Zwischen Wertschätzung und Reformbedarf:
Landwirtschaft im Dialog auf dem Hof Herleth
Vertreterinnen und Vertreter der Landwirtschaft aus den Landkreisen Rhön-Grabfeld und Bad Kissingen – darunter der Bauernverband, der Maschinenring sowie die Agrokraft – kamen dort mit der Generalsekretärin des Deutschen Bauernverbandes, Stefanie Sabet, zusammen. Ziel war ein offener Austausch über aktuelle Herausforderungen und Zukunftsperspektiven der regionalen Landwirtschaft.
Schnell wurde deutlich: Ein zentrales Anliegen eint die Beteiligten – der Wunsch nach mehr gesellschaftlicher und politischer Wertschätzung. Diese drücke sich nicht nur in Worten aus, sondern müsse sich auch in konkreten Rahmenbedingungen widerspiegeln. „Dazu gehört vor allem ein spürbarer Bürokratieabbau“, betonten mehrere Teilnehmer. Viele Landwirtinnen und Landwirte seien zunehmend durch Dokumentationspflichten und komplexe Vorgaben belastet, die Zeit und Ressourcen binden. Damit einhergehend nimmt das Gefühl der Entmündigung und fehlender Wertschätzung unter Landwirtinnen und Landwirten zu. Landrätin Sonja Rahm versprach, auf Landkreisebene eine gute Zusammenarbeit zwischen Landwirtschaft und Behörden zu ermöglichen. Auch Frau Sabet betonte die Wichtigkeit des Themas, gerade im Hinblick auf die mentale Gesundheit der Betriebsleiterinnen und Betriebsleiter.
Rapsöl als Kraftstoff: eine Chance auf fossile Unabhängigkeit
Im Zusammenhang mit Energiefragen wurde auch der Einsatz selbst produzierter Kraftstoffe in der Landwirtschaft thematisiert. Vor rund 20 Jahren erlebte dieser Bereich bereits einen Aufschwung: Viele landwirtschaftliche Betriebe rüsteten ihre Landmaschinen auf den Einsatz von Rapsöl als Kraftstoff um, um energieautark und unabhängig von fossilen Treibstoffen zu werden. Veränderte gesetzliche Rahmenbedingungen und eine stärkere Regulierung beendeten jedoch die Entwicklung. Das stieß auch vor zwei Jahren bei den Protesten zur Abschaffung der Agrardieselrückvergütung Landwirtinnen und Landwirten aus der Region wieder übel auf, hatten sie doch damals versucht die Initiative zu ergreifen, um fossil unabhängig zu werden. Heute gewinnt das Thema vor dem Hintergrund der aktuellen Energiekrise erneut an Bedeutung. Regionale, nachhaltige Kraftstofflösungen könnten wieder stärker in den Fokus rücken – insbesondere, wenn wirtschaftliche und politische Bedingungen dies ermöglichen. Hier ist die Politik gefragt.
Miteinander stärken – voneinander lernen
Um die Landwirtschaft zu stärken ist jedoch nicht nur eine gute Zusammenarbeit zwischen Landwirtschaft und Behörden wichtig, sondern auch von landwirtschaftlichen Betrieben untereinander. Gemeinsam können Einzelbetriebe mehr bewegen und Synergieeffekte nutzen, wie Mathias Klöffel betonte. Das zeigt sich zum Beispiel bei den fünf Gemeinschaftsbiogasanlagen im Landkreis, die auf Initiative der Agrokraft GmbH auf den Weg gebracht wurden. Es wurde angeregt, positive Beispiele stärker sichtbar zu machen: Der Bauernverband könne gezielt Betriebe mit innovativen Ideen hervorheben, um anderen Landwirtinnen und Landwirten Impulse zu geben. Ein solcher Austausch könne helfen, neue Wege zu gehen und voneinander zu lernen.
Neue Perspektiven: Bioökonomie und Klimaanpassung
Ein besonders zukunftsorientierter Ansatz wurde von Michael Diestel eingebracht. Er verwies auf das Potenzial der Produktion von Biokohle. Sie kann eine wesentliche Rolle zur Klimaanpassung der Landwirtschaft spielen, eröffnet aber auch neue wirtschaftliche Chancen für Landwirtschaftsbetriebe, etwa in der Bioökonomie oder im Zertifikatehandel.
Das Treffen auf dem Hof Herleth zeigte deutlich: Die Landwirtschaft in der Region steht vor vielfältigen Herausforderungen, bringt aber auch konkrete Ideen und Lösungsansätze mit. Von Bürokratieabbau über Flächenschutz bis hin zu innovativen Technologien wurde ein breites Spektrum an Themen diskutiert.