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Trockenheit nimmt besorgniserregende Ausmaße an

Bayerische Land- und Forstwirtschaft in allen Sektoren von Klimaextremen betroffen – BBV fordert Umsetzung steuerfreier Risikoausgleichsrücklage aus Koalitionsvertrag

05.08.2026 | Die anhaltende Trockenheit und Hitze machen Bayerns Land- und Forstwirtschaft zunehmend zu schaffen. Bereits jetzt zeichnen sich gravierende Folgen für Ernte, Futtermittelversorgung und den Zustand der heimischen Wälder ab, so der Bayerische Bauernverband (BBV).

Desolater Zustand des Grünlands setzt Tierhalter unter Druck

In einer aktuellen Umfrage des Verbands berichten die Betriebe von massiven Auswirkungen der Trockenheit und Hitze, insbesondere für das Grünland. Lediglich 21 Prozent der Betriebe geben ihren Flächen noch gute bis ausreichende Noten. Knapp 80 Prozent dagegen bewerten ihre Grünlandflächen als mangelhaft oder gar ungenügend (39 Prozent). Vielerorts ist in Bayern der dritte Schnitt nach zwei schwachen Schnitten komplett ausgefallen. Dies hat Auswirkungen auf die Verfügbarkeit von Futter: Bayernweit gaben fast vierzig Prozent der teilnehmenden Landwirte an, bereits Futter zukaufen zu müssen. Besonders hoch liegt ihr Anteil in der Oberpfalz, wo der Umfrage zufolge mehr als jeder zweite Betrieb Futter zukaufen muss. 

Betroffen ist einerseits die Weidetierhaltung, wo bereits jetzt zugefüttert wird. Gleichzeitig – und das gilt auch für Tierhalter mit reiner Stallhaltung – fehlt es an Aufwuchs zur Einlagerung für den Winter. Sorgen bereitet zudem, dass die oft zum Ausgleich für die Futternutzung angebauten Zwischenfrüchte aufgrund der Trockenheit nicht aufgehen. Viele Rinder-, Schaf- und Ziegenhalter planen daher bereits aktiv die Futterkalkulation bis Jahresmitte 2027 und, wo sinnvoll, auch eine Anpassung der Tierbestände. Bereits jetzt schlägt sich die erhöhte Abgabebereitschaft bei Schlachtkühen in Preisabschlägen nieder. 

BBV-Futterbörse unterstützt Betriebe

Zwar sind aufgrund der geringen Heuerntemengen die guten Qualitäten der Ernte 2025 nun größtenteils aufgebraucht. Wer aktuell Futter zukaufen muss, findet jedoch auch aufgrund der rückläufigen Viehbestände am Raufuttermarkt bislang noch ein ausreichendes Angebot vor. Über seine Online-Futterbörse bietet der BBV zudem eine Plattform, die Betriebe auf der Suche nach Futtermitteln mit anbietenden Betrieben zusammenbringt:

www.bayerischerbauernverband.de/futterboerse

Hitzeschutzmaßnahmen fordern Tierhalter

Neben der Trockenheit ist die Hitze ein großer Belastungsfaktor für Bayerns Nutztierbestände. Hitzeschutzmaßnahmen wie Kühl- und Lüftungsmanagement, zusätzliche Beschattung und ausreichende Wasserversorgung erfordern derzeit die volle Aufmerksamkeit der bayerischen Tierhaltungsbetriebe.

Ackerkulturen mit großen Einbußen

Auch auf dem Acker zeigen sich die Auswirkungen von Hitze und Trockenheit deutlich: Drei bis örtlich sogar vier Wochen früher als in den Vorjahren ist heuer die Ernte der meisten Ackerkulturen beendet worden. Die Erträge des Winterweizens beispielsweise liegen dabei in allen Bezirken mit Ausnahme Schwabens unter dem Durchschnitt. Besonders groß sind die Einbußen in Mittelfranken, wo durchschnittlich rund 58 dt/ha geerntet wurden – der bayerische Durchschnitt lag in den vergangenen Jahren bei 73 bis 75 dt/ha, heuer bei 65 dt/ha. Auch der Raps liegt mit einem Ertrag von bayernweit durchschnittlich 32 dt/ha deutlich hinter dem Schnitt der Vorjahre von circa 37,5 dt/ha. 
 

