BZI Oberbayern 2025
Informationsreise „Absatzförderung landwirtschaftlicher Produkte“ – 18./19. November 2025
Die Reise bot spannende Einblicke in regionale Wertschöpfungsketten, handwerkliche Lebensmittelproduktion und nachhaltige Landwirtschaft.
Traditioneller Linsenanbau wiederbelebt
Erster Programmpunkt waren die Lauteracher Alb-Feldfrüchte, wo 150 Anbauer alte Linsensorten kultivieren. Die Linsen benötigen rund vier Monate Wachstum und eine Stützfrucht wie Gerste. Erstaunlich war für viele, dass der Linsenanbau zwischen 1955 und 1985 komplett verschwunden war. Durch die Wiederentdeckung der „Alb-Linse“ in St. Petersburg konnte der Anbau in der Region neu belebt werden.
Die Führung durch die aufwendige Reinigungsanlage zeigte eindrucksvoll, wie Beikräuter, Stützfrüchte und Linsen getrennt werden. Neben Linsen baut die Erzeugergemeinschaft u. a. Braugerste, Hafer, Leindotter, Buchweizen, Lein-, Hanf- und Hirsesamen an und vermarktet jährlich zwischen 120 und 250 Tonnen – je nach Ernte. Beim gemeinsamen Mittagessen überzeugten sich alle von der hervorragenden Qualität der Produkte.
Einblick in die Fischzucht am Forellenhof
Am Nachmittag folgte die Besichtigung des Forellenhofs Rössle in Honau. In den Quellteichen der Echaz herrschen ganzjährig 8–11 Grad – optimal für Forellen, Lachsforellen und Saiblinge. Rund 220.000 Jungfische werden jährlich eingesetzt, die Verarbeitung erfolgt direkt am Betrieb.
Die Teilnehmerinnen erfuhren, wie wichtig Sauerstoff, sauberes Wasser und konstante Bedingungen für die Fischgesundheit sind – gerade in trockenen Sommern eine Herausforderung. Nach einer kleinen Verkostung in der Toblermühle und einem wärmenden Punsch klang der Tag beim gemeinsamen Abendessen im Forellenhof aus.
Alkoholfreie Spezialitäten aus historischen Obstsorten
Am nächsten Morgen führte die Reise zur Manufaktur Jörg Geiger in Schlat. Seit über 20 Jahren entstehen dort alkoholfreie Spezialitäten aus alten Obstsorten regionaler Hochstammwiesen. Die Basis bilden rund 600 Familien mit 30.000 Bäumen – handwerklich gepflegt, pestizidfrei und fair entlohnt.
Besonders beeindruckte die Vielfalt der Produkte: rund 60 Sorten, darunter saisonale Kreationen und hochwertige Cuvées für Food Pairing, Gastronomie oder besondere Anlässe. Einige Innovationen entstanden aus besonderen Situationen, etwa der Prisecco aus „unreifen Äpfeln & Eichenlaub“, als ein Sturm Obst vorzeitig zu Boden brachte. Die enge Zusammenarbeit mit Forschungseinrichtungen wie der TUM unterstreicht den Anspruch an Qualität und Nachhaltigkeit.
Wertschöpfungskette Getreide: Besuch der SchapfenMühle
Am Nachmittag ging es weiter zur SchapfenMühle nach Ulm – dem ältesten noch produzierenden Unternehmen der Stadt. Die Fahrt auf den 107 Meter hohen Getreidespeicher bot einen beeindruckenden Blick über Ulm und die fast sichtbaren Alpen.
Einkäufer David Quast informierte über die enge Kooperation mit rund 250 Vertragslandwirten sowie die Schwerpunkte Dinkel, Emmer und weitere heimische Getreide. Die Teilnehmerinnen verfolgten die Verarbeitung vom Korn bis zum Mehl: von Annahme und Reinigung über den Mahlprozess bis zu Mehlen, Schroten, Kleien und Puffprodukten. Besonders interessiert waren die Landfrauen an heimischer Gerste und ihrem gesundheitlichen Wert – Stichwort Beta-Glucan. Der Betrieb liefert sowohl an Industrie und Lebensmitteleinzelhandel als auch in den Export.
Landwirtschaft in der Systemgastronomie
Zum Abschluss besuchten die Teilnehmerinnen McDonald’s Derching, wo Manuela Miller über die Bedeutung der Landwirtschaft für die Lieferkette des Unternehmens informierte. Viele Rohwaren stammen aus langfristigen, regionalen Partnerschaften – teils über 40 Jahre.
Regionalität und Transparenz standen im Mittelpunkt: Die Gruppe erfuhr, woher Brot, Fleisch, Salate und andere Zutaten kommen und wie Tierwohl- und Nachhaltigkeitsstandards umgesetzt werden. Ein Blick hinter die Kulissen der Küche zeigte, wie standardisierte Abläufe funktionieren – und eine Teilnehmerin durfte sogar selbst testen, wie schnell ein Cheeseburger zubereitet werden kann.
Die Lehrfahrt zeigte eindrucksvoll, wie vielfältig landwirtschaftliche Produkte in der Region verarbeitet, veredelt und vermarktet werden. Ob traditionelle Linsensorten, hochwertige Fischzucht, Spezialitäten aus Streuobst oder moderne Mühlen- und Systemgastronomie: Die Reise verdeutlichte, wie wichtig regionale Wertschöpfungsketten sind – und wie stark Landwirtschaft und Ernährung miteinander verknüpft bleiben.