Oberfrankens Ernte 2026: Gute Qualitäten, aber Trockenheit und hohe Kosten belasten Betriebe
Regionale Unterschiede prägen die Ernte – Bauernverband fordert bessere Rahmenbedingungen
Die Ernte 2026 in Oberfranken fällt regional sehr unterschiedlich aus. Während sich Wintergetreide vielerorts gesund entwickelt hat und die Qualitäten überwiegend stimmen, hat die langanhaltende Trockenheit die Erträge auf vielen Flächen deutlich begrenzt. Beim Erntepressegespräch des Bayerischen Bauernverbandes auf dem Bezirkslehrgut der Landwirtschaftlichen Lehranstalten Bayreuth wurde deutlich: Die Ernte ist durchschnittlich bis unterdurchschnittlich – wirtschaftlich bleibt die Lage der Betriebe sehr angespannt.
Nach guten Aussaatbedingungen im Herbst 2025 und einer problemlosen Überwinterung starteten die Kulturen vielversprechend in das Vegetationsjahr. Im Frühjahr fehlten jedoch in weiten Teilen Oberfrankens die dringend benötigten Niederschläge. Besonders leichte Böden litten unter der anhaltenden Trockenheit.
„In vielen Teilen Oberfrankens gab es kein Wasser, vor allem im Westen oder Süden“, erklärte Hermann Greif. Teilweise hätten sich auf den Feldern bereits „wüstenähnliche Bestände“ gezeigt. Erst die Niederschläge Ende Juni hätten Mais- und Zuckerrübenbeständen regional noch geholfen.
Inzwischen läuft die Getreideernte auf Hochtouren. Die Erträge der Wintergerste fallen je nach Standort sehr unterschiedlich aus. Überdurchschnittliche Ergebnisse bleiben die Ausnahme, vielfach erreichen die Betriebe durchschnittliche Erträge. Positiv bewertet werden dagegen die Qualitäten mit guten Hektolitergewichten und ordentlichen Proteingehalten.
Wie stark die Erträge ausfallen, hängt in diesem Jahr vor allem vom Standort ab. Schwere Böden mit einer höheren Wasserspeicherkapazität sowie nördliche und östliche Regionen konnten die Trockenheit deutlich besser überstehen als leichte Sandstandorte.
Neben den Witterungseinflüssen belasten vor allem die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen die Landwirtschaft. Die Getreidepreise bewegen sich weiterhin auf einem niedrigen Niveau, gleichzeitig steigen die Betriebskosten deutlich. Besonders Energie und Betriebsmittel schlagen spürbar zu Buche.
„Eine Schlepper-Tankfüllung von knapp 1.000 Euro pro Tag ist, wenn er den Tag über genutzt wird, nichts Ungewöhnliches“, sagte Hermann Greif. Gleichzeitig seien Dünger und weitere Betriebsmittel infolge internationaler Krisen erheblich teurer geworden. Für viele Familienbetriebe gehe die Schere zwischen steigenden Kosten und stagnierenden oder sinkenden Erlösen immer weiter auseinander.
Auch strukturell steht die Landwirtschaft vor großen Herausforderungen. Immer mehr Betriebe geben insbesondere die Rinder- und Schweinehaltung auf. Hohe Investitionskosten, wachsende Auflagen und fehlende Planungssicherheit erschweren Betriebsübergaben und Investitionen. Im Ökolandbau sieht der Bauernverband zudem die verschärfte Auslegung der EU-Weidevorgaben als Belastung für zahlreiche Betriebe in Franken.
Mit Blick auf die kommenden Wochen richten sich die Hoffnungen auf ausreichende Niederschläge für Mais, Kartoffeln und Zuckerrüben. Während die Herbstkulturen derzeit überwiegend ordentlich dastehen, bleiben Ertrag und Qualität weiterhin stark von der Witterung abhängig.
Für den Bayerischen Bauernverband steht fest: Eine sichere Versorgung mit regional erzeugten Lebensmitteln braucht wirtschaftlich stabile Bauernfamilien. Deshalb fordert der Verband verlässliche politische Rahmenbedingungen, einen spürbaren Bürokratieabbau sowie Maßnahmen zur Entlastung der Betriebe bei den hohen Energie- und Betriebsmittelkosten. Denn eine sichere Lebensmittelversorgung sei keine Selbstverständlichkeit, sondern das Ergebnis einer leistungsfähigen heimischen Landwirtschaft.
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