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Saisonarbeitskräfte auf einem Spargelfeld beim Spargelstechen.

Saisonkräfte dürfen einreisen - Jetzt registrieren!

Strenge Hygieneregeln sind zu beachten

06.04.2020 |

Dank des intensiven Einsatzes des Bauernverbandes können nun doch wieder Saisonarbeitskräfte aus Osteuropa nach Deutschland einreisen. Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft hat mitgeteilt, dass nach Verhandlungen mit  Bundesinnenministerium und Bundesarbeitsministerium sowie in Abstimmung mit dem Robert Koch-Institut ein Kompromiss gefunden werden konnte.

Eine Einreise von Saisonarbeitskräften aus Osteuropa per Flugzeug ist unter strengen hygienerechtlichen Vorgaben für die Einreise, die Unterbringung und die Arbeit auf den landwirtschaftlichen Betrieben wieder möglich. Unter Einhaltung dieser strikten Auflagen dürfen in den Monaten April und Mai 2020 jeweils 40.000 Arbeitskräfte aus den beiden Ländern einreisen. Die Regelungen gelten für Saisonarbeitskräfte, die im Rahmen der aktuellen Einreisebeschränkungen nicht mehr einreisen konnten.

Dazu erklärt BBV-Präsident Heidl: „Wir Bäuerinnen und Bauern wollen die Bevölkerung trotz der Corona-Krise mit frischen und regionalen Lebensmitteln versorgen. Damit das bei Obst und Gemüse gelingen kann, sind erfahrene ausländische Saisonarbeiter notwendig. Das hat der Bauernverband in den letzten Tagen deutlich gemacht. Jetzt konnte in Abstimmung mit dem Bundeslandwirtschaftsministerium, dem Bundesinnenministerium und dem Robert Koch-Institut kurzfristig eine Lösung gefunden werden, die zu einer Entspannung im Obst- und Gemüsebau beiträgt. Die Betriebe werden die Leitlinien und Vorgaben des Robert Koch-Instituts strikt einhalten. Der Bayerische Bauernverband informiert seine Mitglieder über die wichtigen Details und unterstützt bei der Abwicklung. Denn für die Landwirtschaft und die Versorgung mit frischem Obst und Gemüse ist in dieser schwierigen Situation wichtig, dass die dringend benötigten Arbeitskräfte auf die Höfe geholt werden können und gleichzeitig der Infektionsschutz gewährleistet ist.“

Die Regelungen zur Einreise, der Unterbringung und der Arbeit der Saisonkräfte sind in einem Konzeptpapier des Bundeslandwirtschaftsministeriums und des Bundesinnenministeriums (Download unten) festgelegt.

Dort sind strenge hygienerechtliche Vorgaben für die Einreise, die Unterbringung und die Arbeit auf den landwirtschaftlichen Betrieben festgeschrieben:

  • Saisonarbeiter aus Osteuropa – derzeit insbesondere Rumänien – dürfen ausschließlich in Gruppen und mit dem Flugzeug über einige bestimmte Flughäfen nach Deutschland ein- und ausreisen. Für Bayern ist das der Flughafen Nürnberg.
     
  • Bei der Einreise ist ein Gesundheitscheck vorgeschrieben. Wer nicht gesund ist, dem wird die Einreise verweigert.
     
  • In den ersten 14 Tagen nach der Anreise dürfen die Helfer zwar arbeiten, aber den Betrieb nicht verlassen - die Bundesregierung spricht von einer "faktischen Quarantäne bei gleichzeitiger Arbeitsmöglichkeit".
     
  • Bei den Arbeiten sollen die Erntehelfer Mindestabstände von 1,5 bis 2 Metern einhalten oder – falls dies nicht möglich sein sollte – Mundschutz und Handschuhe tragen.
     
  • Mit Ausnahme von Familien ist auf den Betrieben eine Zimmerbelegung nur mit maximal halber Kapazität zulässig.
     
  • Mitarbeitern müssen die Hygienevorschriften in der jeweiligen Landessprache bereits vor der Anreise zur Verfügung gestellt werden.


