Schweinemarkt weiter unter enormem Druck
Bauernverband warnt vor Folgen für heimische Schweinehaltung und fordert entschlossenes Handeln
Die VEZG senkte ihre Ferkelnotierung am heutigen Freitag um 7,00 Euro je Ferkel. Damit setzt sich die katastrophal schlechte Marktentwicklung entlang der gesamten Wertschöpfungskette fort. Bereits in der vergangenen Woche hatten die bayerischen Ringferkel-Notierungen um 3,00 Euro je Ferkel nachgegeben. Damit wurde ein Teil der nun erwarteten Marktkorrektur bereits vorweggenommen. Im Vorfeld der heutigen Notierung standen zeitweise sogar Preisabschläge von 10,00 Euro je Ferkel im Raum. Die bayerische Ferkelnotierung wird turnusgemäß am kommenden Dienstag ermittelt.
Verbrauch bleibt hinter den Erwartungen zurück
Der Absatz im Inland verlief zuletzt zwar kontinuierlich, die hohen Temperaturen und die beginnende Urlaubszeit bremsen jedoch die Nachfrage nach Schweinefleisch. Gerade im Grillsortiment fehlten trotz zahlreicher Verkaufsaktionen die erhofften Impulse. Während das Angebot im Süden weitgehend ausgeglichen beschrieben wird, bestehen in anderen Regionen Deutschlands weiterhin Überhänge. Bereits in der Vorwoche hatten sich deutliche Forderungen nach einer Preiskorrektur abgezeichnet.
Mit dem Rückgang der Schlachtschweinepreise hat sich die Vermarktung von Ferkeln weiter eingetrübt. Die nun erfolgte Absenkung der VEZG-Ferkelnotierung bestätigt die Entwicklung, die sich bereits in den vergangenen Tagen abgezeichnet hatte. Für Ferkelerzeuger bedeutet dies zusätzliche Erlöseinbußen, nachdem sich die Vermarktung zuletzt bereits deutlich schwieriger gestaltet hatte.
BBV: Die gesamte Wertschöpfungskette steht unter Druck
Der Bayerische Bauernverband bewertet die aktuelle Entwicklung mit großer Sorge. Mit dem weiteren Preisrückgang verschärft sich die wirtschaftliche Situation der schweinehaltenden Betriebe erneut.
„Mit dem weiteren Rückgang auf 1,40 Euro geht nicht nur den Schweinehaltern die Luft aus, sondern der gesamten Wertschöpfungskette. Wer den Druck am Markt komplett auf die Erzeuger abwälzt, sägt an dem Ast, auf dem er sitzt“, betont der stellvertretende Tierhaltungspräsident des Bayerischen Bauernverbandes, Sebastian Dickow.
Weitere Infos in der BauernInfo Schwein.
Video: BBV-Präsident Günther Felßner zur desaströsen Situation am Schweinemarkt
Felßner: Schweinehaltung braucht jetzt ein klares Signal
BBV-Präsident Günther Felßner spricht angesichts der aktuellen Marktentwicklung von einer desaströsen Situation für die heimische Schweinehaltung. Preise von 1,40 Euro je Kilogramm Schlachtgewicht und Ferkelpreise auf einem Niveau von rund 40 Euro seien auf Dauer nicht kostendeckend und gefährdeten die Zukunft der Schweinehaltung in Deutschland. Besonders unverständlich sei der erneute Preisrückgang vor dem Hintergrund einer stabilen Nachfrage und einer insgesamt ordentlichen Vermarktung während der Grillsaison.
Felßner appelliert deshalb an Schlachtunternehmen und Lebensmitteleinzelhandel, ihrer Verantwortung für die heimische Erzeugung gerecht zu werden und den Preisdruck nicht einseitig auf die landwirtschaftlichen Betriebe abzuwälzen. Gleichzeitig fordert er eine offensive Preispolitik der Erzeugergemeinschaften, eine verpflichtende Herkunftskennzeichnung für Fleisch sowie gleiche Wettbewerbsbedingungen gegenüber Importen aus Ländern mit niedrigeren Produktionsstandards.
Auch die Politik müsse jetzt handeln. Zusätzliche nationale Auflagen dürften die Betriebe in dieser wirtschaftlich angespannten Situation nicht weiter belasten. Insbesondere die ab 2027 vorgesehenen Umbauverpflichtungen für Deckzentren müssten verschoben werden, da Investitionen auf dem derzeitigen Preisniveau für viele Betriebe nicht finanzierbar seien. „Deutschland darf kein toxischer Standort für die Schweinehaltung werden“, warnt Felßner.
Der Bayerische Bauernverband fordert deshalb ein gemeinsames Signal von Erzeugergemeinschaften, Schlachtwirtschaft, Lebensmitteleinzelhandel und Politik zur Stabilisierung der heimischen Schweinehaltung. Faire Erzeugerpreise, eine verpflichtende Herkunftskennzeichnung, gleiche Wettbewerbsbedingungen innerhalb Europas und gegenüber Importen aus Drittstaaten sowie praxistaugliche gesetzliche Rahmenbedingungen sind entscheidende Voraussetzungen, um die heimische Schweinefleischerzeugung dauerhaft zu sichern. Andernfalls drohen weitere Betriebsaufgaben und eine zunehmende Verlagerung der Schweinefleischproduktion ins Ausland.