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07.11.2014 Pressemitteilung

„Von Familienbetrieben geht alle Kraft und Entwicklung aus“

UN-Sonderbotschafter bei der Zukunftskonferenz „Bäuerliche Landwirtschaft“ in Berlin

München (bbv) – In diesem Jahr hat BBV-Ehrenpräsident Gerd Sonnleitner als UN-Sonderbotschafter deutlich gemacht, wie wichtig bäuerliche Familienbetriebe nicht nur für die Landwirtschaft und den ländlichen Raum sind, sondern auch welch entscheidende Rolle sie für die Entwicklung der Wirtschaft und der gesamten Gesellschaft spielen. Auch in Deutschland und Europa geht es nicht ohne die bäuerlichen Familienbetriebe. Sie erzeugen gesunde Lebensmittel und bieten Arbeitsplätze im ländlichen Raum, sie sind tragende Säulen des sozialen Zusammenhalts und der ländlichen Kultur. Am Samstag nimmt Sonnleitner an der Zukunftskonferenz „Bäuerliche Landwirtschaft“ der Bundestagsfraktion „Bündnis 90/Die Grünen“ in Berlin teil.
Gerd Sonnleitner setzt sich als UN-Sonderbotschafter für das Jahr der bäuerlichen Familienbetriebe ein.
© BBV
BBV: Herr Sonnleitner, die Vereinten Nationen haben das Jahr 2014 zum „Internationalen Jahr der bäuerlichen Familienbetriebe“ erklärt. Zwar wirtschaften 90 Prozent der Bauern weltweit in dieser Art und Weise, doch damit ist der Familienbetrieb doch weder vom Aussterben bedroht, noch handelt es sich um ein neuartiges Konzept. Warum also diese Schwerpunktsetzung?
Sonnleitner:
Die Erfahrungen der letzten Jahrzehnte zeigen, dass die Landwirtschaft und insbesondere die Familienbetriebe eine ganz wesentliche Rolle beim Kampf gegen Hunger und Armut spielen. Lange Zeit haben mehr als eine Milliarde Menschen auf der Welt gehungert. Eine aktuelle Untersuchung zeigt, dass diese Zahl auf 800 Millionen reduziert werden konnte. Woher kommt diese Entwicklung? Der Nukleus, von dem alle Kraft und Entwicklung ausgeht, ist der bäuerliche Familienbetrieb. Überall dort, wo die Landwirtschaft wieder als entscheidender Faktor gesehen und ins Zentrum der politischen Unterstützung gestellt wurde, ging es aufwärts.
Wichtig war auch der Anstieg bei den Preisen für Agrarprodukte. Und auch wenn viele NGOs eine andere Meinung vertreten: Wir brauchen diese Entwicklung, denn dadurch wird in vielen Regionen wieder produziert, die Menschen bleiben auf dem Land und so ist auch die Versorgung der Stadtbevölkerung einfacher. Das sind Erkenntnisse, die erst langsam reifen mussten.

BBV: Welchen Stellenwert hat heute der bäuerliche Familienbetrieb wirtschaftlich wie gesellschaftlich in einer von großen Unternehmen dominierten Ökonomie?
Sonnleitner:
Weltweit ist der Familienbetrieb das Rückgrat – sowohl der Landwirtschaft, als auch der ländlichen Räume. Und aus diesen Regionen heraus kann sich nicht nur eine starke Landwirtschaft entwickeln, sondern auch Handwerksbetriebe, Gewerbe und kleinindustrielle Strukturen. Diese Entwicklung kann nicht von einem großen Unternehmen übergestülpt werden, sondern hat seine Basis im Können und im Wissen, in der Flexibilität und der Anpassungsfähigkeit der Familienbetriebe.

Das zeigt auch ein Blick in die bayerische Geschichte: Lange war Bayern eine rein agrarisch geprägte Gesellschaft. Und dann hat sich hier Industrie entwickelt, bis hin zum High-Tech-Standort heute. Das ging Hand in Hand mit der Steigerung der Produktivität in der Landwirtschaft und mit der damit verbundenen Freisetzung von Arbeitskräften. Die Arbeitskraft dieser Menschen hat die weitere Entwicklung erst möglich gemacht.
 
