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Biogasanlage zwischen Rapsfeldern

Sichere Wärme, Energie und Klimaschutz aus der Heimat

Verantwortungsvoll handeln und auf Energie aus Holz setzen

12.07.2022 |

Der Angriffskrieg Putins gegen die Ukraine und die daraus resultierenden Folgen haben zu einer Energiekrise in Deutschland und Europa geführt. Die aktuelle Debatte über ausbleibende Gaslieferungen und unzureichend gefüllte Gasspeicher zeigt, dass wir alle erneuerbaren Energiequellen für die Wärme- und Stromversorgung brauchen. Statt nur mehr Kohle- und Atomstrom sollte man die Bioenergie als wichtige zusätzliche und nachhaltige Alternative in den Blick nehmen. Umso mehr braucht es jetzt ein starkes Bekenntnis der Politik zur Bioenergie und deren nachhaltigen Ausbau.

Mit Unverständnis nimmt das Präsidium des Bayerischen Bauernverbandes zur Kenntnis, dass die Bundesregierung die Versorgungssicherheit im kommenden Winter ausschließlich über fossile Brennstoffe wie Kohle und importiertes Fracking-Gas sicherstellen will, das kurzfristig mobilisierbare Potenzial von nachhaltiger heimischer Bioenergie aber ungenutzt lassen möchte.

Im zukünftigen Energiemix ist die Land- und Forstwirtschaft Teil der Lösung. Die Landwirtschaft kann sowohl Nahrungsmittel als auch Energie, und zwar ohne gegenseitige Konkurrenz. Häufig können Koppel- oder Nebenprodukte der Nahrungsmittelerzeugung energetisch verwertet werden. kann hierbei nicht nur Nahrungsmittel oder Energie sondern sowohl als auch. Leider erfahren wir aus der Politik aktuell viele Lippenbekenntnisse, die dann aufgrund ideologischer Überzeugungen (Vermaisung, Monokulturen usw.) wieder in der Schublade verschwinden.

Das Präsidium unterstützt das Ziel der Bundesregierung, den Ausbau erneuerbarer Energien zu forcieren. Damit kann neben der Verbesserung der Versorgungssicherheit gleichzeitig der Umstieg von fossilen klimaschädlichen Energien hin zu klimaschonenden Energien beschleunigt werden.

Das Präsidium kritisiert jedoch massiv, dass bei diesen Überlegungen die Bundesregierung und EU-Kommission das Potenzial der Energiegewinnung aus heimischen nachwachsenden Rohstoffen völlig ignorieren. Vielmehr werden Überlegungen angestellt, die zur Folge haben, dass die rund 2,6 Mio. Holzöfen und 275.000 Holzzentralheizungen in Bayern künftig kalt bleiben müssen und der Betrieb von Biogasanlagen und Holzheiz(kraft)werken wirtschaftlich nicht mehr möglich sein wird.

Was läuft gerade schief?

  • Klimaschutzgesetz: Der daraus resultierende Zwang zum Aufbau des CO2-Speichers im Wald hat laut Thünen-Institut eine Halbierung der Holznutzung.
  • Honorierung Ökosystemleistungen: Es werden nur Naturschutzmaßnahmen und Nichtnutzung honoriert, jedoch nicht auch die nachhaltige Bewirtschaftung und Holzverwendung.
  • Brennstoffemissionshandelsgesetz: Unser nachwachsendes Holz soll wie fossile Energieträger (Heizöl, Kohle, Gas) mit einer CO2-Steuer belegt werden.
  • Biodiversitätsstrategie: Auf 30% der Landfläche soll es Bewirtschaftungseinschränkungen geben, auf 10 % soll jegliche Nutzung verboten werden.
  • RED III: Die Nutzung von Energie aus Waldholz soll verboten werden.
  • Fit for 55 -Paket: Inkohärente Politik, denn einerseits sollen der Holzbau und die Bioökonomie ausgebaut werden, andererseits werden v.a. neue Nutzungsverbote/-einschränkungen gefordert, so dass die dafür notwendigen Rohstoffe fehlen und Holz importiert werden müsste.
  • EEG: Die Novelle wird zu einem Rückbau von kleinen und mittleren Biogasanlagen führen, Neubauten sind fraglich.

Diese beispielhaft genannten politischen Weichenstellungen hätten massive negative Auswirkungen auf Waldumbau, Klimaschutz und Wirtschaft im ländlichen Raum zur Folge. Die Land- und Forstwirtschaft sind Hauptbetroffene des Klimawandels. Zahlreiche Wissenschaftler betonen aber auch, dass eine klimaschützende Energiewende ohne die Land- und Forstwirtschaft nicht möglich ist, denn sie ist die einzige Branche, die CO2 der Atmosphäre entziehen kann. Zugleich kann sie einen wichtigen Beitrag leisten, unabhängiger von russischem Gas und Öl zu werden. Nachwachsende Rohstoffe können vor Ort in der Heimat klimaschonend produziert sowie stofflich und energetisch verwertet werden. Gleichzeitig ersetzen sie damit klimaschädliche Rohstoffe und fossile Energien.

