Landwirtschaft & Umwelt

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Palmölplantage auf Costa Rica

Palmöl durch hochwertige regionale Alternativen ersetzen

Position des Bayerischen Bauernverbandes

29.10.2018 |

Palmöl ist Bestandteil vieler Lebensmittel, insbesondere von Margarine, Eiscreme, Fertiggerichten oder Süßigkeiten. Darüber hinaus ist Palmöl in Wasch- und Reinigungsmitteln, in Kosmetikprodukten, in Kerzen, Farben und Lacken sowie in verschiedenen Futtermitteln enthalten. Im Energiesektor wird aus Palmöl Biodiesel hergestellt. Für den weitverbreiteten Einsatz von Palmöl gibt es verschiedene Gründe. Im Vergleich mit anderen Ölfrüchten werden deutlich höhere Erträge erzielt. Soll beispielsweise mit Raps oder Sonnenblumen der gleiche Ölertrag erzielt werden wie mit Palmöl, ist das Dreifache bzw. Vierfache an Anbaufläche nötig. Für die industrielle Anwendung ist Palmöl auch aufgrund seiner speziellen Verarbeitungseigenschaften besonders attraktiv. So ist es bereits bei Zimmertemperatur fest und muss daher nicht mehr extra gehärtet werden. Der wohl wichtigste Grund ist aber der, verglichen mit anderen Pflanzenölen, sehr niedrige Preis.

Diesen Vorteilen stehen andererseits gravierende Nachteile bzw. Probleme gegenüber. Um Palmöl im Lebensmittelbereich einsetzen zu können, muss es einen Raffinationsprozess durchlaufen, denn es kann nicht kaltgepresst wie zum Beispiel Raps- oder Sonnenblumenöl verwendet werden. Allerdings entstehen bei der Raffination insbesondere von Palmöl bei den nötigen sehr hohen Temperaturen gesundheitsgefährdende Stoffe in relevanten Mengen wie Glycidyl-Fettsäureester und 3-Monochlorpropandiol. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) und das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) beurteilen diese Stoffe kritisch. So urteilt das BfR, das sie „ein gesundheitsschädigendes Potential aufweisen und daher in Lebensmitteln unerwünscht sind“.

Zudem ist die Erzeugung zu wenig auf Nachhaltigkeit ausgerichtet. Sowohl bei der Bezahlung und den Bedingungen für die Arbeiter auf den Plantagen als auch bei den Umweltstandards gibt es erhebliche Defizite. So können die Ölpalmen nur im tropischen Klima wachsen. Das bedeutet, sie stehen in direkter Konkurrenz zur Regenwaldfläche in den Anbauländern. Um Flächen für Palmölpalmen nutzen zu können, werden diese häufig durch Brandrodung urbar gemacht. Der Anbau auf großflächigen Plantagen verursacht nicht selten Land- und Nutzungskonflikte mit der lokalen Bevölkerung.

Verschärft werden die Probleme dadurch, dass die derzeitige nationale und europäische Kraftstoffpolitik nachhaltig zertifizierte Biokraftstoffe aus heimischen Pflanzenölen in einen Topf mit billigem Palmöl aus oftmals zweifelhafter Produktion wirft. Dies führt auch dazu, dass der Verbrauch von Rapsöl für die Biodieselherstellung weiter rückläufig ist. Dabei liefert die heimische gentechnikfreie Rapserzeugung gleichzeitig mit Rapsschrot ein hochwertiges heimisches Eiweißfuttermittel. Rapsschrot trägt maßgeblich dazu bei, bei Eiweißfuttermitteln die Abhängigkeit von Importen deutlich zu reduzieren. Ohne den heimischen Rapsschrot wären rund 1 Million Hektar zusätzliche Anbaufläche im Ausland, zum Beispiel durch Soja in Südamerika, nötig um den Bedarf an Eiweißfuttermitteln zu decken. Der Trend, einheimische Eiweißträger – ohne Gentechnik – zu fördern, wäre gestoppt und die Abhängigkeit von im Ausland erzeugten Futtermitteln würde wieder steigen.

Für den Bayerischen Bauernverband überwiegt nach intensiver und breiter Meinungsbildung in seinen Gremien die Summe der Nachteile von Palmöl. Deshalb positioniert sich der Bayerische Bauernverband beim Thema „Palmöl“ gegenüber Politik, Wirtschaft und Gesellschaft:

  • Wir rufen dazu auf, Palmöl in Lebensmitteln durch nachhaltigere heimische Alternativen wie zum Beispiel Butter oder heimische Pflanzenöle zu ersetzen.
     
  • Wir fordern, dass bei der Produktion von Palmöl soziale, ökologische und qualitative Standards eingehalten und kontrolliert werden müssen. Nur so kann die Palmölpalme den Menschen in den Entwicklungsländern, in denen Palmöl erzeugt wird, Perspektiven auf ein besseres Leben bieten.
     
  • Die Politik ist gefordert, sich eindeutig zu Biokraftstoffen aus heimischen Pflanzenrohstoffen, wie zum Beispiel Rapsöl, zu bekennen und diese verstärkt zu fördern.
     
  • Wir regen an, dass Milcherzeuger bzw. Rinderhalter auf Milchaustauscher ohne Palmölzusatz setzen oder den Weg der Vollmilchtränke zur Kälberaufzucht wählen.

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