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18.09.2017 Positionen

Erklärung zur Anbindehaltung in Bayern

Position des Präsidiums des Bayerischen Bauernverbandes

Die Landwirtschaft in Bayern, insbesondere die Milchviehhaltung, ist geprägt von vielen kleineren und mittleren bäuerlichen Familienbetrieben. Durch ihre Vielfalt an Unternehmensformen (Haupt-, Zu- und Nebenerwerb) und Einkommenskombinationen (z.B. mit Urlaub auf dem Bauernhof oder Direktvermarktung) gestalten sie das wirtschaftliche Leben im ländlichen Raum wesentlich mit.
© BBV
 
Außerdem bilden sie mit ihrer Erzeugung die Basis für ein breites Spektrum an regionalen Produkten und Spezialitäten, welche von den Verbrauchern hoch geschätzt werden. Viele dieser Milchviehbetriebe halten ihre Rinder in Anbindehaltung, auch wenn die Zahl dieser Betriebe stetig abnimmt. Die Ställe mit Anbindehaltung entsprechen dabei  grundsätzlich den gesetzlichen Anforderungen.
 
Jeder neu gebaute Stall ist ein Laufstall, der neben dem Tierwohl weitere Vorteile z.B. für die Arbeitswirtschaft bietet. In Bayern haben aktuell über die Hälfte der mehr als 30.000 Milchviehbetriebe Anbindehaltung. Eine enge Bindung zwischen Tierhalter und Tieren sowie ein verantwortungsvoller Umgang mit den Tieren stehen auch hier im Vordergrund. Gleichzeitig zeigen sich die bestehenden Anbindebetriebe aber auch aufgeschlossen für Weiterentwicklungen, insbesondere wenn es um Verbesserungen des Tierwohls geht. Teilweise haben sie auch schon entsprechende Maßnahmen umgesetzt.  Oft stehen jedoch räumliche Enge, finanzielle Ausstattung, geringe Aussicht auf die Genehmigungsfähigkeit von Neubauten oder fehlende Planungssicherheit z.B. durch unsichere Generationenfolge größeren Baumaßnahmen entgegen.

Die gesellschaftliche Bedeutung der kleinen Milchviehbetriebe mit Anbindehaltung sowohl für die Landschaftspflege als auch für die Bewirtschaftung von Grünland ist groß. Denn es sind gerade diese Betriebe, die kleinteilige Grünlandflächen, Hanglagen und andere ökologisch wertvolle Grenzstandorte pflegen und erhalten. Damit übernehmen sie unverzichtbare Aufgaben für den Klima- und Bodenschutz sowie für den Erhalt der Artenvielfalt. Wenn diese Betriebe aus der Milcherzeugung ausscheiden, würde  die Bewirtschaftung vieler dieser Flächen aufgegeben werden. Dies wäre ein großer Verlust für die einzigartige bayerische Kulturlandschaft, die Einheimische wie Touristen gleichermaßen wertschätzen.

Zudem leisten auch diese Familien, die die kleinen Anbindebetriebe bewirtschaften, einen wichtigen Beitrag zur Sicherung lebendiger Dörfer und Gemeinden und der sozialen Strukturen vor Ort. Dies reicht vom Engagement in den örtlichen Vereinen bis zum ländlichen Straßen- und Wegebau. Viele der auch für die Naherholung gern genutzten Feld- und Waldwege sind so entstanden und werden in Stand gehalten.

Vor dem Hintergrund der vielfach herausfordernden individuellen Rahmenbedingungen für Veränderungen in den einzelnen Betrieben mit Anbindehaltung einerseits und den vielfältigen Leistungen dieser Betriebe andererseits lehnt das Präsidium des Bayerischen Bauernverbandes ein mit einem konkreten Zeithorizont verbundenes gesetzliches Verbot entschieden ab. Gleichzeitig warnen wir auch eindringlich vor einer Befristung durch Marktpartner, z.B. den Lebensmitteleinzelhandel. Beides würde eine Unterbietungsspirale in Gang setzen, deren Folge ein massiver Strukturbruch im ländlichen Raum wäre. Wenn  ein Großteil der jetzt bestehenden Anbindebetriebe die Milcherzeugung aufgeben müsste, würden auch die damit verbundenen Wertschöpfungsketten sowie Traditionen größtenteils wegbrechen. Die Folge wäre der Verlust der genannten Besonderheiten Bayerns sowie der regionalen Erzeugung und Vielfalt.

