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Junge Hände halten ältere Hände.
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Hauswirtschaft als Schlüssel für Prävention und Pflege

Position der Landfrauen im Bayerischen Bauernverband

14.04.2026 | Ausgangslage: Der Bayerische Masterplan Prävention verfolgt das Ziel, Gesundheit und Selbstständigkeit der Bevölkerung über alle Lebensphasen hinweg zu stärken und gesundheitsfördernde „Lebenswelten“ zu etablieren. Der häusliche Alltag wird dabei als zentrale Lebenswelt benannt. Die Landfrauen im Bayerischen Bauernverband fordern hier deshalb eine explizite Berücksichtigung der Hauswirtschaft als professionelles Handlungsfeld der Prävention und Pflege.

Denn Gesundheitsförderung und Prävention finden überwiegend im Alltag statt. Die Landfrauen im BBV verweisen auf die Weltgesundheitsorganisation[1]:  Gesunde Alltagsbedingungen sind eine zentrale Voraussetzung für gesundes Altern und die Vermeidung chronischer Erkrankungen.

Zahlreiche gesundheitsrelevante Faktoren – insbesondere Ernährung, Hygiene, Wohnumfeld und Alltagsstruktur – entfalten ihre Wirkung primär im häuslichen Umfeld[2]. Diese Faktoren liegen im Kernbereich hauswirtschaftlicher Kompetenz und Praxis.

Hauswirtschaft als Bestandteil gesundheitlicher Daseinsvorsorge

Professionelle Hauswirtschaft umfasst die Organisation und Sicherstellung eines gesundheitsfördernden Alltags. Dazu zählen unter anderem:

  • bedarfsgerechte und ausgewogene Ernährung,
  • Hygiene und Infektionsprävention im Haushalt,
  • Gestaltung eines sicheren Wohnumfeldes,
  • Strukturierung des Alltags zur Erhaltung von Selbstständigkeit.

Fachverbände ordnen hauswirtschaftliche Leistungen als eigenständigen Bestandteil sozialer Daseinsvorsorge und gesundheitlicher Versorgung ein[3]. Sie leisten einen wesentlichen Beitrag zur Lebensqualität und zur Stabilisierung häuslicher Versorgungssituationen.
 

Beitrag der Hauswirtschaft zur Prävention

Gesundheitsförderung und Prävention finden überwiegend im Alltag statt. 
Hauswirtschaftliche Leistungen tragen insbesondere bei zur:

  • Prävention von Mangel- und Fehlernährung,
  • Vermeidung hygienebedingter Erkrankungen,
  • Reduktion von Sturz- und Unfallrisiken,
  • Förderung sozialer Teilhabe im häuslichen Umfeld.

Damit adressiert Hauswirtschaft zentrale Präventionsziele, wie sie auch im Bayerischen Masterplan Prävention formuliert sind.

 

Beitrag der Hauswirtschaft zur Pflege

Im Bereich der ambulanten Versorgung stellt Hauswirtschaft einen tragenden Pfeiler dar. Untersuchungen zeigen, dass hauswirtschaftliche Unterstützung einen erheblichen Anteil an der Sicherung häuslicher Versorgung hat und pflegende Angehörige maßgeblich entlastet[4].

Die Bäuerinnenstudie 2019 der TUM zeigt, dass Pflegeaufgaben auf landwirtschaftlichen Betrieben überwiegend im familiären Bereich und damit häufig von Frauen übernommen werden: In rund 40 % der Haushalte leben pflegebedürftige Personen, und „in den meisten Fällen“ wird die Pflege innerhalb der Familie geleistet. Häufig sind Frauen für diesen Bereich alleine hauptverantwortlich. Gleichzeitig greifen 71 % der Frauen dabei nie auf externe Entlastungshilfen zurück, was die hohe Eigenbelastung pflegender Angehöriger auf Höfen unterstreicht.[5]

Frühzeitige alltagsunterstützende Leistungen können Pflegebedürftigkeit verzögern oder reduzieren und tragen somit zur Stabilisierung häuslicher Pflegesettings und damit zur Unterstützung insbesondere von Frauen[6] sowie zur Entlastung des Gesundheits- und Pflegesystems bei.

Forderungen der Landfrauen im Bayerischen Bauernverband

Vor diesem Hintergrund fordern die Landfrauen im Bayerischen Bauernverband:

  1. die explizite Verankerung der Hauswirtschaft als Bestandteil von Prävention und Pflege im Masterplan Prävention Bayern
  2. die systematische Integration hauswirtschaftlicher Leistungen in präventive Programme und Netzwerke mit entsprechender Finanzierung[7],
  3. die Förderung professioneller hauswirtschaftlicher Angebote als niedrigschwellige Präventionsleistungen z.B. durch ein im aktuellen Koalitionsvertrag der Bundesregierung geplantes „jährliches Familienbudget für Alltagshelfer für Familien mit kleinen Kindern und/oder pflegebedürftigen Angehörigen mit kleinen und mittleren Einkommen“[8]
  4. ein abgestimmtes Zusammenspiel von bildungs- und gesellschaftspolitischen Maßnahmen, um die Hauswirtschaft als attraktives Berufsfeld mit echten Aufstiegschancen sichtbar und für Berufs- und Quereinsteigende attraktiv zu machen.

 

________________________________________________________________________________________________

[1] Bayerisches Staatsministerium für Gesundheit, Pflege und Prävention 
Masterplan Prävention Bayern, München 2025

[2] World Health Organization (WHO): World Report on Ageing and Health, Genf.: 
https://iris.who.int/server/api/core/bitstreams/e3819fa1-f56a-4d67-bef9-3a7b56112e48/content

[3] Deutscher Hauswirtschaftsrat, Hauswirtschaft als Schlüssel für eine zukunftsfähige Pflege, 

 Positionspapier zur Weiterentwicklung des SGB XI, 2 /2026

[4] Deutsche Gesellschaft für Hauswirtschaft e. V. (dgh): CARE – Hauswirtschaftliche Versorgung sichern, Positionspapier,

[5] Deutsches Medizinrechenzentrum GmbH: Wie können pflegende Angehörige entlastet werden?

 https://www.dmrz.de/blog/studie-wie-koennen-pflegende-angehoerige-entlastet-werden

[6] TUM Lehrstuhl für Marketing und Konsumforschung: Bäuerinnen-Studie 2019

[7] European Institute for Gender Equality: Gemeinsame Betreuung, Geschlechterunterschiede beseitigen: Care-Umfrage 2024

[8] Bayerisches Staatsministerium für Gesundheit und Pflege:
Gute Pflege - Daheim in Bayern, Gemeinsames Strategiepapier, Kommunale Strategien zur Stärkung

bedarfsgerechter pflegeorientierter Sorgestrukturen, 2022

[9] Aktueller Koalitionsvertrag CSU, CDU, SPD „Verantwortung für Deutschland“, Zeile 409-411

Download: Positionspapier Hauswirtschaft als Schlüssel für Prävention und Pflege