Verletzungen durch Rangkämpfe oder Konkurrenz innerhalb großer Herden können gar nicht erst entstehen.
Deshalb wäre es falsch und ungerecht, Anbindehalter pauschal als schlechte Tierhalter darzustellen oder ihre tägliche Arbeit abzuwerten. Die Qualität einer Tierhaltung bemisst sich nicht allein an der Haltungsform, sondern vor allem an der verantwortungsvollen Betreuung der Tiere durch die Menschen, die täglich für sie Sorge tragen.
Kein Urteil ohne Kontrolle
Besonders kritisch sehen wir, dass durch Anzeigen, öffentliche Vorwürfe und die aktuelle Berichterstattung bereits ein Urteil in den Köpfen vieler Menschen entsteht, noch bevor Behörden ihre Ermittlungen begonnen geschweige denn abgeschlossen haben. Über mögliche Verstöße haben ausschließlich die zuständigen Stellen zu entscheiden und keine Medien. Solange keine abschließende Bewertung vorliegt, darf weder ein einzelner Betrieb noch eine gesamte Haltungsform pauschal verurteilt werden.
Tierhalter sichern Versorgung und Kulturlandschaft
Unsere Tierhalter verdienen Rückhalt und Anerkennung. Sie leisten mit ihrer tagtäglichen Arbeit, einen unverzichtbaren Beitrag zur Versorgung der Bevölkerung mit hochwertigen regionalen Lebensmitteln, zur Pflege und zum Erhalt unserer Kulturlandschaft sowie zur Wertschöpfung im ländlichen Raum. Gerade in unseren ertragsschwächeren Regionen sind tierhaltende Betriebe das Rückgrat einer nachhaltigen Landwirtschaft. Ohne Tierhaltung würden viele Grünlandflächen ihre landwirtschaftliche Nutzung verlieren, regionale Stoffkreisläufe würden unterbrochen und zahlreiche bäuerliche Existenzen wären gefährdet.
Lassen Sie uns gemeinsam für unsere Tierhalter eintreten
Tierhalter sind heute nur noch ein kleiner Teil unserer Gesellschaft und sehen sich regelmäßig mit Kritik, Vorurteilen und Rechtfertigungsdruck konfrontiert. Umso wichtiger ist es, dass wir als Verband und Berufsstand zusammenstehen. Es ist unsere gemeinsame Aufgabe, die Leistungen unserer Tierhalter sichtbar zu machen, sachlich über moderne Landwirtschaft aufzuklären und dort, wo ungerechtfertigte Verallgemeinerungen erfolgen, entschieden für unsere Betriebe einzutreten. Wer verantwortungsvoll Tiere hält, verdient nicht Misstrauen, sondern Respekt und Unterstützung.
Aktuelle Berichterstattung zur Selbstprüfung nutzen
Gleichzeitig zeigt die aktuelle Berichterstattung einmal mehr, wie wichtig es ist, den eigenen Betrieb regelmäßig zu überprüfen. Stallhygiene, Tiergesundheit, Funktionsfähigkeit der Einrichtungen, Dokumentation sowie die Wahrnehmung des Betriebes durch Außenstehende sollten regelmäßig in den Blick genommen werden. Gerade in Zeiten zunehmender gesellschaftlicher Aufmerksamkeit können einzelne Bilder oder Videos erhebliche Auswirkungen auf die öffentliche Wahrnehmung Ihres Betriebes und der Landwirtschaft insgesamt haben.
Weiterbildung stärkt den eigenen Betrieb
Vor diesem Hintergrund legen wir Ihnen zwei aktuelle Online-Veranstaltungen unseres Verbandes ans Herz. Beide Angebote liefern wertvolle Informationen und praktische Hinweise - nicht nur für Tierhalter - und helfen dabei, die eigenen Betriebsabläufe kritisch zu reflektieren und weiterzuentwickeln.
• Umgang mit Diebstählen und Stalleinbrüchen auf landwirtschaftlichen Betrieben
https://www.bildung-beratung-bayern.de/?tid=27031842
• Praxisnahe Unterstützung für Tierhalter bei Kontrollen im Stall
https://www.bildung-beratung-bayern.de/?tid=27031816
Wir möchten alle Tierhalter ermutigen, diese Fortbildungsangebote zu nutzen. Sie bieten die Möglichkeit, das eigene Wissen zu vertiefen, Erfahrungen auszutauschen und sich für die zukünftigen Herausforderungen in der Nutztierhaltung bestmöglich aufzustellen.
Zusammenhalt und Verantwortung
Die überwältigende Mehrheit unserer bäuerlichen Familienbetriebe arbeitet tagtäglich mit großer Verantwortung, Fachwissen und Leidenschaft für ihre Tiere. Darauf dürfen wir stolz sein und selbstbewusst hinweisen. Lassen Sie uns deshalb durch die aktuelle Berichterstattung und Diskussion über mögliche Missstände in einem landwirtschaftlichen Betrieb im Landkreis Bamberg nicht in Selbstzweifel oder Ärger verfallen, sondern dies vielmehr zum Anlass nehmen, um unsere Leistungen selbstbewusst darzustellen, daraus zu lernen und insgesamt als Berufsstand zusammenzustehen.