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Eine Hand streift über Weizenähren in einem Getreidefeld.

Farm-to-Fork Strategie im Rahmen des European Green Deal

Betrachtungen des Bayerischen Bauernverbandes

11.03.2020 |

Der Green Deal, mit dem die EU-Kommission ambitionierte Ziele im Umwelt- und Klimaschutz anstrebt, muss auch für Bauern, Waldbesitzer und Grundeigentümer eine wirtschaftliche Perspektive bieten und Eigentumsrechte wahren. Unter dieser Leitlinie stellt sich der Bayerische Bauernverband den Beratungen zum Green Deal insgesamt und aktuell speziell dem diskutierten Teilbereich der Farm-to-Fork-Strategie.
Für die Landwirtschaft ist es entscheidend, dass auch konkrete Lösungswege aufgezeigt werden. Statt neuer Regulierung und Auflagen sind neue Kooperationsmodelle und Märkte für Klima- und Umweltleistungen erforderlich.

Grundsätzliche Anliegen des Bayerischen Bauernverbandes für die Pläne zur Farm-to-Fork-Strategie sind vor allem:

  1. Versorgungssicherheit der Bevölkerung gewährleisten: Die Versorgung der europäischen Bürger mit hochwertigen heimischen Nahrungsmitteln muss bei allen Bestandteilen des von der EU-Kommission geplanten Green Deal sichergestellt werden. Und das sowohl bei den aktuellen Überlegungen für die Farm-to-Fork-Strategie als auch im Rahmen der geplanten Klimapolitik. Dafür müssen die EU-Politik und die Mitgliedsstaaten die landwirtschaftlichen Familienbetriebe stützen und stärken. Bei den Beratungen zum Green Deal und der Farm-to-Fork Strategie muss die Versorgungssicherheit als Stabilitätsfaktor ausreichend berücksichtigt werden. Eine zusätzliche Unterstützung bei der Anpassung an den Klimawandel, bei der Minderung von Emissionen und bei Kohlenstoffsenken ist erforderlich. Hierzu verweisen wir auf die Klimaschutzstrategie des Bayerischen Bauernverbandes aus dem letzten Jahr.
     
  2. Die Finanzierung der zusätzlichen Herausforderungen und Maßnahmen des European Green Deals insbesondere der Farm-to-Fork Strategie muss über zusätzliche und eigenständige Mittel vorgenommen werden und darf nicht zu Lasten bestehender Mittel der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) erfolgen. Für ein Generationenprojekt dieser Art müssen zusätzliche Finanzmittel bereitgestellt werden, die der Bedeutung dieses Themas gerecht werden.
     
  3. Stärkung der Rolle des Landwirts in der Erzeugerkette! Er bildet oftmals das schwächste Glied und darf daher mit den Herausforderungen nicht alleine gelassen werden. Notwendig dafür ist gesellschaftliche Aufklärung und ein Umdenken der Konsumenten. Um eine bewusstere und gesündere Ernährung sowie eine Reduzierung der Lebensmittelverschwendungen zu erwirken, ist intensivere Aufklärung und Bildung unabdingbar.
     
  4. Gleiche Standards! Gerade bei Handelsabkommen der EU-Kommission müssen für die Handelspartner die europäischen Prozessstandards verbindlich gelten und es muss ein ausreichender Außenschutz bei den sensiblen Agrarerzeugnissen der europäischen Landwirtschaft gewahrt werden. Insbesondere müssen auch Ansätze gefunden werden, wie den Konsumenten die hohen Standards der Prozessqualität bei der Erzeugung von Lebensmitteln in der EU den Konsumenten und gerade auch die Unterschiede zu Importen aus Drittstaaten verdeutlicht werden können. Neben Umwelt-, Tier- und Klimaschutz zählen hierzu auch noch weitere Aspekte, die die Wettbewerbsfähigkeit beeinflussen, z.B. Arbeitsbedingungen und Löhne.
     
