© Fachgruppe Obstbau

Selbstversorgungsgrad mit heimischem Obst: Ein Fünftel ist nicht genug!

Bayerns Obstbauern fordern faire Bedingungen

Fünf Obstkisten. Eine ist voll. Vier bleiben leer. Mehr braucht es eigentlich nicht, um zu zeigen, was im deutschen Obstbau schiefläuft. Nur noch rund ein Fünftel des Obstes, das in Deutschland gegessen
wird, stammt aus heimischem Anbau. Und wenn sich nichts ändert, könnte es bald noch weniger sein. Deshalb gehen unsere Obstbauern an die Öffentlichkeit.

Nur noch rund ein Fünftel des in Deutschland verzehrten Obstes stammt aus heimischem Anbau, in Bayern sind es sogar nur jedes Zehnte Stück an Obst. Ändern sich die wirtschaftlichen Bedingungen nicht, könnte der Anteil heimisch erzeugten Obstes weiter sinken. Der Bayerische Bauernverband (BBV) und der Bayerische Erwerbsobstbau-Verband unterstützen deshalb die bundesweite Aktion „Ein Fünftel ist nicht genug“ der Bundesfachgruppe Obstbau. Ihr Symbol: fünf Obstkisten, vier leer, eine gefüllt. 

In Bayern war Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer Empfänger des symbolischen Hilferufs.  Gemeinsam mit Obstbauer Marinus Niederthanner aus Nussdorf zeigte der BBV vergangenes Wochenende in Herrsching am Rande der traditionellen Kreisobmännertagung, was steigende Kosten, Bürokratie und wachsender Wettbewerbsdruck für die Obstbaubetriebe bedeuten. „Die Kunden wollen unsere Produkte, die Märkte wollen unsere Ware“, sagt Niederthanner, der gemeinsam mit anderen Betrieben seine Geschichte auf der Aktionsseite https://einfuenftel.obstbau.org/ erzählt. „Uns fehlt nicht die Nachfrage. Wo es hakt, das sind die Rahmenbedingungen für fairen Wettbewerb, um unseren Betrieb vernünftig weiterzuentwickeln.“

 

© BBV Obstbauern Bundesminister Rainer Ein Fünftel ist nicht genug Herbst 2026
Bayerns Obstbauern können und wollen die heimische Nachfrage nach frischem Obst decken. Ihre Ware muss jedoch in einem ungleichen Wettbewerb gegen günstige Importware bestehen. Das muss fairer werden, fordern die Betriebe von Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer. Von links nach rechts: Ely Eibisch, Vizepräsident des Bayerischen Bauernverbandes, Florian Stocker, Obstbauer aus der Bodenseeregion; Stefan Haas, Obstbauer der Bodenseeregion; Alois Rainer, Bundesminister für Landwirtschaft; Marinus Niederthanner, Obstbauer aus dem Landkreis Rosenheim; Klaus Strodel, Obstbauer der Bodenseeregion; Christine Singer, Landesbäuerin des Bayerischen Bauernverbandes und Europaabgeordnete.

Hohe Standards, aber kein fairer Wettbewerb

Bayerische Obstbauern produzieren nach hohen Umwelt-, Sozial- und Qualitätsstandards, zahlen hohe Löhne und tragen deutsche Energie- und Produktionskosten. Gleichzeitig konkurrieren sie mit Importware aus Ländern mit eklatant niedrigeren Kosten. Besonders hart trifft das die arbeitsintensiven Sonderkulturen und den Obstbau, dessen Ernte sich kaum automatisieren lässt. Faire Bezahlung steht nicht zur Debatte. Hohe Standards dürfen aber nicht dazu führen, dass heimische Erzeugung auf dem Markt durch Importe mit niedrigeren Standards verdrängt wird.

 

 

© Stephan Schmuck Viktorfilm Obstbau Niederthanner
„Uns fehlt nicht die Nachfrage. Wo es hakt, das sind die Rahmenbedingungen für fairen Wettbewerb, um unseren Betrieb vernünftig weiterzuentwickeln", sagt Marinus Niederthanner, Obstbauer aus Nussdorf.

Heimischer Obstbau unter Druck

In Bayern wird auf über 5.000 Hektar Obst angebaut – von Äpfeln, Kirschen und Zwetschgen bis hin zu Erdbeeren und anderem Beerenobst. Bundesweit gibt jeden zweiten Tag ein Betrieb auf. Jeder Betrieb, der aufgibt, nimmt Arbeitsplätze, Fachwissen und regionale Wertschöpfung mit. Eine gerodete Obstanlage ist im nächsten Frühjahr nicht wieder da.

 

 

Das fordert der BBV

„Im Koalitionsvertrag hat man sich das Ziel gesetzt den Selbstversorgungsgrad bei Obst und Gemüse zu erhöhen“ sagt Karl-Ludwig Rostock, Präsident des Bayerischen Erwerbsobstbau-Verbandes. „Jetzt muss die Bundesregierung Taten folgen lassen!“ Der Bayerische Bauernverband und Bayerische Erwerbsobstbau-Verband unterstützen das von der Bundesfachgruppe Obstbau gemeinsam mit dem Deutschen Bauernverband und weiteren Verbänden erarbeitete Maßnahmenpaket:

  • Sonderregelungen beim Mindestlohn für Saisonarbeit
  • steuerliche Entlastung für besonders arbeitsintensive Betriebe
  • eine Risikoausgleichsrücklage
  • praxistaugliche Regeln für Saisonarbeitskräfte aus Drittstaaten
  • mehr Rechtssicherheit bei der sozialversicherungsfreien Beschäftigung

Diese Entlastungen müssen jetzt beschlossen werden, spürbar und schnell wirken – und tatsächlich bei den Betrieben ankommen.

„Regionalität ist ja in Sonntagsreden immer ein beliebter Begriff“, sagt Rostock. „Uns aber ist es ernst damit: Wer heimisches Obst will, muss dafür sorgen, dass es hier bei uns wirtschaftlich erzeugt werden kann!“

Genau diese Frage stellt die Aktion: Wollen wir überhaupt noch heimisches Obst? Wenn ja, muss dieses „Ja“ Konsequenzen haben. Mehr Informationen und Hofporträts: https://einfuenftel.obstbau.org