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6.10.2017 Schwein

Schweinehaltung im Nordwesten

Interview: „Folgenabschätzung dringend nötig“

Über den Tellerrand der süddeutschen Schweinehaltung schauen – das wollten Vertreter des Bayerischen Bauernverbandes (BBV) und des Landesbauernverbandes Baden-Württemberg (LBV) auf einer Reise nach Westfalen und Niedersachsen.
Süddeutsche Landwirte, darunter die BBV-Spitze, informierte sich über den Stand der Untersuchungen in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen.
© BBV
 
 Anfang September fuhren Sie deshalb ins Versuchs- und Bildungszentrum Landwirtschaft Haus Düsse im westfälischen Bad Sassendorf. Das zur Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen gehörende Haus ist ein Versuchs- und Bildungszentrum für die Landwirtschaft, in dem unter anderem Fütterungs- und Haltungsversuche unter verschiedenen Aspekten durchgeführt werden. Außerdem informierten sie sich in der Versuchsstation Wehnen im niedersächsischen Bad Zwischenahn bei der Landwirtschaftskammer Niedersachsen über die dort laufenden Projekte in der Schweinehaltung.

Für den BBV waren auf der Reise unter anderem Präsident Walter Heidl und Veredlungspräsident Gerhard Stadler dabei, für den LBV nahm Klaus Mugele teil, Vizepräsident des LBV. Der Bayerische Bauernverband fragte die drei Verbandsvertreter – alle selbst Schweinehalter – nach ihren Eindrücken.
 
 
Welche Erkenntnisse haben Sie aus dem Nordwesten mitgenommen?

Walter Heidl: Wir haben Einblick erhalten in die Ergebnisse und Erfahrungen aus den laufenden Versuchsprojekten rund um aktuelle Diskussionspunkte in der Tierhaltung, insbesondere der Schweinehaltung. Die Stationen zeigen sehr eindrucksvoll die Möglichkeiten und die Grenzen auf, zum Beispiel beim Verzicht aufs Schwanzkupieren, im Deckzentrum, in der Abferkelbucht oder bei der Ferkelkastration.
 
 
Lassen Sie uns darauf näher eingehen. Welche Ansätze haben die Versuchseinrichtungen für die verschiedenen Kritikpunkte in der Schweinehaltung?
Beginnen wir mit dem Verzicht auf das Schwanzkupieren …


Gerhard Stadler: Wir hören immer, dass eine Optimierung des Managements, eventuell ein zusätzliches Angebot von Raufutter und weitere Maßnahmen, das Risiko von Schwanzbeißen reduzieren kann. Das NRW-Praxisprojekt zeigt jedoch, dass mit diesen Maßnahmen alleine – und begleitet von intensiver Beratung – nur ein kleiner Anteil von Langschwänzen unversehrt bis zur Schlachtung erhalten bleibt. Kalkulierbare, weitgehende Sicherheit bringt nur der minimale Eingriff des Schwanzkupierens.
 
 
Welche Erfahrungen machen die Niedersachsen mit der betäubungslosen Ferkelkastration?

Klaus Mugele: Die Alternativen werden intensiv getestet – mit interessanten Ergebnissen im Detail. So ist beispielsweise selbst mit ausgefeilten Fütterungsstrategien erzeugtes Eberfleisch nicht geeignet für die Herstellung von hochwertigen Fleischerzeugnissen wie Schwarzwälder Schinken. Außerdem wurde gezeigt, dass auch die Immunokastration Penisverletzungen nicht vollständig verhindert. Was die Betäubungsverfahren angeht, bestätigen uns die Ergebnisse in unserer Präferenz für die örtliche Betäubung.
 
 
Welche Erkenntnisse liefern die Versuche in der Sauenhaltung?

Gerhard Stadler: In den Versuchen im Deckbereich und in der Abferkelung hat sich herausgestellt, dass die Besamung in der Gruppe nicht funktioniert. Bei einer Besamung mit nur kurzzeitiger Fixierung ist mit einer höheren Umrauschquote zu rechnen. In ähnlicher Weise sind in der Abferkelung die Varianten mit mehr Bewegung für die Sauen mit erhöhten Verlusten verbunden. Hier ist noch intensive Entwicklungsarbeit nötig, um die Systeme zu optimieren.
 
 
Inwiefern sind die Ergebnisse für die Praxis in Süddeutschland aussagekräftig?
 
Klaus Mugele: Die Verhältnisse sind im Grunde vergleichbar, so dass die dortigen Ergebnisse auch für uns wichtige Anhaltspunkte sein können.
Walter Heidl: Das gilt umso mehr, als dass auch unsere bayerische Schweineversuchsanstalt in Schwarzenau zu ähnlichen Ergebnissen kommt.
 
 
Welche Impulse nehmen Sie für Ihre Arbeit im BBV auf?
 
Walter Heidl:  Die Eindrücke bestärken mich in unserer verantwortungsbewussten Herangehensweise. Zunächst müssen Neuerungen in Versuchsprojekten untersucht und dort Lösungsansätze herausgearbeitet werden. Erst wenn Lösungsansätze zur Verfügung stehen, die allgemein und unter verschiedenen Rahmenbedingungen (insbesondere auch den unsrigen) funktionieren können, können wir uns in Fläche an die Themen herantasten. Insofern ist Bayern genau auf dem richtigen Weg, wenn beim Thema Schwanzkupieren die Versuchsergebnisse aus Schwarzenau auf wenigen Praxisbetrieben verifiziert werden. Wer dagegen Systeme verändern will, ohne dass praktikable und strukturverträgliche Lösungen verfügbar sind, braucht sich anschließend über einen Ausstieg von vor allem kleineren und mittleren Betrieben aus der Tierhaltung nicht zu wundern.
 
Alle Gesprächsteilnehmer waren sich einig, dass alle aktuellen Themen wissenschaftlich fundiert aufbereitet werden müssen und für die Lösung jeweils eine Folgenabschätzung in der gesamten Breite der Auswirkungen dringend nötig ist.

 

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