Betrieb & Entwicklung

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Die Marktberichtstelle des BBV wird 70 Jahre alt
Leiterin der Marktberichtstelle Dr. Thordis Möller und Marktreferent Andreas Löbhard

70 Jahre Marktberichterstattung im Bayerischen Bauernverband

Marktdaten – einst per Hand gezeichnet, bald als App verfügbar

20.12.2018 |

Diese öffentlich-rechtliche, vom Staat übertragene Aufgabe, erfüllt die Marktberichtstelle des Bayerischen Bauernverbandes seit dem Jahr der Währungsreform 1948. Die Notierung der Agrargüter und deren Preisveröffentlichung ist ein wichtiges Instrument, das für Transparenz der Märkte sorgt und für eine faire Bildung der bayerischen Erzeugerpreise dient. Darum kümmert sich mit vollem Elan das Team der Marktberichtstelle des Bayerischen Bauernverbandes.

Und so funktioniert die Marktberichterstattung im BBV: Wöchentlich kontaktieren die Mitarbeiter die „Preislieferanten“, die auf freiwilliger Basis mitarbeiten. Dies sind in erster Linie Vermarktungsorganisationen, Erfassungs- und Landhandel, Verbände oder bei amtlichen Notierungen staatliche Stellen. Die so ermittelten Preise sollen den Vermarktern in erster Linie als Orientierung beim Ein- oder Verkauf ihrer Produkte oder Betriebsmitteln dienen, unabhängig vom Abnehmer. Darüber befragen die Mitarbeiter der Marktberichtstelle die Marktteilnehmer neben den Preisentwicklungen auch zum aktuellen Marktgeschehen. Als Marktpreise veröffentlicht werden in der Regel Preisspannen beziehungsweise Durchschnittspreise. Dabei ist zu beachten, dass diese Preise – sowohl Preisober- als auch Untergrenze – sowohl bei Erzeugerpreisen als auch amtlichen Notierungen ebenfalls nur einen Durchschnittspreis abbilden. Die tatsächlichen Preisspannen sind in aller Regel, je nach Produkt, größer.

Aktuelle Preise der BBV-Marktberichtstelle gibt es für BBV-Mitglieder auf diesen Seiten.

 

Schwierige Suche nach Preismeldern

„Nicht immer sind alle Beteiligten mit den Preisveröffentlichungen glücklich“, sagt Andreas Löbhard, Marktreferent seit 2013 beim BBV, „aber es ist wichtig zu verstehen, dass wir lediglich einen bayernweiten Durchschnitt veröffentlichen, der auf den diversen Preismeldungen basiert.“ Dieser diene als Orientierungspreis für die Erzeuger. Die Preise seien also in erster Linie zur Feststellung der Preisveränderung gegenüber der Vorwoche heranzuziehen. „Das eigene Preisniveau sollte jeder landwirtschaftliche Unternehmer heute selber kennen“, so Löbhard. Doch wie stellt man einen repräsentativen Melderstamm sicher? „Das ist und bleibt unser oberstes Ziel“, sagt Dr. Thordis Möller, Leiterin der Marktberichtstelle und Nachfolgerin von Willi Zellner, der im Sommer 2017 in Ruhestand gegangen ist. Dabei werde es zunehmend schwieriger, Preismelder zu finden. Der Grund: Die Strukturen auf Seiten der Abnehmer ändern sich laufend und damit schrumpft die Grundgesamtheit derer, die Preise melden können: weniger Erzeugergemeinschaften, Landhändler und Schlachtbetriebe bedeuten deshalb eine große Herausforderung für die Marktberichterstatter. 

 

Anfang 2019: Start der Markt-App

Auch die zunehmende Digitalisierung macht vor der Marktberichtstelle nicht halt. Wurden früher noch die Daten händisch in Graphen gezeichnet, übernimmt dies längst der Computer. Dennoch werden viele Preisabfragen noch per Fax gesendet und mit Hand in das System eingegeben. „Unser Ziel ist, dass wir irgendwann sämtliche Preisdaten direkt elektronisch übermittelt bekommen würden. Dies würde unsere Arbeit erleichtern, und auch die Melder hätten weniger Aufwand“, sagt Möller. So plant die Marktberichtstelle zur erfolgreichen Weiterführung der Geschlossenen Benutzergruppe für Anfang 2019 die Einführung einer Markt-App.

Die Geschlossene Benutzergruppe ist ein Meldesystem das im Gegenzug zur oben genannten Preisermittlung durch Erzeugergemeinschaften und dem Landhandel, auf den anonymisierten Preismeldungen der Landwirte basiert. Hier werden realisierte Geschäftsabschlüsse der bayerischen Landwirte erfasst und dadurch die Markttransparenz zusätzlich verbessert. Die App soll den Landwirten erlauben, schnell und unkompliziert Erzeugerpreise an die Marktberichtstelle zu übermitteln. Im Gegenzug dafür erhält der Landwirt eine Preisbewertung, je nach Produkt sogar auf Landkreisebene, in Echtzeit. „Durch das vereinfachte Meldesystem übers Smartphone erhoffen wir uns einen Zuwachs an Preismeldungen direkt von den Erzeugern. Unterstützen Sie uns regelmäßig und erhalten Sie im Gegenzug regionale Preisauswertungen“, wirbt Möller. Die Teilnahme und Nutzung der App ist für die ersten 1.000 Melder das erste Jahr kostenlos. Natürlich bleibt neben der App das bestehende Prinzip der Meldung übers Telefon, Fax und E-Mail vorerst bestehen – der Umstieg auf die App ist jederzeit möglich.

„An dieser Stelle sagen wir herzlichen Dank an alle, die uns über Jahre die Treue gehalten und Preise übermittelt haben“, sagt Möller. „Das gilt natürlich vor allem auch für unseren Melderstamm aus Handel und Vermarktungsorganisationen, den wir einmal wöchentlich kontaktieren.“ Auch hier seien zusätzliche Melder willkommen. „Je breiter die Datenbasis, desto zuverlässiger ist der Preisspiegel.“

 


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