  5. Weiterentwicklung im Einklang mit dem Markt! Alle Weiterentwicklungen der hiesigen Erzeugung von Lebensmitteln dürfen nur im Gleichklang mit der Weiterentwicklung des Marktes einschließlich der tatsächlichen Nachfrage durch den Verbraucher erfolgen. Dabei müssen bereits im Vorfeld die zu erwartenden Auswirkungen von geforderten Produktionsumstellungen diskutiert und berücksichtigt werden.
     
  6. Tierwohl in Europa vereinheitlichen! Wir benötigen einheitliche Tierwohlstandards in der EU. Hierzu zählen auch Tierwohlindikatoren, die auf wissenschaftlicher Basis definiert werden. Der Beratung kommt hierbei eine entscheidende Rolle zu.
     
  7. Tiergesundheit verbessern! Das Niveau der Haltungsbedingungen muss in der EU vereinheitlicht und das Level an Hygiene und Biosicherheit weiterentwickelt werden. Aber auch zukünftig müssen kranke Tiere behandelt werden. Dazu gehören auch die Anwendung von antibiotischen Wirkstoffen, die für den jeweiligen Erreger wirken und die Entwicklung neuer antibiotischer Wirkstoffe. Ein weiterer Bestandteil sollte ein Tiergesundheitsmonitoring sein, mit dessen Daten die Debatte um die Weiterentwicklung der Tierhaltung versachlicht werden kann.
     
  8. Ökolandbau ausbauen! Die Voraussetzung dafür ist eine Sicherstellung des Absatzes. Die Marktbedingungen müssen mitwachsen.
     
  9. Anwendungsmengen von Pflanzenschutzmitteln optimieren! Der Einsatz muss auf das notwendige Maß reduziert werden. Allerdings ist die Verfügbarkeit von Pflanzenschutzmitteln so auszurichten, dass ein ausreichender Schutz der Kulturpflanzen möglich ist sowohl hinsichtlich des Ertrags als auch der Qualität. Ebenso bedarf es neuer Wirkstoffgruppen, die einen wirksamen Pflanzenschutz auch in Zukunft gewährleisten, insbesondere auch unter dem Aspekt des Klimawandels mit neuen Schädlingen. Durch erleichterte Zulassungsbedingungen für innovative Pflanzenschutzmittel sowie krankheitsresistentes Saatgut können weitere Anreize zur Reduktion geschaffen werden. Der Einsatz von biologischen Pflanzenschutzmitteln ist zu bevorzugen, wenn sie eine ausreichende Wirksamkeit haben. Gleiches gilt für Low Risk Produkte. Dazu bedarf es dringend weiterer Forschung.
     
  10. Landwirtschaftliche Produktion ist Teil der Lösung für einen nachhaltigen Biodiversitätsschutz, indem über den kooperativen Weg vor allem mittels der Agrarumweltprogramme der GAP freiwillig besondere Naturschutz- und Umweltleistungen gestärkt werden.
     
  11. Weg für Innovationen freimachen!  Forschung und Entwicklung müssen zur Weiterentwicklung der nachhaltigen Land- und Forstwirtschaft vorangetrieben werden.
     
  12. Bioökonomie stärker in den Fokus nehmen! Eine erfolgreiche Energiewende kann nur gelingen, wenn die technologieoffene Energieerzeugung aus Biomasse für die Bereiche Strom, Wärme und Verkehr eine stärkere Gewichtung erlangt. Schon heute leistet die Landwirtschaft durch die Bereitstellung von Biomasse für nachhaltig zertifizierte Biokraftstoffe einen wichtigen Beitrag zur Dekarbonisierung des Verkehrssektors. Die vorgesehene Reduzierung des Anteils von Biokraftstoffen aus Anbaubiomasse im Kraftstoffmix ist daher nicht nachvollziehbar, denn Biokraftstoffe sind das effizienteste Instrument zur Verringerung der Treibhausgasemissionen. Gewichtige Beiträge kann die Landwirtschaft auch zur dezentralen und flexiblen Energiegewinnung (inkl. Kraft-Wärme-Kopplung) und zur Bioökonomie leisten.

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