Land & Verband

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Diskussionsrunde Landesausschuss
Neben Landesbäuerin Anneliese Göller (li.) äußerten sich auch Annemarie Biechl (3. v. li.), Susanne Kilian (4. v. l.) Elisabeth Meier (2. v. re.), Katja Ölberger (re.) zu der Frage, wie sie sich die Landfrauenarbeit der Zukunft vorstellen. Dazu legten sie Gegenstände in einen Koffer - hier die BJB-Vorsitzende Tina Stünzendörfer. (Mitte )

Die Landfrauenarbeit wird vielfältiger werden

Zu ihrem 70. Geburtstag richten die Landfrauen den Blick in die Zukunft

06.11.2018 |

„In 20 Jahren wird die Landfrauenarbeit noch vielfältiger sein als heute“, sagte Landesbäuerin Anneliese Göller  bei einer Diskussion im Rahmen des Landesausschusses in Herrsching. Themen aus der Agrarpolitik gewinnen in der Landfrauenarbeit größere Bedeutung, aber auch die Digitalisierung wird die kommende Generation stärker beschäftigen. Daneben werden die klassischen Themen Bildungsarbeit, Öffentlichkeitsarbeit und Brauchtumspflege weitergeführt. „Die Bäuerinnen werden auch in 20 Jahren diejenigen sein, die eher traditionsverbunden sind. Das Gemeinschaftsgefühl und persönliche Treffen werden auch weiterhin die Landfrauenarbeit ausmachen“, so Göller.

In punkto Ehrenamt ist ihr wichtig, dass ehrenamtliche Arbeit den Blick auf das Ganze richtet. Eine zu starke Verengung auf den persönlichen Nutzen sollte es nicht geben. Zudem gibt die Landesbäuerin zu bedenken: „Ehrenamtliches Engagement setzt Zeit voraus und die ist bei den jüngeren Betriebsleiterinnen knapp. Wer sich ehrenamtlich engagiert, möchte auch etwas bewegen.“

Bäuerin bleibt das Herz des Hofes

Die Bäuerin wird für Anneliese Göller weiterhin das Herz des Hofes sein und alles zusammenhalten. Sie wird sich nicht nur um Familie und Kinder kümmern, sondern entweder auf dem Betrieb oder außerhalb des Betriebs erwerbstätig sein. „Auch das Bäuerinnenbild wird vielfältiger. Der Anteil der Betriebsleiterinnen wird steigen, auch der Anteil derjenigen, die eigenständig einen Betriebszweig bewirtschaften. Dabei wird sich der Trend nach Qualifizierung fortsetzen. Zudem wird es mehr Frauen geben, die nicht aus der Landwirtschaft kommen und ihren Beruf weiterführen. Doch auch diese Frauen stehen hinter dem Betrieb und tragen seine Ausrichtung mit.“

Der Anteil der Betriebe, die mehrere Standbeine haben, werde weiter steigen. Daneben werde es aber auch weiter wachsende spezialisierte Betriebe geben. Gewerbebetriebe, die oft auch von Frauen betrieben werden, werden maßgeblich zum Gesamtbetriebseinkommen beitragen – im Übrigen auch zur Versorgung der Altenteiler. „Ich denke, dass künftig mehr Altenteiler als bisher außerhalb der Landwirtschaft versorgt werden“, sagt Göller.

