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Ferkel auf dem Arm

Ferkelkastration: Das müssen Sie jetzt tun

Verfahren auswählen und ggf. bis 1. Juli Förderantrag stellen

18.06.2020 |

Bundesministerin Klöckner hatte beim 4. Runden Tisch zur Ferkelkastration am 3. Juni erklärt, dass die Lokalanästhesie nach derzeitigem Kenntnisstand keine wirksame Schmerzausschaltung im Sinne des Tierschutzgesetzes darstelle und somit auch bei Anwendung durch den Tierarzt zum 1. Januar 2021 die gesetzlichen Anforderungen nicht erfülle. Damit erteilte sie dem Anliegen von BBV-Präsident Heidl eine Absage, der sich im Mai an die Bundesministerin gewendet und sie aufgefordert hatte, zumindest die lokale Betäubung durch den Tierarzt auch nach dem 31. Dezember 2020 zu akzeptieren. Hintergrund für das Schreiben von Heidl war, dass es bei dem noch laufenden BMEL-Projekt zur Lokalanästhesie Corona-bedingt zu Verzögerungen gekommen und erste Zwischenergebnisse durchaus erfolgversprechend waren.

Der BBV wird sich trotzdem im Rahmen seiner Möglichkeiten weiter nach Kräften dafür einsetzen, dass die lokale Betäubung, die sich mit ihren Vorteilen im Hinblick auf Tierschutz und Praxistauglichkeit international immer mehr als Betäubungsverfahren bei der Ferkelkastration durchsetzt, früher oder später auch in Deutschland als weiterer Lösungsweg anerkannt wird. Denn es laufen derzeit noch verschiedene Untersuchungen zur Wirksamkeit der lokalen Betäubung bei der Ferkelkastration bzw. zur Zulassung von Wirkstoffen. Aus der tierärztlichen Praxis gibt es zudem viele positive Erfahrungen mit der lokalen Betäubung, auch im Rahmen des Praxisprojekts von Tierärzten auf ca. 100 Ferkelerzeugerbetrieben in Bayern und darüber hinaus.

Für die fristgerechte Umsetzung der gesetzlichen Betäubungsvorgabe zum 1. Januar 2021 kann jedoch nur mit den vom Bundesministerium anerkannten Verfahren Isoflurannarkose und Injektionsnarkose mittels Ketamin/Stresnil gerechnet werden. Neben der Kastration unter Betäubung kommen grundsätzlich auch die Ebermast und die Immunokastration in Frage, wenn im Einzelfall eine gesicherte Abnahme der Tiere gegeben ist. Die süddeutschen Vermarkter verlangen nach bisherigen Aussagen auch zukünftig grundsätzlich kastrierte Ferkel. Für die Abdeckung der zusätzlichen Kosten wird die VEZG ab 1. Januar 2021 für gesetzeskonform kastrierte Ferkelpartien deutscher Herkunft im ausgeglichenen biologischen Geschlechtsverhältnis einen Zuschlag in Höhe von 2 Euro je Tier in die Notierung aufnehmen. Jeder Ferkelerzeuger sollte in Absprache mit seinem Tierarzt und seinem Vermarkter entscheiden, welches bzw. welche Verfahren angewendet werden können/sollen, und die Anwendung entsprechend vorbereiten.


Für die Teilnahme am Förderprogramm für Isoflurangeräte können noch bis zum 1. Juli 2020 Anträge bei der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) gestellt werden. Bis zu 60% der Anschaffungskosten bzw. maximal bis zu 5.000 Euro je Unternehmen werden als nicht rückzahlbare Zuwendung gewährt. Die Teilnahmeanträge werden nach Eingangsdatum geprüft und bewilligt, bis das Budget von 20 Mio. Euro erschöpft ist (= „Windhundverfahren“). Das Gerät darf erst nach Bewilligung des Teilnahmeantrags angeschafft werden. Anschließend kann bis zum 1. September 2020 mit dem Auszahlungsantrag die Rechnung eingereicht und die Auszahlung des Förderbetrages beantragt werden. Vor der Bewilligung gekaufte Narkosegeräte sind von der Förderung ausgeschlossen. Gefördert werden nur Geräte, die „von einer nach DIN ISO 17025 akkreditierten Stelle in Bezug auf Aspekte des Tierschutzes, des Anwenderschutzes und des Umweltschutzes zertifiziert“ sind. Derzeit sind drei Modelle entsprechend zertifiziert. Laut BLE verpflichtet der Teilnahmeantrag zu nichts. Es ist einem Antragsteller jederzeit möglich, wieder aus dem Antragsverfahren auszusteigen. Anträge können online oder auf dem Postweg unter Verwendung der Antragsformulare (www.ble.de/ferkelnarkose) gestellt werden. Kontakt der BLE für Fragen: Telefon 0228/6845-3900; E-Mail: ferkelnarkose@ble.de.

Nach der Ausstellung in Schwarzenau sind in Kringell am 18./19. Juni und in Grub am 23./24./25. Juni noch Besichtigungstermine frei. Nach vorheriger Anmeldung können interessierte Landwirte an diesen Terminen die Geräte besichtigen. Infos und Anmeldung unter: www.baysg.bayern.de/zentren/kringell/247149/index.php bzw. www.lfl.bayern.de/ilt/tierhaltung/schweine/247523/index.php. Zur Vorbereitung der Sachkundeschulungen zur Isofluranbetäubung führt das bayerische Landwirtschaftsministerium eine Abfrage durch und bittet interessierte Landwirte, sich unverbindlich bis zum 30. Juni beim jeweiligen Fachzentrum für Schweinezucht und -haltung über dessen jeweilige Homepage anzumelden. Sobald Termine, Kosten und Orte für Schulungen feststehen, werden diese veröffentlicht und die Interessenten eingeladen.

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