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Covid-19 stellt viele Landwirte auch für wirtschaftliche Schwierigkeiten

Corona-Pandemie: Taten müssen folgen

Position der Landfrauen im Bayerischen Bauernverband zur Corona-Pandemie

10.02.2021 |

Der Landesvorstand der Landfrauen im Bayerischen Bauernverband hat in seiner Sitzung am 10. Februar 2021 folgende Position mit Forderungen verabschiedet:

 

Wertschätzung für regionale Lebensmittel muss erhalten bleiben

Die Corona-Pandemie macht deutlich, wie wichtig die Versorgung der Bevölkerung mit regionalen Lebensmitteln in Krisenzeiten ist. Es wird wertgeschätzt, Landwirtschaft im eigenen Land zu haben, auf regionale Produkte zurückgreifen zu können und die Vielfalt an pflanzlichen und tierischen Lebensmitteln sicherstellen zu können. Viele Bauernfamilien und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im vor- und nachgelagerten Bereich tragen dazu bei, dies jeden Tag umzusetzen.

Der Landesvorstand setzt sich deshalb dafür ein, dass die heimische Landwirtschaft nicht nur in Krisenzeiten Anerkennung erfährt, sondern dass diese Wertschätzung auch in Zukunft erhalten bleibt. Das muss sich in Gesetzen widerspiegeln und politische Entscheidungen müssen sich zukünftig auch daran messen lassen, ob sie dazu beitragen, die Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln aus dem eigenen Land zu stärken. Das Ziel 50 Prozent regionale Produkte bzw. regionale Bio-Produkte in der Außer-Haus-Verpflegung muss konsequent verfolgt  werden – auch wenn dann für Kantinenessen mehr ausgegeben werden muss. Denn der Absatz jedes regionalen Produkts sichert das Auskommen der Bauernfamilien vor Ort und trägt zudem zum Klimaschutz bei.

Wichtig ist auch, dass die Marktpreise für landwirtschaftliche Produkte stabil gehalten werden. Nötig ist die dauerhafte Abkehr von der Niedrigpreisstrategie des Lebensmitteleinzelhandels, die Wertschöpfung und Nachhaltigkeit zerstört und ausschließlich zulasten der Marktpartner – insbesondere der Erzeuger – geht. Die Umsetzung der EU-Richtlinie gegen unlautere Handelspraktiken (UTP) muss dafür sorgen, dass Bäuerinnen und Bauern in Geschäftsbeziehungen gerecht behandelt werden.

Aufwertung der Berufe im Gesundheits-, Pflege- und Sozialwesen muss nachhaltig erfolgen

Der Landesvorstand sieht darüber hinaus dringenden politischen Handlungsbedarf, die Arbeit im Gesundheits-, Pflege- und Sozialwesen langfristig aufzuwerten. Die Corona-Pandemie macht deutlich, dass unser gesamtes gesellschaftliches Zusammenleben ohne die oftmals unterbezahlten Care-Berufe, die überwiegend von Frauen ausgeübt werden, nicht funktioniert. Eine funktionierende und zukunftsfähige Gesellschaft kann nur sichergestellt werden, wenn die Beschäftigten im Gesundheits-, Pflege- und Sozialwesen auch die finanzielle Entlohnung und gesellschaftliche Wertschätzung bekommen, die sie verdienen. Neben einer deutlichen monetären Aufwertung der Berufe im Gesundheits-, Pflege- und Sozialwesen müssen sich die Rahmenbedingungen für die Angestellten in diesen Berufen langfristig verbessern. Dazu gehören Aufstiegs- und Karrierechancen und eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Nur so können sorgende und betreuende Berufe für junge Menschen attraktiv gemacht werden.

In diesem Zusammenhang muss auch die Hauswirtschaft noch viel stärker ins Blickfeld gerückt werden. Pflege und Hauswirtschaft gehen in Krankenhäusern und Altenheimen Hand in Hand. Die hauswirtschaftlichen Berufe sind für die Versorgungs- und Betreuungsleistungen wie Verpflegung, Wäscheservice oder Reinigen zuständig und ergänzen damit die Leistungen von Ärzten und Pflegern – auch im Bereich der Hygiene. Auch dieses Berufsfeld muss dringend mit einer angemessenen Bezahlung die Wertschätzung erhalten, die es verdient.

Bedeutung der Alltagskompetenzen darf nicht unterschätzt werden

Durch die Corona-Pandemie hat sich der Alltag verändert. Am meisten spüren dies die Familien, die Homeoffice sowie Kinderbetreuung und Schule daheim bzw. häusliche Pflege unter einen Hut bringen müssen, weil die Unterstützung durch Großeltern und Betreuungsinstitutionen derzeit wegfallen.

Um diese Situation zu meistern, sind Alltagskompetenzen wichtiger denn je: Gesundes und abwechslungsreiches Essen für die Familie,  Einkauf und Nachhaltigkeit, Fragen der praktischen Haushaltsführung, der Arbeitsplatzgestaltung und der Digitalisierung spielen plötzlich eine deutlich wichtigere Rolle als vor der Corona-Pandemie. Was Haushaltsführung, Kinderbetreuung und Homeschooling anbetrifft, leisten im Moment gerade Frauen überwiegend die Mehrarbeit. Werden Alltagskompetenzen in der Schule über alle Schularten hinweg vermittelt und zu Hause praktisch vorgelebt, können Familien- und Haushaltsmanagement zunehmend partnerschaftlicher geteilt werden.

Der Landesvorstand fordert, dass die vertiefte Vermittlung von Alltagskompetenzen in der Schule so schnell es die Pandemie zulässt in Angriff genommen wird. Die neuen Projektwochen „Schule fürs Leben“ leisten dazu einen wichtigen Beitrag.

Schnelles Internet ist flächendeckend nötig

Gerade auf dem Land spielt die Digitalisierung eine besondere Rolle: für das Leben und das Arbeiten, für die Familie, den Hof und für Unternehmen, die Bildung, die Gesundheitsversorgung, das bürgerschaftliche Engagement, den Tourismus und die Mobilität. Wie wichtig schnelles Internet ist, hat die Corona-Pandemie besonders deutlich gemacht. Für Homeoffice,  Distanzunterricht und Unterhaltungsangebote durch Streamingdienste ist ein leistungsfähiges Netz Grundvoraussetzung.

Der Landesvorstand fordert den zügigen Glasfaserausbau auch in abgelegenen ländlichen Regionen. Auch auf dem Land sind die technischen Voraussetzungen für flächendeckendes und hochleistungsfähiges  Internet in Gigabitgeschwindigkeiten bis auf jeden Hof notwendig. Jeder muss Zugang zu digitalen Angeboten haben. In Zeiten knapper Kassen braucht es dafür eine zwischen Bund, Ländern und Kommunen abgestimmte Gesamtstrategie.

 

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