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Die bayerischen Landfrauen bei einem Entwicklungshilfeprojekt in Kenia

Kenia-Projekt der Landfrauen: "Begegnung auf Augenhöhe"

Interview mit Bezirksbäuerin Christiane Ade

03.09.2018 |

Was haben Sie für sich persönlich gelernt auf dieser Reise?

Gelernt habe ich, dass wir hier mit unserem Überfluss oft unzufriedener sind als Menschen, die weitaus weniger haben als wir. Und dass wir uns öfters bewusstmachen sollten, in welch glücklicher Lage wir uns befinden, auf dieser Hälfte der Welt geboren zu sein.

Was hat Sie besonders beeindruckt?

Beeindruckt hat mich die Lebensfreude der Frauen, die oft in ganz einfachen Verhältnissen leben und unter nicht komfortablen Umständen ihren Alltag bestreiten müssen. Ich hatte den Eindruck, dass die Frauen zufriedener sind wie wir, obwohl sie weniger haben. Ebenso beeindruckend empfand ich die Gastfreundschaft und Herzlichkeit, mit der wir, egal wo, aufgenommen worden sind. Fremden Menschen mit so viel Offenheit begegnen zu können, ist ein sehr schöner Charakterzug, von dem wir uns manchmal eine Scheibe abschneiden könnten.

Hat sich Ihr Bild von Afrika und Kenia geändert? Wenn ja, wie?

Ich hatte sicherlich die klassischen Bilder, die man aus den Medien kennt, im Kopf: trockenes Afrika, Hunger, Unterernährung, Hitze, …Aber auch der Kontinent Afrika ist natürlich, wie jeder andere Kontinent auch, regional sehr verschieden. Jedes Land an sich hat ja schon seine regionalen Eigenheiten - in Bayern ist es auch anders als in Schleswig-Holstein. Deswegen sollten wir mit pauschalisierenden Aussagen wie „In Afrika ist es so …“ vorsichtig sein.

Ich habe Kenia und da speziell Westkenia als ein sehr grünes, fruchtbares Land kennengelernt, in dem eigentlich fast alles wächst. Natürlich gibt es auch dort klimatische Herausforderungen mit Trockenzeiten und extremen Regenzeiten. Die Menschen sind dort durch einseitige Ernährung eher fehl- und mangelernährt als unterernährt. Das Bild, dass viele Menschen gerade auch im ländlichen Raum eher in einfachen und beschwerlichen Verhältnissen leben, hat sich für mich bestätigt.  

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Bayerns Landfrauen treffen die Landfrauen aus Kenia

Haben Sie das Gefühl, etwas erreicht zu haben?

Ja, ich denke schon, dass wir mit diesem Projekt etwas erreichen! Das Prinzip von Bäuerin zu Bäuerin, von Frau zu Frau, geht meiner Meinung nach sehr gut auf. Wir begegnen den Frauen auf Augenhöhe und tauschen unsere beruflichen Erfahrungen aus. Das gibt ihnen das Gefühl der Wertschätzung, die ja enorm wichtig ist. Nur bei gegenseitiger Wertschätzung nimmt der Partner etwas an.

Wie stehen sie der Entwicklungshilfe gegenüber?
Entwicklungshilfe, die Hilfe zur Selbsthilfe leistet, halte ich für sinnvoll.  Unser Projekt sehe ich in diesem Bereich. Wir versuchen die Frauen vor Ort mit Erfahrungsaustausch, Wissensvermittlung und Information zu unterstützen, damit sie dann selbst aktiv ihre Probleme anpacken können.

Wurden Ihre Erwartungen erfüllt?

Ich wollte die einmalige Chance, über den Tellerrand blicken zu können, wahrnehmen. Und dazu noch die Möglichkeit nutzen, mich mit anderen Frauen auszutauschen und etwas weiterzugeben. Diese Erwartungen wurden voll erfüllt.

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Bayerns Landfrauen auf Roadtrip in Kenia

An welches Ereignis in Kenia erinnern Sie sich besonders gerne?

Natürlich war die gesamte Reise etwas Besonderes: Wir waren eine funktionierende Reisegruppe mit einer tollen Reiseleitung, die für einen reibungslosen Ablauf gesorgt hat, was in Kenia sicher nicht immer einfach ist. Besonders gerne erinnere ich mich an die Abende am Viktoriasee, wo es landschaftlich besonders schön ist, ebenso an den beeindruckenden Regenwald.   

 

Unter dem Motto „Gleicher Beruf – zwei Welten“ haben sich bayerische und kenianische Bäuerinnen im Rahmen eines Projektes in der Entwicklungshilfe vernetzt. Umgesetzt wird die Kooperation von der BBV-LIZ GmbH im Rahmen der „Sonderinitiative EINEWELT ohne Hunger“ des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung.  

 


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