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Anneliese Goeller
Landesbäuerin Anneliese Göller

Diskussionsrunde „… und wie sehen wir uns in 20 Jahren?“

Neben Landesbäuerin Anneliese Göller äußerten sich fünf weitere Frauen zu der Frage, wie sie sich die Landfrauenarbeit der Zukunft vorstellen: Ehrenlandesbäuerin Annemarie Biechl, die dlv Jungunternehmern des Jahres Elisabeth Meir, Katja Ölberger als Vertreterin des Netzwerks „Junge Landfrauen“, die Vorsitzende der Bayerischen Jungbauernschaft Tina Stünzendörfer und die ehemalige Grundkurssprecherin Susanne Kilian. Sie alle brachten ein Geschenk mit, das die Landfrauen die kommenden 20 Jahre auf ihrem Weg unterstützen und begleiten soll. Landesbäuerin Göller steuerte einen Kompass bei. Er weise den Weg und helfe, das gesetzte Ziel zu erreichen. Ehrenlandesbäuerin Annemarie Biechl legte den Landfrauen zwei Rosen in den Koffer der Zukunft: eine Knospe für das Bewahren von Werten und Traditionen und eine aufgeblühte Rose für Veränderung. „Wir übergeben eine Laterne, um den Weg auszuleuchten und Möglichkeiten aufzutun“, sagte die BJB-Vorsitzende Stünzendörfer. Elisabeth Meir übergab den Landfrauen ein Fläschchen Mut. „Mit den Jahren werden Sie diesen brauchen, um Veränderungen zu wagen und auch Ihre Interessen zu vertreten. Es erfordert Courage, zu seinen Vorstellungen und Traditionen zu stehen“, sagte die erfolgreiche Jungunternehmerin. Katja Ölberger übergab ein blaues Ballenband. „Früher hat dieser ´blaue Strick´ den ganzen Hof zusammengehalten. Man konnte sich einen Betrieb ohne diese Ballenbänder gar nicht vorstellen. Die Landfrauen müssen wie durch so einen ´blauen Strick´ zusammenhalten und vernetzt sein“, sagte sie. Die ehemalige Grundkurssprecherin Susanne Kilian legte einen Schlüssel in den Koffer. „Er soll dafür stehen, um weiterhin Türen zu öffnen für die neuen Herausforderungen der Zukunft. Andererseits soll er symbolisieren, dass es wichtig ist,  Traditionen und Werte sicher zu bewahren.“

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Prof. Stehle
Prof. Dr. Peter Stehle von der Universität Bonn, beleuchtete die Zukunft der Ernährung

Wie essen wir in Zukunft?

Von der Zukunft der Landfrauen zur Zukunft unserer Ernährung: „Essen wir bald anders?“ – dieser Frage ging Prof. Dr. Peter Stehle von der Universität Bonn in seinem Vortrag nach. Stehle stellte die These auf, dass sich die Rahmenbedingungen für die Lebensmittelproduktion in den nächsten Jahren verändern werden. Drei Gründe sieht er hierfür: zum einen neue Methoden in der Landwirtschaft (z. B. Genome Editing), aber auch geänderte Rezepturen in der Lebensmittelindustrie (z. B. Reduktion von Zucker, Salz und Fetten) oder neue Lebensmittel (neue Eiweißquellen wie Insekten). Zudem geht Stehle davon aus, dass sich Ernährungskonzepte künftig stärker individualisieren werden. Dabei würden Erkenntnisse über die individuelle genetische Ausstattung oder über die Wechselwirkungen zwischen Genom, Ernährung und Stoffwechsel genutzt, um Verhaltensempfehlungen aufzustellen.

Der Landesausschuss ist das höchste Gremium der Landfrauengruppe im Bayerischen Bauernverband. Hier ziehen die Landesbäuerin und ihre Stellvertreterinnen Bilanz über das abgelaufene Jahr, indem sie den Rechenschaftsbericht ablegen. Sie würdigten die engagierte Arbeit der Kreis- und Bezirksverbände und wiesen auf die Erfolge in der politischen Interessenvertretung hin. Landesbäuerin Anneliese Göller und ihre Stellvertreterinnen Christine Singer und Christine Reitelshöfer gaben einen Überblick der geleisteten Arbeit in den Gremien, der Zusammenarbeit mit anderen Organisationen, der Erwachsenenbildung, im Erzeuger-Verbraucher-Dialog, in der Öffentlichkeitsarbeit und gingen auf weitere Aktivitäten ein.


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