Biogasanlagen sind kurzfristig aktivierbar und helfen Blackouts zu vermeiden

Viele bestehende Bioenergieanlagen haben die Möglichkeit, kurzfristig ihre Gas-, Strom- und Wärmeproduktion zu erhöhen und so die Nutzung von Erdgas zu reduzieren und die Gasspeicher zu schonen. Das kurzfristig mobilisierbare technische Potenzial allein des bestehenden Biogasanlagenparks wird auf eine Steigerung von im Schnitt 20 Prozent geschätzt, insgesamt also 19 Terawattstunden (TWh) Gas bzw. 7 TWh Strom, was knapp 4 Prozent der russischen Erdgasimporte vor Ausbruch des Kriegs in der Ukraine entspricht.

Um dieses Potenzial zu heben, sollten regulatorische Einschränkungen für eine Erhöhung der Energieproduktion kurzfristig und befristet ausgesetzt werden. Die wichtigsten Maßnahmen betreffen das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG), das Baugesetzbuch (BauGB) sowie das Bundesimmissionsschutzgesetz (BImSchG):

  • EEG: Befristete Aussetzung der Höchstbemessungsleistung
  • EEG: Befristete Flexibilisierung des Güllebonus
  • BauGB: Befristete Aussetzung von Beschränkungen für baurechtlich privilegierte Biogasanlagen
  • BImSchG: Befristete Lockerung der Pflicht zur Genehmigung wesentlicher Änderungen
  • EEG: Dauerhafte Anhebung der Obergrenze der Sondervergütungsklasse für Güllevergärung
  • EEG: Befristete Aussetzung der Obergrenze für den Anteil von Mais am Einsatzstoffmix

Die im virtuellen Kraftwerk vernetzten Anlagen passen im Rahmen der Bereitstellung von Sekundärreserve ihre Anlagenfahrweise innerhalb von 5 Minuten an die Erfordernisse des Stromnetzes an und helfen so Blackouts zu vermeiden.

Biokraftstoffe sind eine klimaneutrale Alternative für fossile Kraftstoffe

Biokraftstoffe reduzieren Treibhausgasemissionen um mehr als 80 Prozent (BLE 2017). Die Landwirtschaft trägt damit entscheidend zur Minderung von Treibhausgasemissionen im Verkehrssektor bei. Die Landwirtschaft erzeugt bei der Biokraftstoffproduktion gleichzeitig wichtige heimische Eiweißfuttermittel (Rapsschrot), die für die Ernährung unserer Tiere unverzichtbar sind. Der Einsatz heimischer Futtermittel vermeidet Importe und Treibhausgasemissionen durch weite Transportwege. Die diskutierte Senkung der Biokraftstoffquote ist hier absolut kontraproduktiv.

Nachhaltig mögliches Potenzial der Holzenergie ausschöpfen

Laut Energieholzmarktbericht 2018 kann die Energieholznutzung, ohne die Nachhaltigkeit und die Biodiversität in Frage zu stellen, nochmals um rund 20 Prozent gesteigert werden. Denn bislang werden nur rund zwei Drittel des natürlichen Zuwachses genutzt. Der Waldumbau hin zu mehr Laubholz und die klimawandelbedingten Kalamitäten werden auch mehr Holzsortimente zur Folge haben, die wie das meiste Gebrauchtholz ohnehin nicht stofflich verwertbar sind.

Da Holz nicht unendlich verfügbar ist, ist darauf zu achten, dass Energieholz aus nachhaltiger Forstwirtschaft kommt. Deutschland ist dabei seitlangem weltweites Vorbild. Die Versorgungssicherheit ist durch den Einsatz heimischen Holzes gewährleistet. Zugleich verbleiben 95% der Wertschöpfung in der Region. Das Präsidium setzt auf dezentrale Holzenergieanlagen mit kurzen Wegen und lehnt ein Co-Fireing von Holz in Kohlekraftwerken ab. Holz ist für die Wärmeversorgung in Nahwärmenetzen ideal. Nicht zuletzt ist Holzenergie aufgrund des technischen Fortschritts eine sehr saubere Energie. So nahmen die Emissionen bei Scheitholz von 2010 auf 2018 um ein Drittel ab. Und nicht zuletzt ersetzt Holzenergie fossile Energieträger: so sind 300 g Einsparung CO2 je Kilowattstunde Energie möglich, wenn statt Heizöl Holz verbrannt wird.

Das Präsidium fordert deshalb neue und langfristig verlässliche Rahmenbedingungen für Biogas, Biokraftstoffe und Holz aus regionaler Erzeugung, um unabhängiger von Energieimporten zu werden und gleichzeitig das Klima zu schützen. Die Politik muss endlich das vorhandene Potenzial der Land- und Forstwirtschaft erkennen und ausschöpfen und unsere bäuerlichen Familien als Verbündete im Klimaschutz und zur Versorgungssicherheit anerkennen.

Die Position steht Ihnen hier zum Download zur Verfügung (pdf).

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