Stattdessen plädiert das Präsidium des Bayerischen Bauernverbandes dafür, die Betriebe bei ihrer Weiterentwicklung weg von der ganzjährigen Anbindehaltung mit einem gemeinsamen konkreten Konzept mit flexiblen Ansätzen zu unterstützen. Das Konzept setzt dabei darauf, dass mit seinem Start (z.B. zum 01.01.2018)  Betriebe mit ganzjähriger  Anbindehaltung nach einer Situationsanalyse von Anfang an konkrete Verbesserungsmaßnahmen in Angriff nehmen. Um den individuell sehr unterschiedlichen Ausgangssituationen, Zwängen und Zukunftsplänen der Betriebe gerecht zu werden, stellt das Konzept dazu ein passendes Spektrum an konkreten Maßnahmen bereit, die von praxisnahen  Anpassungen (z.B. Standverlängerung, Ventilatoren) über Umbaulösungen (z.B. Laufbucht für Trockensteher, Standverbreiterung, Anpassung Futtertisch) bis hin zum Neubau eines Laufstalls reichen.

Das übergeordnete Ziel dieses Konzeptes ist die Erhaltung der flächendeckenden Milchviehhaltung in Bayern. Dies erfolgt zum einen über die Unterstützung zur Umstellung auf Laufställe, zum anderen aber auch, um Strukturbrüche zu vermeiden, über die Kombination aus Anbindeställen mit Bewegungsmöglichkeiten, z.B. Weidegang, befestigter Auslauffläche (Laufhof) oder Laufbucht für Trockensteher.
Die Anstrengungen und Veränderungen aller beteiligten Partner auf dem Weg dahin werden in regelmäßigen Fortschritts- und Tätigkeitsberichten dokumentiert. Diese ermöglichen es den Beteiligten die eigenen Anstrengungen nachzujustieren. Nach der Erfassung der notwendigen Informationen, könnte ein erster Bericht zum Stand der konkreten Verbesserungen ca. 3 Jahre nach dem Start des Konzepts erfolgen. Nach weiteren ca. 3 Jahren könnte eine umfassende Evaluierung sowie ggf. Anpassung des Konzepts erfolgen. Dabei sollten neben den durchgeführten Verbesserungsmaßnahmen auf den Betrieben (von kleinen Maßnahmen in bestehenden Ställen bis Laufstallneubau) auch die durchgeführten Maßnahmen aller Partner (Beratungsangebote, Förderung, Zuschüsse,…) sowie die Entwicklung des Strukturwandels entsprechende Bewertung finden. Die staatliche Unterstützung, z.B. durch gezielte Beratung oder Förderung mit dem Ziel des Laufstallneubaus sowie der Weiterentwicklung der bestehenden Anbindeställe, spielt hierbei eine entscheidende Rolle (z.B. über die jetzige staatliche Förderung durch BaySL und EIF).

Das Präsidium des Bayerischen Bauernverbandes sieht in so einem Konzept den geeigneten verantwortungsvollen Ansatz, die Milchviehhaltung konsequent im Sinne des Tier-wohls, aber ohne Strukturbrüche voranzubringen. Die bayerischen Milchviehhalter mit Anbindehaltung, aber auch die abnehmende Hand erhalten so auch die notwendige Planungssicherheit und Perspektive. Wir bieten deshalb allen Marktakteuren an, die Details des Konzeptes zeitnah gemeinsam auszuarbeiten und es dann miteinander umzusetzen.
 

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