BBV: Ist dieses Modell ohne weiteres auf andere Teile der Erde übertragbar?
Sonnleitner:
Wichtig ist, dass es nicht damit getan ist, die Landwirtschaft zu stärken. Vielmehr ist immer auch eine gewerbliche und industrielle Entwicklung nötig – und damit die Entstehung von außerlandwirtschaftlichen Arbeitsplätzen. Ansonsten stehen die freigesetzten Arbeiter auf der Straße. Nehmen Sie einen Bauernhof, wie unseren Betrieb hier im Rottal. Es ist noch keine hundert Jahre her, da hatten wir mehr als zehn Leute, die auf dem Hof mitgeholfen haben. Zehn Menschen, die in Brot und Arbeit standen. Und dann wurden diese Arbeitskräfte plötzlich an andere Wirtschaftsbereiche abgegeben. Dieses Prinzip könnte zum Beispiel auch auf die kleinbäuerlichen Strukturen Äthiopiens übertragen werden. Wenn die Effizienz steigt, werden Arbeitskräfte frei. Entscheidend ist dann, dass auch eine wirtschaftliche Entwicklung in Gang kommt, die dann von diesen Menschen gestaltet werden kann.

BBV: Ohne Kapital ist eine Weiterentwicklung schwierig. 2006 wurde der Friedensnobelpreis für die Idee der Mikrokredite vergeben, die viele Kleinbauern in eine Schuldenfalle gelockt haben. Wie kann das Problem gelöst werden?
Sonnleitner:
Wir müssen das Rad nicht neu erfinden. Hermann Schulze-Delitzsch oder Friedrich Wilhelm Raiffeisen sind ja bereits im 19. Jahrhundert angetreten, um genau diese Probleme in der Landwirtschaft zu lösen. Und so gibt es genügend erfolgreiche Beispiele, die nach wie vor Gültigkeit besitzen. Auch in den Ländern, in denen sich der Zugang zu Kapital schwierig gestaltet, können genossenschaftliche Modelle und Maschinenringe, Erzeugerzusammenschlüsse und Agrarbanken mit staatlicher Absicherung wichtige Impulse geben.

BBV: Die Weltbevölkerung steigt nach wie vor. Gleichzeitig steht die Landwirtschaft vor großen Herausforderungen: der Klimawandel, die Wasserversorgung und auch viele politische Krisen haben direkte oder indirekte Einflüsse auf die Arbeit der Bauern. Wird die sichere Lebensmittelversorgung auch in Europa zum Problem?
Sonnleitner:
Je mehr Krieg und Spannungen es gibt, desto unsicherer ist die globale Nahrungsmittelversorgung. Überall dort, wo gekämpft wird, können die Bauern nicht mehr aufs Feld. Ganze Ernten können nicht eingebracht werden, Bewässerungseinrichtungen und Infrastruktur werden zerstört. Das kann gewaltige Ausmaße annehmen – gerade für die Landwirtschaft. Auf der anderen Seite hat sich zum Beispiel in Afrika bereits vieles zum Besseren entwickelt. Und es ist gibt nach wie vor ein riesiges Potenzial. Wenn die Regierungen stabiler werden und auf die Bürger gehört wird, könnte auch über den eigenen Bedarf hinaus produziert werden. Es kommt aber darauf an, ob die Friedenspolitik greift oder ganze Landstriche durch neue Bürgerkriege verwüstet werden.
 
BBV: Daneben gibt es viele kleine Stellschräubchen, die entscheidend für die Arbeit der Bauern sind. Wo sehen Sie die größten Herausforderungen und Potenziale?
Sonnleitner:
Wer über die Zukunft der bäuerlichen Familienbetriebe spricht, muss immer auch die Entwicklungen bei den Abnehmern und in der Vermarktung im Blick behalten. Wir brauchen auch bei uns noch mehr Zusammenschlüsse in Form von Erzeugergemeinschaften und Genossenschaften, Maschinenringen, bei der Lagerhaltung und zum Teil auch bei den Vorstufen der Lebensmittelproduktion selbst. Auch weltweit ist das die Herausforderung.

In Afrika zum Beispiel sind die Landwirte sehr traditionsbewusst und deshalb wurden zum Beispiel Tomaten immer zu einem bestimmten Zeitpunkt gesät. Bei allen Bauern gleichzeitig. Das bedeutet, dass auch alle Früchte zum selben Zeitpunkt reif werden und der Markt entsprechend überflutet wird. Kurzzeitig ist viel Ware vorhanden, die fast nichts kostet. Dann ist auf einmal nichts mehr da und es herrscht ein Mangel. Inzwischen werden Pläne entwickelt und die Aussaattermine besser abgestimmt. So kann der Markt ganz anders versorgt werden und mehr Geld generiert werden. Das sind kleine Schritte, die den Landwirten helfen, aus dem Teufelskreislauf der Armut und der Subsidienzwirtschaft herauszukommen.

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