Landwirtschaft & Umwelt

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Porträt Georg Wimmer, stellvertretender Generalsekretär des Bayerischen Bauernverbandes

BR-Berichterstattung nicht hinnehmbar

Kommentar von BBV-Generalsekretär Georg Wimmer

31.10.2019 |

In aller Herrgottsfrüh und aus allen Ecken Bayerns sind Bäuerinnen und Bauern am 22. Oktober aufgebrochen, um den Blick auf die immensen Probleme auf den Höfen zu lenken. Jeweils mehr als tausend Traktoren rollten nach München, Bayreuth und Würzburg. Und dort wurden die Bäuerinnen und Bauern – und das ist angesichts der Verkehrsbehinderungen keineswegs selbstverständlich – am Straßenrand von nach oben gereckten Daumen und vielen winkenden Passanten begrüßt. Es waren die größten landwirtschaftlichen Proteste seit Langem, Vertreter von allen landwirtschaftlichen Organisationen waren mit dabei. Verbands- und parteiunabhängig und doch gemeinsam ist es den vielen Bäuerinnen und Bauern gelungen, ein eindrucksvolles und positives Zeichen gegenüber Politik und Gesellschaft zu setzen.

In der Hauptnachrichtensendung des Bayerischen Rundfunks jedoch wurde am Abend ein anderes, ein falsches Bild gezeichnet. Die Landwirtschaftsexpertin des öffentlich-rechtlichen Senders machte Landwirte zu Empfängern von Subventionen, die angeblich nur aus Steuern der Stadtbevölkerung bezahlt werden. Da sei es nur logisch, dass als Gegenleistung auf den Höfen künftig noch mehr Regeln und Verbote gelten sollen. Während die Bauern rund um die Aktionen viel Verständnis und Unterstützung erfahren haben, werden vom BR so Stadt und Land gezielt gegeneinander ausgespielt.

Aber mehr noch: Da wurde auch eine bereits lange geplante Demo in Straßburg kurzerhand als Gegendemo der Ökobauern darstellt – und zwar obwohl in Bayern und ganz Deutschland ökologisch wirtschaftende Landwirte und ihre konventionellen Berufskollegen gemeinsam auf die Straße gegangen sind. Von den „Wir haben es satt“-Organisatoren wurde inzwischen selbst klargestellt, dass die Aktion in Straßburg nichts mit den „Land schafft Verbindung“- Veranstaltungen zu tun hatte. Bäuerinnen und Bauern, die gemeinsam und für ein gemeinsames Anliegen auf die Straße gegangen sind, werden so vom BR öffentlich gegeneinander ausgespielt.

Es spielt eigentlich gar keine Rolle, ob dieses falsche Bild bewusst gezeichnet wurde oder wegen Fehlern in der Recherche zustande gekommen ist. Eine solche Art der Berichterstattung im öffentlich-rechtlichen Rundfunk ist nicht hinnehmbar. Bauernpräsident Walter Heidl hat sich sofort mit einem Brief an BR-Informationsdirektor Thomas Hinrichs gewandt, die Fehler aufgezeigt und eine Richtigstellung eingefordert. Rundfunkrat Hermann Greif hat die Kritik aus der Landwirtschaft am 24. Oktober direkt im Rundfunkrat vorgebracht. Zwischenzeitlich sind eine Vielzahl von Beschwerdebriefen beim Bayerischen Rundfunk eingegangen, in denen ebenfalls die große Verärgerung zum Ausdruck kommt.

Wie bei den Demos und in der politischen Arbeit gilt auch hier: Durch den gemeinsamen Einsatz können wir etwas bewegen und erreichen.

 


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