Mehr zu den Vorgaben zur Einreise sowie zur Unterbringung und Arbeit auf den Betrieben erfahren Sie beim Bundeslandwirtschaftsministerium und in diesem Konzeptpapier:

Plattform zur Eingabe der benötigten Daten

Saisonkräfte aus Rumänien und Bulgarien? Jetzt Kontakt aufnehmen!
Derzeit ist keine Ausreise aus Bulgarien möglich. Wer im Moment Saisonkräfte aus Rumänien nach Deutschland holen will, sollte – wenn er alle Vorgaben aus dem Konzeptpapier erfüllen kann, Kontakt mit den potenziellen Arbeitskräften in deren Heimatland aufnehmen. Die Arbeitskräfte sollten ganz eindringlich auf die Vorgaben aus dem Konzeptpapier (insbesondere 14 Tage Quarantäne nach der Ankunft - also keinerlei Ausflüge, kein Einkauf im Supermarkt vor Ort, sondern ausschließlich Leben und Arbeiten am Betrieb) hingewiesen werden. Dabei sollte auch geklärt werden, ob die ausländischen Saisonarbeitskräfte unter diesen gegebenen Umständen überhaupt nach Bayern kommen wollen.

 

Formalitäten vorher klären!
Die Betriebe sollten auch unbedingt klären, ob die potenziellen Arbeitskräfte gesund und bereit sind, dass sie die Anreisen zu den Abflughäfen auf sich nehmen. Am Ankunftsflughafen in Deutschland müssen alle Saisonarbeitskräfte einem Gesundheitscheck unterzogen werden.

 

Zentrale Plattform zur Eingabe der benötigten Daten
Die Meldung der für die Einreise benötigten Daten, u. a. Name des Betriebes, der Arbeitnehmer, Flugnummer etc., erfolgt zentral über das Internetportal unter saisonarbeit2020.bauernverband.de. Ab sofort können landwirtschaftliche Betriebe sich dort anmelden und dann die nötigen Informationen an die Bundespolizei übermitteln.

Deshalb müssen sich Betriebe vorab unbedingt folgende Daten der Saisonarbeitskräfte geben lassen:

  • Vor- und Nachname
  • Herkunftsland
  • Personalausweis- oder Reisepassnummer

Darüber hinaus sind folgende Informationen notwendig:

Die Eingabe der Daten muss mindestens 48 Stunden vor Abflug erfolgen!

Auf der Seite saisonarbeit2020.bauernverband.de finden Sie oben rechts den Link zu "FAQ - Häufige Fragen". Hier finden Sie alle relevanten Informationen stets aktualisiert.

Nutzen Sie unsere Schritt-für-Schritt-Anleitung unter
www.bayerischerbauernverband.de/Saisonkrafteportal-Anleitung
 

Internetplattformen zur Personalsuche nutzen


Über Internet-Plattformen sollen Arbeitssuchende, Kurzarbeiter oder auch Studenten sowie alle sonstigen Personen, die bereit sind auf einem landwirtschaftlichen Betrieb zu arbeiten schnell mit Betrieben in Verbindung gebracht werden, die Arbeitskräfte brauchen und suchen. Personen, die auf landwirtschaftlichen Betrieben mitarbeiten wollen, können sich online auf www.saisonarbeit-in-deutschland.de und www.daslandhilft.de ein Bild von der auszuübenden Tätigkeit machen. Über die hinterlegten Kontaktdaten (in der Regel Telefon oder E-Mail) nehmen die Interessierten direkt Kontakt mit dem Betrieb auf. Die Kontaktaufnahme bzw. Nutzung der Plattform durch Arbeitnehmer ist kostenfrei. Mit einer Registrierung der Betriebe ist eine schnelle und unkomplizierte Vermittlung der sich anbietenden deutschen Arbeitskräfte möglich.

Für das Portal www.saisonarbeit-in-deutschland.de brauchen Sie keine Mitgliedschaft im Bauernverband. Jeder Betrieb, jede Arbeitssuchende und jeder Arbeitssuchender kann die Vermittlungsplattform in der aktuellen Krisensituation nutzen - und zwar ohne zusätzliche Kosten. Die Einstellung des Betriebsprofils ist für Betriebe bis zum 30. Juni 2020 ebenfalls kostenfrei!

