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Vertreter des vbw Zukunftsrates und des BBV auf einer Bühne bei der Diskussion
Wie sieht die Digitalisierung in der Landwirtschaft aus? Vertreter des vbw Zukunftsrates und des BBV diskutierten am 8. Dezember 2017 in Lauingen.

vbw-Zukunftsrat diskutiert „Digitalisierung in der Landwirtschaft“

Bezirkspräsident Stefan Köhler wirbt für Freischaltung der RTK-Modems

11.12.2017 |

Der vbw Zukunftsrat analysiert Technologien und Branchen mit Blick auf deren gesellschaftliche Auswirkungen. Das Ziel dahinter: dem unternehmerischen Mittelstand eine Orientierung zu geben, welche Entwicklungen in den nächsten Jahren zu erwarten sind. Auf einer Regionalveranstaltung, die am 8. Dezember in der DEUTZ-FAHR-Arena in Lauingen stattfand, nahm der vbw Zukunftsrat besonders die Branche der Landwirtschaft in den Blick.
 
Dass digitalisierte Firmen beim Wachstum von Umsatz und Mitarbeiterzahl an der Spitze liegen, machte Dr. Oliver Ehrentraut von der Prognos AG – Prognos hat die vbw Studie „Neue Wertschöpfung durch Digitalisierung“ durchgeführt – gleich zu Beginn der Veranstaltung deutlich.

Im Anschluss stellte Prof. Jutta Roosen vom Lehrstuhl für Marketing und Konsumforschung der TU München die Studienergebnisse zur Digitalisierung in der Agrar- und Ernährungswirtschaft vor. Hier trügen z. B. Smart- und Precision Farming zur Automatisierung bei. So könne die Produktivität gesteigert werden und gleichzeitig der der Ressourcenverbrauch minimiert werden.

Wie die Anbieter von Landtechnik bereits heute die Möglichkeiten der Digitalisierung nutzen, und was in naher Zukunft möglich wird, stellte Alexander Hörmann, Produktspezialist der SAME DEUTZ-Fahr FAHR Deutschland GmbH, in seinem Impulsvortrag vor.

Anschließend berichtete Stefan Köhler, Präsident des Bezirksverbandes Unterfranken im Bayerischen Bauernverband, von seinen Erfahrungen mit der Digitalisierung in der Landwirtschaft. Köhler legte dar, dass das RTK-Signal viele Vorteile für den Landwirt böte. Durch die hohe Genauigkeit bis auf 2 cm würden Schlepper exakt in der Spur fahren. Das schone die Nutzpflanzen, den Boden und spare Produktionsmittel. Außerdem erhöhe sich der Arbeitskomfort für den Schlepperfahrer: Er müsse sich nicht mehr darauf konzentrieren, gerade aus zu fahren, sondern könne sich auf wichtigere Dinge, wie die angehängten Maschinen, konzentrieren. Das RTK-Signal steht auf Initiative des BBV mittlerweile kostenlos zur Verfügung. Jetzt sind die Hersteller dran, die moderne Technik günstiger zu machen.

Köhler forderte die Landmaschinenhersteller auf, den Empfang der RTK-Korrektursignale frei zu geben, am besten gleich in einer Weihnachtsaktion. „Es kann nicht sein, dass Landwirte die z.B. einen Schlepper gekauft haben, der bereits für den RTK-Empfang ausgerüstet ist, nochmals zur Kasse gebeten werden und für die Freischaltung einen Code für mehrere tausend Euro erwerben sollen“, sagt er. Nur, wenn die Modems freigeben würden, könnte sich die Technik in der Landwirtschaft zügig verbreiten.

Bei aller modernen Technik sei es unumgänglich, so Köhler, dass die Maschine-zu-Maschine-Kommunikation reibungslos funktioniere.  Hier sei noch einiges an Arbeit zu leisten. Es gebe immer noch Probleme mit Inkompatibilitäten! Der BBV fordere daher offene Schnittstellen für die Kommunikation und offene Daten-Formate. Nur so könnten Innovationen schnell und reibungslos in die Praxis kommen. Der vorgestellte „Agrirouter“, einem Zusammenschluss der wichtigsten Landmaschinenhersteller, wird hoffentlich die geeignete Plattform für den Datenaustausch auch zwischen Maschinen unterschiedlicher Hersteller sein.

Köhler fordert ein möglichst transparentes System, welches dem Landwirt die volle Kontrolle über seine Daten belässt. Wettbewerb sollte nicht um Plattformen, sondern um Innovationen auf der gemeinschaftlichen, offenen Plattform stattfinden.

 


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