Die Maisbestände geben ein trauriges Bild ab: Selbst in Schwaben, wo die Bestände in guten Lagen gut entwickelt sind, zeigt der Mais mit stechpalmenartig zusammengerollten Blättern deutliche Anzeichen von Trockenstress. Besonders im Norden Bayerns erreichen die Pflanzen jedoch nicht einmal die Hälfte der üblichen Wuchshöhe, haben bislang kaum Fahnen und Kolben ausgebildet und stehen in weiten Abständen auf von Rissen durchzogenem, staubtrockenem Ackerboden. Gerade den Tierhaltern bereitet diese Entwicklung beim Silomais große Sorgen. 
44 Prozent der befragten Landwirte bewerten ihren Mais mit der Note mangelhaft bis ungenügend – eine beunruhigende Bilanz für unsere wichtigste Futterpflanze. Im Norden Bayerns wird der Mais teilweise schon jetzt geerntet, Ernteausfälle von 50 Prozent und mehr sind die Regel.

Drohende Ertragseinbußen auch bei Kartoffeln, noch Hoffnung für Rüben

Für Kartoffeln und Zuckerrüben, die im Herbst geerntet werden, ist die Kombination aus anhaltender Trockenheit und großer Hitze besonders problematisch: Nach der bereits zweiten, ausdauernden Hitzewelle geraten die Bestände zunehmend unter Stress. Bei Kartoffeln drohen geringere Knollengrößen sowie Ertrags- und Qualitätseinbußen. Zuckerrüben können Trockenphasen dank ihrer tiefen Wurzeln zwar länger überstehen, stellen bei anhaltendem Wassermangel jedoch ihr Wachstum ein. Entscheidend sind nun zeitnahe, ergiebige Niederschläge – für alle Kulturen und das Grünland gleichermaßen. 37 Prozent der Kartoffelbestände wurden in der Umfrage des Verbands mit mangelhaft oder ungenügend bewertet.

Sonderkulturen angespannt

Auch bei Obst, Gemüse, Wein, Hopfen und anderen Sonderkulturen bleibt die Lage vielerorts angespannt. Einzelne Schauer reichen nicht aus, um die Böden nachhaltig zu durchfeuchten. Viele Bestände müssen deshalb wo möglich weiterhin bedarfsgerecht bewässert werden, um Erträge und Qualitäten zu sichern. Gleichzeitig setzen Hitze und starke Sonneneinstrahlung den Pflanzen zu. Bei Obst ist eine ausreichende Wasserversorgung wichtig, damit sich die Früchte gut entwickeln. Bei Gemüse müssen Wachstum und Qualität gesichert werden. Besonders empfindlich sind junge Pflanzungen, frisch gesetzte Herbstkulturen und Bestände in der Fruchtentwicklung. In den kommenden Wochen brauchen die Betriebe regelmäßige, flächendeckende und bodenwirksame Niederschläge sowie etwas niedrigere Temperaturen.

Bauernverband warnt vor Waldbrandrisiko

Angesichts gehäufter Wald- und Feldbrände und nachdem auch für die kommenden Tage nur sehr lokal begrenzt Niederschläge vorhergesagt sind, warnt der Bayerische Bauernverband weiterhin vor dem anhaltend hohen Waldbrandrisiko. Betrieben mit Waldbesitz rät der Verband zu erhöhter Achtsamkeit und informiert unter www.bayerischerbauernverband.de/waldbrandgefahr-bayern über Vorsorgemaßnahmen. Auch sind erste Dürreschäden zu beobachten: Insbesondere Laubbäume beginnen nun, vorzeitig Laub abzuwerfen.

Versprechen einer steuerfreien Risikoausgleichsrücklage jetzt einlösen!

Die aktuellen Wetterextreme verschärfen die wirtschaftliche Situation vieler Ackerbaubetriebe zusätzlich, in der hohe Kosten für Dünger und Energie auf niedrige Erzeugerpreise treffen. Vor diesem Hintergrund wiederholt der Bayerische Bauernverband seine Forderung nach einer steuerfreien Risikoausgleichsrücklage, die es Landwirten erlaubt, in wirtschaftlich guten Jahren steuerbegünstigt Rücklagen zu bilden, um sie in Jahren mit außergewöhnlichen Ertrags- oder Einkommensausfällen gewinnmindernd aufzulösen. Bereits im Koalitionsvertrag zwischen CDU/CDU und SPD hatte die jetzige Bundesregierung festgehalten, für die Landwirtschaft eine steuerliche Risikoausgleichsrücklage schaffen zu wollen. BBV-Präsident Felßner appelliert an die Bundesregierung: „Jetzt ist die Zeit, dieses Vorhaben endlich umzusetzen!“