Auch die Agentur für Arbeit hilft bei der Vermittlung von Arbeitsplätzen in der Landwirtschaft weiter. Hier sind auch Asylbewerber*innen registriert, die dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen. Hier erfahren Sie mehr dazu.

Landwirtschaftsministerium startet Gemeinschaft-Aktion "Arbeiten für die Ernte"

Um den weiteren Bedarf an Saisonarbeitskräften in den kommenden Wochen decken zu können, hat Bayerns Landwirtschaftsministerium eine Aktion gestartet, die auch der Bayerische Bauernverband unterstützt. Alle verfügbaren Kräfte in der Land- und Ernährungswirtschaft, in Handwerk, Industrie, Handel und anderen Organisationen sollen mobilisiert werden. Mit der Initiative „Arbeiten für die Ernte“ will Landwirtschaftministerin Michaela Kaniber alle Informationen und den Austausch dazu im Land bündeln, um die ausfallende Saisonarbeitskräfte aus dem Ausland bestmöglich zu ersetzen. „Angesichts der nun auch für Saisonarbeiter geschlossenen Grenzen müssen wir jetzt nach vorne schauen und schnell Alternativen finden“, sagte Kaniber. „Wir ziehen alle an einem Strang, um der regionalen Landwirtschaft zu helfen, aber auch Menschen, die jetzt in anderen Wirtschaftszweigen und Branchen unfreiwillig zur Untätigkeit gezwungen sind“, so Kaniber.

Über die Internet-Plattformen www.saisonarbeit-in-deutschland.de und www.daslandhilft.de sowie andere regionale Kontaktstellen sollen Arbeitssuchende, beschäftige Kurzarbeiter oder auch Studenten schnell mit Betrieben in Verbindung gebracht werden, die Arbeitskräfte brauchen und suchen.

Die Initiative wird auch getragen vom Verband der Bayerischen Wirtschaft, von der Industrie- und Handelskammer, den Handwerkskammern, dem Hotel- und Gaststättenverband, auch vom Bayerische Bauernverband und den Maschinenringen. „Dass sich so viele Organisationen beteiligen, zeigt den großen Bedarf in allen Bereichen des Wirtschaftslebens. Ich hoffe daher auf eine große Resonanz“, sage die Ministerin.

 

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Bauernpräsident Heidl fordert den Bundesinnenminister auf, das Einreisestopp für Erntehelfer zurückzunehmen

Einsatz gegen Einreisestop

In der deutschen Landwirtschaft sind jährlich rund 300.000 Saisonarbeitskräfte beschäftigt, die überwiegend aus Osteuropa kommen. Das Bundesinnenministerium hatte Ende März erlassen, dass kein einziger Erntehelfer aus Osteuropa mehr einreisen dürfe – und das nachdem Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner noch verkündet hat, dass osteuropäische Arbeitskräfte weiterhin die Möglichkeit zur Einreise gegeben werden soll.

Bauernpräsident Walter Heidl wandte sich sofort an Bundesinnenminister Horst Seehofer: „Das vorübergehende Einreiseverbot für Saisonarbeitskräfte aus Osteuropa führt jetzt unmittelbar zu riesigen Problemen im Obst- und Gemüsebau. Denn: Was jetzt nicht angebaut wird, kann auch nicht geerntet werden. Herr Bundesinnenminister, nehmen Sie diese Anordnung bitte zurück, damit die Einreise von Saisonarbeitskräften nach wie vor möglich bleibt.“ Daraufhin wurde am 2. April bekanntgegeben, dass unter strengsten Auflagen im April und im Mai jeweils 40.000 Saisonarbeitskräfte aus Rumänien und Bulgarien per Flugzeug nach Deutschland einreisen dürfen.

Aus Sicht des Bauernverbandes muss es kurzfristig unbürokratische und praktikable Lösungen geben, um Menschen in und aus Deutschland beschäftigen zu können. Die bisherigen Lockerungen der Hinzuverdienstmöglichkeiten unter anderem für Bezieher von Kurzarbeitergeld reichen nun nicht mehr aus, um die entstandene Lücke zu schließen. Hier müssen wir ansetzen und auch die Höchstbeträge für geringfügige Beschäftigungsverhältnisse anheben, um Menschen für die Arbeit in der Landwirtschaft zu motivieren.

 

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