Wild- und Rinderseuche im Landkreis Amberg-Sulzbach
Betroffene Betriebe brauchen Unterstützung - BBV lädt zum Austausch ein
Ziel der rund dreistündigen Veranstaltung war es, die aktuelle Situation im Landkreis zu beleuchten, Erfahrungen der betroffenen Betriebe zusammenzutragen und insbesondere mögliche Entschädigungs- und Unterstützungsleistungen zu diskutieren. Neben den Landwirten waren Vertreter des Tiergesundheitsdienstes, der Bayerischen Tierseuchenkasse, des Verbands der Milcherzeuger Bayern, des Veterinäramtes sowie praktizierende Tierärzte anwesend.
Anne-Sophie Kraus vom Tiergesundheitsdienst erläuterte zunächst das Krankheitsbild und den bisherigen Verlauf des Seuchengeschehens. Die Hämorrhagische Septikämie betrifft insbesondere Hirsche, Wildschweine und Rinder und tritt in Europa nur sehr vereinzelt auf. Im Landkreis Amberg-Sulzbach kam es 2026 zu einer auffälligen Häufung. Das Krankheitsbild verläuft bei Rindern häufig sehr schnell und kann mit hohem Fieber, Atemnot und Keuchen einhergehen. In schweren Fällen kann der Tod innerhalb weniger Stunden eintreten.
Anhand von Fällen aus zwei betroffenen Betrieben zeigte Kraus die Auswirkungen der Erkrankung auf. Dabei wurde deutlich, dass auch gut geführte Betriebe betroffen sein können. Für die Tierhalter entstehen neben den direkten Tierverlusten erhebliche Kosten durch tierärztliche Behandlungen und gleichzeitig Leistungseinbußen. Besonders deutlich wurde in der Diskussion auch die emotionale Belastung, die mit dem Krankheitsgeschehen und dem Verlust von Tieren für die betroffenen Familien verbunden ist.
Als wichtige Präventionsmaßnahmen nannte Kraus insbesondere eine möglichst konsequente Biosicherheit und die Vermeidung von Kontakten zu Wildtieren. Auch betriebseigene Kleidung, eine konsequente Trennung von Krankenbereichen sowie eine Reduzierung von Stress für die Tiere seien wichtige Ansatzpunkte. Während eines Krankheitsgeschehens sollten zusätzliche Belastungen wie Futterumstellungen oder Klauenpflege möglichst vermieden werden. Da über die Krankheit und ihre Verbreitungswege bislang noch vergleichsweise wenig bekannt ist, sei zudem eine weitere wissenschaftliche Untersuchung des Seuchengeschehens in den Wildbeständen sinnvoll.
Im Anschluss stellte Herr Seufferlein vom Verband der Milcherzeuger Bayern (VMB) die Möglichkeiten des Milchförderfonds vor. Dieser freiwillige Fonds kann unter bestimmten Voraussetzungen Ertragsausfälle und verendete Rinder entschädigen. Allerdings sind nicht alle Tierhalter in den Fonds einbezogen; insbesondere Mutterkuhhalter und Rindermäster sind vom bestehenden System nicht erfasst.
Die Möglichkeiten der Bayerischen Tierseuchenkasse (BTSK) erläuterte deren Geschäftsführer Herr Köstler. Die Tierseuchenkasse ist an gesetzliche und beihilferechtliche Vorgaben sowie ihre Satzung gebunden. Für die aktuell aufgetretene Hämorrhagische Septikämie besteht derzeit keine Entschädigungsmöglichkeit über die Tierseuchenkasse. Köstler machte jedoch deutlich, dass er die besondere Situation der betroffenen Betriebe und die im Landkreis gemachten Erfahrungen in die zuständigen Gremien mitnehmen werde.
In der anschließenden Diskussion wurden weitere Lösungsansätze angesprochen. So regte Herr Stelter vom Veterinäramt an, für zukünftige vergleichbare Fälle eine bessere Abstimmung zwischen EU-Recht, nationalen Vorgaben und den Regelungen der Tierseuchenkasse anzustreben. Der Tierarzt und Sprecher der oberpfälzer Tierärzte, Herr Guggenmos, brachte zudem die Einrichtung eines Härtefallfonds für besonders betroffene Betriebe ins Gespräch. Dieser könnte außerhalb der bestehenden Systeme von Milchförderfonds und Tierseuchenkasse angesiedelt werden.
Zum Abschluss betonte Kreisobmann Peter Beer die Bedeutung einer guten Vernetzung zwischen Landwirtschaft, Tierärzten, Veterinärverwaltung, Verbänden und weiteren Beteiligten. Die Veranstaltung sei organisiert worden, um einen direkten Austausch zu ermöglichen und gemeinsam nach Lösungen für die betroffenen Betriebe zu suchen und die Weichen für künftige Fälle zu stellen.