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23.08.2017 Sturm

Unwetterschäden: „Soforthilfen nötig“

Verbände fordern steuerliche Erleichterungen für betroffene Bauern und Waldbesitzer

Der schwere Sturm vom 18. August hat teils existenzbedrohende Schäden für viele Bauernfamilien verursacht. Betroffene Waldbesitzer und Landwirte benötigen dringend Hilfe, die der BBV jetzt bei der bayerischen Staatsregierung gefordert hat…
BBV-Vizepräsident Felßner verschafft sich im Landkreis Fürth einen Eindruck der Sturmschäden
© BBV
 
Orkanböen und Hagel haben in der Nacht des 18. August in manchen Teilen Bayerns eine regelrechte Spur der Verwüstung hinterlassen. Gerade die Land- und Forstwirtschaft ist betroffen. Besonders schwer sind die Schäden in den Landkreisen Passau, Freyung-Grafenau und Fürth. Bauernfamilien stehen vor existenzbedrohenden Schäden. Neben Gebäuden wurden auch viele Maisäcker und große Waldflächen zerstört.

Gerade im Wald wurde oft die Arbeit von mehr als zwei Generationen zerstört. Mehr als 2 Millionen Kubikmeter Holz hat der Sturm gefällt. Der hohe Bruchholzanteil im Wald führt dazu, dass dieses Holz meist nur mit erheblichen finanziellen Einbußen vermarktet werden kann. „Über Jahre hinweg werden die Einnahmen aus der Holzverwertung fehlen. Die betroffenen Waldbesitzer und Landwirte benötigen deshalb dringend Hilfe“, heißt es in einem gemeinsamen Brief des Bayerischen Bauernverbandes, dem Waldbesitzerverband und der Familienbetriebe Land und Forst an den bayerischen Finanz- und Heimatminister Markus Söder sowie an Landwirtschaftsminister Helmut Brunner.

Walter Heidl (Präsident des Bayerischen Bauernverbandes), Josef Ziegler (Präsident des Bayerischen Waldbesitzerverbandes) und Albrecht zu Oettingen-Spielberg (Vorsitzender der Familienbetriebe Land und Forst) setzen sich daher für steuerliche Hilfen für besonders betroffene Waldbesitzer ein. Gewährt werden sollten aus ihrer Sicht Vergünstigungen nach § 34b Absatz 5 EStG, wie sie auch nach dem Orkan Niklas oder dem Tornado in Affing ermöglicht wurden.
 
Möglich wird dadurch die Anerkennung der ermäßigten Steuersätze bei Veräußerung des Schadholzes in späteren Wirtschaftsjahren. Notwendig ist laut der drei Verbände auch die Erhöhung der pauschalen Betriebsausgaben nach § 51 EStDV gemäß dem Rahmenkatalog zu steuerlichen Maßnahmen zur Berücksichtigung der durch Naturkatastrophen verursachten Schäden.

In den Wäldern zerstörte der Sturm vielerorts die Arbeit von Generationen
© BBV



Weil in Ostbayern der Borkenkäfer sein Unwesen treibt, ist eine förderunschädliche und auch längerfristige Lagerung von Kalamitätsholz auf landwirtschaftlichen Flächen notwendig, um die weitere Verbreitung des Borkenkäfers zu vermeiden. „Hier brauchen wir auch Lösungen, die über die Eigennutzung beziehungsweise die Nutzung im Rahmen der Nachbarschaftshilfe hinausgehen und für die auch eine Entschädigung der Flächennutzung gezahlt wird“, heißt es. „Bezüglich der Lagerung von Kalamitätshölzern zur Entlastung des Holzmarktes bitten wir um schnelle und unbürokratische Unterstützung bei der Schaffung von Lagerplätzen.“ Beim Holztransport seien eine Tonnageerhöhung und die Aufhebung des Sonn- und Feiertagsverbotes zu erwirken.

Für die Aufforstung der zerstörten Waldflächen ist es notwendig, dass ausreichend finanzielle Mittel im Rahmen der waldbaulichen Förderung zur Verfügung gestellt werden. „Hier werden dringend zusätzliche Mittel auch im Rahmen des Nachtragshaushaltes benötigt“, heißt es.


Erhebliche Schäden für die Landwirtschaft

Durch das Unwetter sind auch erhebliche Schäden für die landwirtschaftlichen Betriebe entstanden. Sie reichen von massiven Ertragsausfällen bei der Ernte bis hin zur Beschädigung von betriebsnotwendigen Gebäuden sowie von Maschinen. „Auch diese Betriebe, deren Existenz teilweise betroffen ist, benötigen eine entsprechende Unterstützung“, heißt es in dem Schreiben an die beiden Minister.

Vorgeschlagen werden folgende steuerlichen Maßnahmen:
  • Förderung der Wiederanpflanzung dauerhafter landwirtschaftlicher Kulturen als sofort abziehbare Betriebsausgabe.
  • Einkommensteuererlass für 13a-Betriebe, soweit durch die Unwetterschäden Ertragsausfälle eingetreten sind.

Gerade der Unwetterschaden der vergangenen Woche zeigt, dass in bestimmten Situationen auf eine Notstandsbeihilfe durch den Staat nicht verzichtet werden kann. Zahlreiche Schäden lassen sich nicht von Versicherungen abdecken. Für alle betroffenen Betriebe sind deshalb Soforthilfen und Sonderabschreibungen nötig. Betroffene Land- und Forstwirte sollten eine Stundungsmöglichkeit für fällige Steuerzahlungen und eine Möglichkeit zur Anpassung von Einkommensteuervorauszahlungen erhalten. Des Weiteren muss die Möglichkeit bestehen, für die Ersatzbeschaffung beweglicher und unbeweglicher Anlagegüter Rücklagen zu bilden.

Der BBV kümmert sich in den nächsten Tagen weiter um die rasche Unterstützung der betroffenen Familienbetriebe. Informationen für betroffene Landwirte gibt es an den BBV-Geschäftsstellen.

 
Durch die Futterbörse des Bayerischen Bauernverbandes besteht für Sie die Möglichkeit, Futter für betroffene Betriebe anzubieten beziehungsweise einen Bedarf zu melden.
 
Der Bäuerliche Hilfsdienst kümmert sich um Bauernfamilien in besonderen Notlagen. Weitere Informationen erhalten Betroffene auf dieser Seite.
 
 
 
Die Passauer Neue Presse zeigt mit einem bedrückenden Drohnenvideo den Ausmaß der Schäden:


 
 

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